Gedenkbuch

Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

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Die Abschiebung polnischer Juden aus dem Deutschen Reich 1938/1939 und ihre Überlieferung

Das Schicksal der nach Bentschen Abgeschobenen

Bereits am 31. Oktober 1938 begann die polnische Polizei damit, die Stadt weiträumig abzusperren. Sie quartierte die Mehrzahl der Betroffenen in der alten Kaserne mit den dazugehörigen Ställen ein und erlaubte die Abreise fortan nur noch unter bestimmten Voraussetzungen. Diese waren erfüllt, wenn der Betroffene nachweisen konnte, dass er in Polen entweder bei Familienangehörigen bzw. Bekannten unterkommen würde oder entsprechende Papiere für eine bevorstehende Emigration besaß. Auch finden sich Fälle, in denen die Betroffenen kurzzeitig in das Deutsche Reich zurückkehren durften, um dort ihren Haushalt aufzulösen und ihre Vermögensverhältnisse zu klären. Im Anschluss daran wurden sie aber wieder nach Polen ausgewiesen.

Der Verbleib der in Bentschen internierten Menschen hing also von verschiedenen Faktoren ab. Konnten sie Bentschen nicht auf irgendeinem Wege vorzeitig verlassen, verblieben sie dort bis zur allmählichen Auflösung des Lagers im Sommer 1939. Für die davon Betroffenen lag dem Bundesarchiv eine Namenliste aus dem Archiv des American Joint Distribution Committee in New York vor.[5] In der Datenbank ist das Schicksal der dort verzeichneten Personen über das Feld Inhaftierung (Eintrag: „bis Sommer 1939 Bentschen (Zbaszyn), Internierungslager“) zu recherchieren.

Für einige der bisher durch das Bundesarchiv ermittelten Betroffenen der „Polenaktion“ ließ sich ein Emigrationsort ermitteln. Allerdings gelang es nicht jedem von ihnen, sich dem deutschen Zugriff auf Dauer zu entziehen. Viele holte der Krieg in den Niederlanden, Belgien oder Frankreich ein. Sie wurden von dort deportiert. Ähnlich erging es jenen, die aus verschiedenen Gründen in das Deutsche Reich zurückkehrten. Überlebten sie die Inhaftierung in Lagern wie Sachsenhausen, Dachau oder Buchenwald kamen auch sie in die Vernichtungslager, in das Ghetto Theresienstadt oder in ein Arbeitslager.

Die Spuren der nach ihrer Zwangsausweisung in Polen verbliebenen Juden verlieren sich zumeist in einem der unzähligen von den Deutschen dort errichteten Ghettos, wohin sie mit ihren Familienangehörigen oder Bekannten, bei denen sie einstmals Zuflucht fanden, deportiert wurden. Zu vielen Opfern der „Polenaktion“ allerdings lassen sich bis heute noch keine genauen Aussagen treffen. Ihre Schicksale bleiben nach dem derzeitigen Kenntnisstand ungewiss. Es ist nicht bekannt, ob sie deportiert wurden, emigrieren konnten oder den Krieg überhaupt überlebten.[6]