2.193 (bau1p): Nr. 191 Der Reichsinnenminister an den Reichsjustizminister. Dresden, [14. März 1920]

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Text

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[682] Nr. 191
Der Reichsinnenminister an den Reichsjustizminister. Dresden, [14. März 19201]

1

In der Vorlage irrtümlich – eventuell von Schiffer nachträglich hinzugesetzt – auf den „13. März 1920“ datiert.

Naßlaß Schiffer, Nr. 18, Bl. 44 eigenhändig

[Betrifft: Stellungnahme zu Verhandlungen mit den Putschisten.]

Lieber Schiffer!

Im Begriff, nach Stuttgart zu fahren2. Alles steht hier günstig. Süddeutschl[an]d3, Hessen4 fest in der Hand samt Militär. In Norddeutschl[and]d Regierungen für uns. Auch Unteroffizierbund mit 96 000 Mitgliedern. Kohlenarbeiter arbeiten, boykottieren aber Berlin. In Minden [haben] Mannschaften Offiziere entwaffnet.

2

Zum Zusammenhang s. Dok. Nr. 190.

3

Vgl. die Aufzeichnung einer telefonischen Mitteilung der Landesabt. Frankfurt der Reichszentrale für Heimatdienst vom 13. 3., 11.50 Uhr, über die Haltung der bad. Reg., die „mit München und Stuttgart zwecks gemeinsamen Vorgehens“ verhandele (R 43 I/2727, Bl. 8; mit Paraphe Kochs vom 13.3.20). Gemeinsamer Aufruf der drei Regg. vom 13. 3., abgedruckt bei Karl Brammer: Fünf Tage Militärdiktatur. S. 37; vgl. R 43 I/2721, Bl. 120.

4

Vgl. die Proklamation der hess. Reg. vom 13.3.20 zugunsten der verfassungsmäßigen RReg., mitgeteilt durch die Landesabt. Darmstadt der Reichszentrale für Heimatdienst am 13. 3., 13.40 Uhr (R 43 I/2727, Bl. 4).

Die Putschisten machen Vermittlungsvorschläge, erst durch General Maercker, jetzt von anderen Mittelsmännern5. Unmöglich, drauf einzugehen. Wir würden von dem Gegenstoß von Links mit weggefegt werden6, wenn wir uns dadurch mitverantwortlich machten.

5

In einer briefartigen Tagebuchaufzeichnung RIM Kochs vom 14. 3. heißt es dazu: „Die neue Regierung steht schwach. Sie sucht Vermittlung, die wir nicht annehmen können, ohne selbst mit fortgerissen zu werden. Maercker hat vermitteln sollen, wollte zuerst nur Geßler, Giesberts und mich gewinnen, dann alle. Jetzt kommt Groener, der Hindenburg angehen will. Alles zu spät. Ich habe nun schon zum zweiten Mal den Antrag, in die Putschregierung einzutreten“ (Nachl. Koch-Weser , Nr. 25, S. 13).

6

Vgl. dazu die Tagebuchaufzeichnung RIM Kochs vom 14. 3., 8.30 Uhr: „Ich glaube heute noch mehr als gestern eher an den Erfolg eines Gegenstoßes von links als dieses Putsches. Unsererseits sind auch wenigstens keine Dummheiten gemacht, mit Ausnahme der Proklamierung des Generalstreiks in Berlin, den ich Rauscher zutrauen, aber den Putschisten in die Schuhe schieben werde“ (Nachl. Koch-Weser , Nr. 25, S. 11 ff.).

Am traurigsten die Lage Berlins. Aber ich rechne auf Nachgiebigkeit in wenigen Tagen.

Heinze hat sich mir zur Verfügung gestellt7. Er will seine Freunde veranlassen, zur Nationalversammlung, die ich mit Fehrenbach gestern telefonisch auf Dienstag oder Mittwoch einzuberufen, gebeten habe, herüber[zu]kommen.[683] Mit der Rechten der Nationalversammlung jede annehmbare Verständigung, mit den Putschisten keine.

7

Koch hatte den DVP-Fraktionsführer Heinze am 13. 3. morgens während der Zugfahrt von Berlin nach Dresden getroffen „und ihn als ausschlaggebenden Berater“ mit zu Maercker genommen. Heinze habe den Gen. bewogen, „zunächst neutral zu bleiben“, anstatt die RReg. in Schutzhaft zu nehmen. Koch: „Und da bestreitet man die Bedeutung des Zufalls“ (Tagebuchbrief Kochs vom 14.3.20; Nachl. Koch-Weser , Nr. 25, S. 15).

Das Auto kommt. Auf Wiedersehen.

Ihr treu ergebener

Koch

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