2.41.5 (k1970k): 2. „Airbus"

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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2. „Airbus"

Staatssekretär Rohwedder trägt den wesentlichen Inhalt der Kabinettvorlage vor. Staatssekretär v. Dohnanyi unterstützt den Beschlußvorschlag; er weist darauf hin, daß nur die Verwirklichung dieses Projektes der westeuropäischen Flugzeugindustrie die Chance biete, in absehbarer Zeit einen Anteil an der gegenwärtig allein von den USA und der Sowjetunion beherrschten Produktion von zivilen Großflugzeugen zu gewinnen. Allerdings müßten, um das Projekt zum Erfolg zu führen, wesentliche Anstrengungen unternommen werden, um Großbritannien zur Beteiligung zu bewegen und um das Management und die Organisation des Vertriebes entscheidend zu verbessern. 8

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Siehe 18. Sitzung am 5. März 1970 TOP B. - Vorlage des BMWi vom 17. Sept. 1970 in B 102/107558 und B 136/7733, weitere Unterlagen in B 102/149555. - Nachdem die Projektphase abgeschlossen war, hatte das BMWi für die Planung der Serienfertigung den Weltmarktbedarf bis 1980/82 für die Airbus-Klasse ermitteln lassen. Bei einem geschätzten Gesamtbedarf von 1000 Großraumflugzeugen könne demnach der Airbus A-300 B einen Marktanteil von 360 Maschinen erreichen, der den Rückfluss der Entwicklungszuschüsse zwar sichere, dabei die Rentabilität jedoch trotzdem infrage stelle. Für die an die Entwicklungsphase anschließende Serienfertigung wurde eine Bundesbürgschaft in Höhe von 2,3 Milliarden DM benötigt. - Der BMWi hatte das Kabinett um Zustimmung zur Fortsetzung des Projekts und zur Kreditbürgschaft gebeten.

Bundesminister Leber weist besonders auf das hohe finanzielle Risiko, die fragwürdigen Absatzchancen, die Bedenken gegen eine Beeinflussung der Kaufentschlüsse der Lufthansa und den geringen technologischen Nutzwert hin, den das Projekt für die deutsche Industrie habe, da alle technologisch interessanten Teile vom Ausland geliefert würden. 9 Vor dieser schwierigen Entscheidung komme es sehr darauf an, daß das Kabinett über alle wesentlichen Fakten und Hintergründe unterrichtet sei. Staatssekretär Emde weist darauf hin, daß der Bundeshaushalt in den nächsten Jahren bereits stark belastet sei mit Finanzierungshilfen, die die Lufthansa für den Kauf anderer Flugzeuge benötige. Die Durchführung des Airbus-Projektes werde in den Jahren nach 1974 voraussichtlich so viele Mittel beanspruchen, daß für die Förderung anderer, technologisch zukunftsträchtiger Entwicklungen keine Möglichkeit mehr bestehen dürfte. Es sei deshalb zu überlegen, ob die Beteiligung der europäischen Luftfahrtindustrie an der Produktion von großen Verkehrsflugzeugen nicht besser einige Jahre später statt mit einem konventionellen Modell mit einer zukunftsträchtigen Konstruktion wie etwa mit einem senkrechtstartenden Flugzeug versucht werden solle. Staatssekretär Moersch unterstützt diese Überlegungen. Staatssekretär Mommsen spricht sich für das Projekt aus, unterstreicht aber, daß es der deutschen Industrie keinen nennenswerten technologischen Gewinn bringe und es deshalb von großer Bedeutung sei, die zukunftsträchtigen technologischen Entwicklungen fortzuführen und zu fördern.

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Das BMV hatte u. a. eine Erhöhung der Entwicklungskosten von 20 bis 30% als realistisch eingeschätzt und trotzdem die Fortsetzung des zukunftsträchtigen Projekts empfohlen. Vgl. den Vermerk des BMV vom 14. Mai 1970 in B 108/43070.

Der Bundeskanzler unterbricht die Erörterung wegen des bevorstehenden Beginns der Haushaltsdebatte und bittet das Bundesministerium für Wirtschaft im Zusammenwirken mit den Ressorts, deren Chefs oder Vertreter sich soeben an der Aussprache beteiligt haben, bis zur nächsten oder übernächsten Woche eine ergänzende Vorlage mit möglich erscheinenden Alternativen vorzubereiten. 10

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Fortgang 42. Sitzung am 1. Okt. 1970 TOP 4.

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