2.40.3 (k1968k): 2. Ausstellung aus Anlaß des 100-jährigen Jubiläums der Reichsgründung 1871, BMI

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2. Ausstellung aus Anlaß des 100-jährigen Jubiläums der Reichsgründung 1871, BMI

BM Benda trägt den wesentlichen Inhalt seiner Kabinettvorlage vom 7. Oktober 1968 vor und bittet um die grundsätzliche Zustimmung des Kabinetts zu seinen Anträgen. 11

In einer Aussprache, an der sich die BM Prof. Dr. Schmid, Dr. Eppler, Dr. Stoltenberg, v. Hassel, Benda und Höcherl sowie StS Diehl beteiligen, werden verschiedene Gesichtspunkte für und gegen eine Ausstellung aus Anlaß des 100-jährigen Jubiläums der Reichsgründung 1871 erörtert. Es besteht Übereinstimmung, daß der Anlaß für Veranstaltungen besonderer Art geeignet sei; gegen die geplante Ausstellung werden aber auch gewichtige Bedenken erhoben. BM Dr. Eppler meint, eine Ausstellung habe nur dann einen Sinn, wenn sie von einem gemeinsamen Geschichtsbewußtsein der dargestellten Epoche ausgehe. Ein Blick in die Schullehrbücher beweise aber, wie sehr das Geschichtsbild dieser Zeit auseinandergehe. Ein besserer Bezugspunkt für eine Ausstellung sei seiner Ansicht nach die Gründung der Weimarer Republik 1919. BM Dr. Stoltenberg ist der Auffassung, daß die Sache erst endgültig entschieden werden könne, wenn Thematik und Beteiligte an der Vorbereitung näher bekannt seien. Auf keinen Fall dürfte es eine Jubiläumsausstellung geben, sondern nur eine aus Anlaß des Gedenktages. BM Prof. Dr. Schmid und StS Diehl bemängeln das schwache Geschichtsbewußtsein in unserem Volke, das selbstbewußter werden müsse. StS Diehl schlägt vor, daß eine Ausstellung der Ansatzpunkt für eine historische Sammlung werden solle. 12 BM v. Hassel spricht sich ebenfalls für Veranstaltungen aus dem gegebenen Anlaß aus. Er ist jedoch der Ansicht, daß über das „Wie" noch gesprochen werden müsse. Er halte es für richtig, auch die Jubiläumsjahre 1919 und 1949 (Inkrafttreten des Grundgesetzes 13) einzubeziehen. Nachdem BM Benda klargestellt hat, daß seine Vorlage als vorläufiger Zwischenbericht anzusehen sei, beschließt das Kabinett:

Der BM des Innern wird auf der Grundlage seiner Kabinettvorlage ermächtigt, die Vorbereitungen für Veranstaltungen aus Anlaß der 100-jährigen Wiederkehr des Tages der Reichsgründung von 1871 fortzusetzen und in einigen Wochen über den Fortgang zu berichten. Die Entscheidung darüber, ob eine Ausstellung stattfinden soll, wird bis dahin zurückgestellt. 14

Fußnoten

11

Vorlage des BMI vom 7. Okt. 1968 in B 106/25678 und B 136/5820, weitere Unterlagen in B 106/25677 und 25693. - Benda hatte in seiner Vorlage die Zustimmung zur Fortführung des im BMI aufgrund entsprechender Anregungen von Vertretern der Wissenschaft und Politik konzipierten Ausstellungsprojekts beantragt. Themen der Ausstellung sollten insbesondere die historisch-politische Entwicklung vom Ende des ersten Deutschen Reichs 1806 bis zur Reichsgründung 1871 und deren wesentliche Auswirkungen auf die nachfolgenden Jahrzehnte sein. Als Standorte waren Berlin und Frankfurt am Main, als rechtlicher und finanzieller Träger ein eingetragener Verein vorgesehen, an dem sich der Bund, die Länder und die Ausstellungsgemeinden beteiligen sollten. Benda hatte sich gegen die im BMI erwogene Alternative, in der Ausstellung die Gründung des Kaiserreichs 1871 zum zeitlichen Ausgangspunkt einer Darstellung der deutschen Geschichte bis zur Gegenwart zu machen, mit der Begründung entschieden, dass dann der Jubiläumsanlass hinter der Fülle des zu berücksichtigenden Materials nicht mehr angemessen zur Geltung komme.

12

Zur möglichen Einbringung entsprechender Ausstellungsexponate in ein zu errichtendes nationalgeschichtliches Museum vgl. den Vermerk des BMI vom 21. Okt. 1968 in B 106/25678.

13

Vgl. 141. Sitzung am 9. Okt. 1968 TOP 5.

14

Fortgang 174. Sitzung am 22. Juli 1969 TOP 5 (B 136/36165).

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