2.35.1 (x1954e): A. Erhöhung der Zins- und Diskontsätze sowie der Mindestreserve-Sätze durch den Zentralbankrat, BMWi

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Kabinettsausschuß für Wirtschaft. Band 2. 1954-1955Instandsetzung und Ausbau des FernstraßennetzesHans Karl von Mangoldt, Heinrich Blücher und Vollrath von Maltzahn in einer Sitzung des Ministerrates der OEECKarte der Brotpreiserhöhungen im Frühjahr 1955Karikatur Preissteigerungen

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[A.] Erhöhung der Zins- und Diskontsätze sowie der Mindestreserve-Sätze durch den Zentralbankrat, BMWi

Auf Bitte des Vizekanzlers berichtet Präsident Dr. Bernard über die Gründe, die den Zentralbankrat bewogen haben, die Zins- und Diskontsätze sowie die Mindestreserve-Sätze zu erhöhen 2. Die beobachtete weitere Erhöhung der kurzfristigen Kredite, die in der letzten Zeit erhobenen Lohnforderungen 3 und die Entwicklung auf dem Baumarkt 4, die von Verknappungen und Preissteigerungstendenzen begleitet würde, hätten den Zentralbankrat veranlaßt, ein Warnungszeichen zu geben. Man sei sich dabei klar gewesen, daß eine Diskonterhöhung um nur 0,5 % rechnerisch bei der augenblicklichen Wirtschaftslage nicht ins Gewicht falle, ganz im Gegensatz zu früher, wo Diskonterhöhungen um 1/4% bereits echte Einschränkungen hervorgerufen hätten. Die Erhöhung der Mindestreserve-Sätze dagegen werde eine Verknappung der Kreditfacilitäten um etwa 450 Mio. DM bewirken. Dieses würde sich zum Steuertermin Anfang September bereits auswirken. Die Banken begrüßten die Erhöhung der Sätze, da sich dadurch in Verhandlungen mit der Industrie über die Finanzierung weiterer Investitionen ihre Stellung erleichtere. Damit könne auch dem Streben nach einer unerwünschten Kapazitätsausweitung entgegengetreten werden.

2

Zur Dämpfung der Konjunktur hatte der Zentralbankrat am 3. Aug. 1955 beschlossen, mit Wirkung zum 4. Aug. 1955 den Diskontsatz der Landeszentralbanken von 3 % auf 31/2%, den Lombardsatz der Landeszentralbanken von 4 % auf 41/2%, den Diskontsatz der Landeszentralbanken für Schatzwechsel von 3 % auf 31/2% sowie den Zinssatz der BdL und der Landesbanken für Kassenkredite von 3 % auf 31/2% zu erhöhen. Im Verkehr der BdL mit den angeschlossenen Landeszentralbanken und der Berliner Zentralbank wurde der Diskontsatz für Wechsel in allen Währungen auf 1/2% festgelegt und der Lombardsatz von 1 % auf 11/2% angehoben. Durch die Erhöhung der Mindestreserven der Kreditinstitute um ca. 460 Millionen DM sollte die auf dem Kapitalmarkt verfügbare Geldmenge verringert und der starken Ausweitung kurzfristiger Kreditaufnahmen entgegengewirkt werden (vgl. das Protokoll der 198. Sitzung des Zentralbankrats am 3. Aug. 1955 in HA BBk B 330/87 und das Schreiben an die Bundesregierung vom 3. Aug. 1955 in B 136/7343).

3

Vgl. dazu TOP 1 dieser Sitzung.

4

Zur infolge der stark ansteigenden Bautätigkeit angespannten Lage auf dem Baumarkt vgl. den Monatsbericht der BdL für August 1955 in BD 126/2-1955, S. 25 f.

Die Ergiebigkeit des Kapitalmarktes und die nach unten gerichtete Zinstendenz werde durch die Erhöhung kaum gestört werden. Eine durch die Erhöhung ausgelöste geringe Tendenz zur Zinssteigerung wolle man bewußt in Kauf nehmen. Es sei ohnehin notwendig, einen realistischen Zins ins Auge zu fassen. Der Zinssatz werde sich voraussichtlich auf längere Zeit auf 5 1/2%, allenfalls auch 5 %, einspielen.

Staatssekretär Dr. Westrick bemerkt, daß das Bundesministerium für Wirtschaft ständig unter Druck gesetzt werde, Bürgschaften nicht nur auf dem Gebiete der Ausfuhr, sondern auch für Investitionen im innerdeutschen Raum zur Verfügung zu stellen. Es scheine ihm notwendig, das gesamte Gebiet der Bürgschaften einmal im Kabinettsausschuß eingehend zu beraten.

Ministerialdirigent Haenlein, BK, fügt hinzu, daß man in diesem Zusammenhang auch das Problem der Einschränkung der öffentlichen Investitionen behandeln sollte.

Staatssekretär Dr. Westrick stimmt der Auffassung von Ministerialdirigent Haenlein zu. Allerdings dürfe eine Einschränkung nicht gelten für Investitionen zur Rationalisierung.

Der Vizekanzler bemerkt, daß der Bundesminister der Finanzen in der Frage der Einschränkung der öffentlichen Investitionen bereits seit März mit den Ländern Verbindung aufgenommen habe 5.

5

Vgl. dazu 27. Ausschußsitzung am 11. März 1955 TOP 1 (Anleihen der öffentlichen Hand auf dem Kapitalmarkt). - Fortgang zur Diskontpolitik der BdL Fortsetzung der 100. Kabinettssitzung am 15. Okt. 1955 TOP F (Kabinettsprotokolle 1955, S. 587).

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