2.13.11 (k1968k): B. Ermordung der deutschen Ärzte in Hue

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 21. 1968Erste Tagung des FinanzplanungsratsKabinettsaussprache zu den StudentendemonstrationenSitzung des Kabinetts in BerlinTod von Entwicklungshelfern aus der Bundesrepublik in Südvietnam

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[B.] Ermordung der deutschen Ärzte in Hue

Bundesminister Wischnewski berichtet über die Feststellungen, die nach Auffindung der Leichen der deutschen Ärzte getroffen worden sind. 27 Mord sei eindeutig nachgewiesen, während die Motive für die Tat noch nicht abschließend geklärt werden konnten. Er hebt hervor, daß sofort nach Bekanntwerden der Gefangennahme alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien, eine Freilassung zu erwirken. Die Versorgung der Hinterbliebenen sei nicht ausreichend geregelt. Das gebe zu ernsten Bedenken Anlaß und stelle zusammen mit Hinweisen, daß die Deutschen nach den Amerikanern und ihren am Vietnamkrieg beteiligten Verbündeten am gefährdetsten seien, die Aufrechterhaltung der deutschen humanitären Hilfe und Entwicklungshilfe in Vietnam ernstlich in Frage. 28 Jedenfalls sollten die versicherungs- und versorgungsrechtlichen Fragen ehestens geklärt, 29 die deutsche Schule zu einem möglichst frühen Zeitpunkt an die Vietnamesen übergeben werden. 30

Staatssekretär Lemmer spricht sich dagegen für einen weiteren Einsatz der Malteser, Staatssekretär Gumbel für ein weiteres Verbleiben des Hospitalschiffes Helgoland in Vietnam aus. 31 Bundesminister Dr. Heck regt an, zunächst die Angaben über die angebliche besondere Gefährdung der Deutschen in Vietnam durch die deutsche Botschaft in Saigon und in Gesprächen mit den Amerikanern zu klären, bevor hieraus Konsequenzen gezogen werden könnten.

Das Kabinett faßt keinen formellen Beschluß. Bundesminister Wischnewski wird die Bundesregierung bei den Beisetzungsfeierlichkeiten vertreten und Kränze niederlegen. 32 Vor grundlegenden Entscheidungen über das weitere humanitäre Wirken der Bundesrepublik Deutschland in Vietnam sollen Gespräche mit den Amerikanern geführt und gewisse Klärungen über die deutsche Botschaft in Saigon herbeigeführt werden. 33

Fußnoten

27

Siehe 112. Sitzung am 7. Febr. 1968 TOP D. - Am 3. April 1968 waren die im Januar 1968 während der Tet-Offensive des Vietcong verschleppten Prof. Dr. Horst Günther Krainick, seine Frau Elisabetha, Dr. Raimund Discher und Dr. Alois Alteköster erschossen aufgefunden worden. Krainick hatte den Aufbau der medizinischen Fakultät an der Universität Hue geleitet, die beiden anderen Ärzte waren ebenfalls dort tätig gewesen. Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramts für die Kabinettssitzung vom 16. April 1968 in B 136/3002, weitere Unterlagen in AA B 37-IB5, Bd. 395, und B 136/3658.

28

Vgl. dazu die Niederschrift des BMZ vom 11. April 1968 über eine Ressortbesprechung im BMI am 10. April 1968 und das Schreiben des früheren Geschäftsführers der Projekte des Büros für Internationale Soziale Hilfe (BISH) der Konrad-Adenauer-Stiftung an Wischnewski vom 29. April 1968 in B 213/12301.

29

Nach Prüfung der versicherungs- und versorgungsrechtlichen Fragen teilte das BMI mit, es bestehe für alle Helfer der in Süd-Vietnam aktiven Hilfsorganisationen der Bundesrepublik, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Malteser Hilfsdienst e. V. (MHD), Büro für Internationale Soziale Hilfe e. V. (BISH) und Deutsche Förderungsgesellschaft für Entwicklungsländer (GAWI) ein ausreichender Versicherungsschutz. Vgl. das Schreiben des BMI an Wischnewski vom 24. Mai 1968 in B 106/41418 und B 136/3657, mit handschriftlichem Vermerk Wischnewskis vom 2. Juni 1968 in B 213/8892.

30

Angesprochen ist die von der Bundesrepublik finanzierte Errichtung eines Ausbildungszentrums für Sozialfachkräfte. Vgl. den Bericht des BMI vom 12. März 1968 in B 106/41418 und AA B 37-IB5, Bd. 400, weitere Unterlagen in AA B 37-IB5, Bd. 397, und B 213/8892.

31

Siehe 61. Sitzung am 11. Jan. 1967 TOP B (Kabinettsprotokolle 1967, S. 77 f.). - Das Hospitalschiff „Helgoland" war im September 1966 zunächst in den Hafen von Saigon entsandt und ein Jahr später in den Hafen von Da Nang verlegt worden.

32

Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramts vom 16. April 1968 in B 136/3002.

33

Erklärung der Bundesregierung zur Ermordung der deutschen Ärzte in Hue und des Legationsrats Rüdt von Collenberg in Saigon vom 29. Mai 1968 in AA B 37-IB5, Bd. 396, vgl. Bulletin Nr. 71 vom 6. Juni 1968, S. 605. - Zu den humanitären Hilfsmaßnahmen der Bundesrepublik in Süd-Vietnam Fortgang 131. Sitzung am 17. Juli 1968 TOP 6.

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