2.32.2 (x1954e): A. Bereitstellung von Feriensonderzügen für westdeutsche Kinder aus der Bundesrepublik nach der Sowjetzone

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 2). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Kabinettsausschuß für Wirtschaft. Band 2. 1954-1955Instandsetzung und Ausbau des FernstraßennetzesHans Karl von Mangoldt, Heinrich Blücher und Vollrath von Maltzahn in einer Sitzung des Ministerrates der OEECKarte der Brotpreiserhöhungen im Frühjahr 1955Karikatur Preissteigerungen

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

[A.] Bereitstellung von Feriensonderzügen für westdeutsche Kinder aus der Bundesrepublik nach der Sowjetzone

Min.Dirigent Dr. Müller, BMG, teilt mit, daß die „Gemeinschaft frohe Ferien für alle Kinder" (Bundesgeschäftsstelle Wilhelmshaven) bei der Bundesbahn beantrage habe, Feriensonderzüge für den Transport westdeutscher Kinder nach der Sowjetzone bereitzustellen. Die Deutsche Bundesbahn habe beim Bundesministerium für Verkehr angefragt, ob die Bundesregierung Bedenken habe, diese Sonderzüge zu stellen. 17

17

Siehe 79. Kabinettssitzung am 20. April 1955 TOP B (Kabinettsprotokolle 1955, S. 233 f.). - Seit 1954 organisierten die Zentrale Arbeitsgemeinschaft „Frohe Ferien für alle Kinder" und ihre Landesbüros auf Einladung der Regierung der DDR kostenlose mehrwöchige Ferienaufenthalte in der DDR. Dabei handelte es sich nach Ansicht der Bundesregierung um den Versuch der direkten politischen Einflußnahme auf Kinder und Jugendliche durch die KPD und ihre Tarnorganisationen. Vgl. hierzu die Ansprache Thediecks vom 3. Mai 1955 im NWDR (Bulletin Nr. 83 vom 4. Mai 1955, S. 685 f.). Als „Gegenmaßnahme" hatte das BMI für 1955 zusätzliche 400 000 DM für die Ausweitung der Kinder- und Jugenderholung in der Bundesrepublik zur Verfügung gestellt. - Unterlagen zur Aktion „Frohe Ferien für alle Kinder" in B 106/16070-16072, B 136/1994, B 137/1087-1092 und B 153/1924.

Das Bundesministerium für Verkehr habe sich in dieser Angelegenheit mit dem Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen in Verbindung gesetzt. Dieses sei mit der Bereitstellung von Sonderzügen für diese Zwecke nicht einverstanden. Die Bereitstellung von Sonderzügen widerspreche auch dem Sinn eines Kabinettsbeschlusses, in dem als Gegenaktion zu dem von sowjetzonaler Seite gesteuerten Unternehmen ein erheblicher Betrag für die Erholung sowjetzonaler Kinder in Westdeutschland zur Verfügung gestellt worden sei. Andererseits sei bei Verweigerung der Wagengestellung mit Repressalien der Sowjetzone zu rechnen.

Min.Dirigent Dr. Ter-Nedden, BMV, warnt davor, den Eisenbahnverkehr zu politisieren.

Der Kabinettsausschuß sieht wegen der ungeklärten Rechtslage (Beförderungspflicht der Bundesbahn) davon ab, einen Beschluß zu fassen 18.

18

Mit Schreiben vom 27. Okt. 1955 teilte das BMG dem Bundeskanzleramt unter Berufung auf Zahlenangaben der Länder und des Bundesamtes für Verfassungsschutz mit, daß im Jahr 1955 30 000 Kinder aus der Bundesrepublik im Gegensatz zu 18 000 bis 20 000 Kindern im Jahr 1954 ihre Ferien in der DDR verbracht hätten (B 137/1088 und B 136/1994).

Extras (Fußzeile):