Gedenkbuch

Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

Gedenkbuch

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Einleitung zur Onlineversion des Gedenkbuches

Seit Dezember 2007 präsentiert das Bundesarchiv sein Gedenkbuch für die Opfer der NS-Judenverfolgung in Deutschland im Internet, um es nicht nur für eine breitere Öffentlichkeit jederzeit zugänglich zu machen, sondern diese auch an den fortlaufenden Ergänzungen und Korrekturen des regelmäßig aktualisierten Gedenkbuches teilhaben zu lassen. Das Datum der jeweils letzten Aktualisierung der Gedenkbuchdaten („Stand“) ist am Fußende jeder Seite ablesbar. Den Kern der Präsentation bildet das Namenverzeichnis, das mittels einer variabel auf verschiedene Kriterien anpassbaren Suchmaske eine zielsichere Suche nach den betroffenen Personen ermöglicht. Darüber hinaus werden noch weitere Informationen zur Entstehung des Gedenkbuches, die historischen Hintergründe der Abschiebung polnischer Juden 1938/39, eine chronologische Liste aller Deportationszüge aus Deutschland und den umliegenden Nachbarländern sowie eine Auswahlbibliografie angeboten.

Das Gedenkbuch geht zurück auf eine erste Anregung der Gedenkstätte Yad Vashem im Jahr 1960 und wurde seitdem im Auftrag der Bundesregierung mit der Hilfe zahlreicher Archive, Gemeinden und anderer Institutionen im Bundesarchiv erarbeitet. Die erste Auflage erschien 1986 in intensiver Zusammenarbeit mit dem Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen und beruhte im Wesentlichen auf den dort zusammengetragenen Quellen und Informationen. Es verzeichnete insgesamt ca. 128.000 Namen jüdischer Bürger.

Auf der Grundlage des im Zuge der Wiedervereinigung neu zugänglichen Quellenmaterials (u.a. die Ergänzungskarten der Volkszählung vom 17. Mai 1939) wurde Mitte der 1990er Jahre mit einer umfassenden Neubearbeitung des Gedenkbuches begonnen, bei der erstmalig auch die Opfer aus dem Gebiet der neuen Bundesländer und der ehemaligen Ostgebiete Berücksichtigung finden sollten. Besondere Aufmerksamkeit galt der weiteren Präzisierung der Deportationsabläufe etwa durch die Auswertung neuerer Daten aus den KZ-Gedenkstätten Ravensbrück, Sachsenhausen, Buchenwald und Neuengamme. Ein weiterer Schwerpunkt bildete die Erhebung von Quellen ausländischer Institutionen zur Emigration zwischen 1933 bis 1939, also vor der Volkszählung am 17. Mai 1939, denn dadurch konnte für viele der Emigranten nach Belgien, Luxemburg, Frankreich und in die Niederlande das Verfolgungsschicksal auch in den verschiedenen Etappen genauer nachgezeichnet werden. Außerdem flossen in erheblichem Maße Korrekturen und Ergänzungen aus den zahlreichen Zuschriften an das Bundesarchiv in die Neubearbeitung mit ein.

Auf das Engste verknüpft mit dem Gedenkbuch war und ist die Arbeit an der „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933-1945“. Dieses erstmals 2002/03 im Rahmen der Entschädigung jüdischer Versicherungsansprüche entwickelte und 2005-2007 als Projekt im Bundesarchiv mit Mitteln der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ geförderte Vorhaben gehört seit 2008 zu den Daueraufgaben des Bundesarchivs. Ziel ist es, eine möglichst vollständige und genaue Liste der ca. 600.000 jüdischen Einwohner zu erstellen, die zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 1933 und 1945 in Deutschland - definiert durch die Grenzen vom 31. Dezember 1937 - ansässig waren und wegen ihrer jüdischen Abstammung oder ihres jüdischen Glaubens vom NS-Staat verfolgt wurden. Auch wenn die Arbeiten daran noch über Jahre andauern und Hand in Hand mit der Weiterentwicklung des Gedenkbuches gehen werden, so trug dieser Datenbestand doch nicht unerheblich bereits zur Erarbeitung der zweiten Auflage des Gedenkbuches bei.

Im Mai 2006 stellte das Bundesarchiv die zweite, wesentlich erweiterte Auflage des Gedenkbuches vor, welche die neuesten Forschungsergebnisse auf der Basis der seit 1990 veränderten Quellensituation berücksichtigte. Die in der Druckfassung veröffentlichten Texte (Geleit- und Vorworte sowie die Einführung in die Neubearbeitung) wurden mit nur geringfügigen Änderungen in diese Onlineversion übernommen. Außerdem wird die Internetdarstellung durch eine kontinuierlich aktualisierte Liste der Deportationstransporte aus Deutschland und den wichtigsten angrenzenden Ländern sowie eine Auswahlbibliografie zur deutsch-jüdischen Regionalgeschichte, zur Verfolgungs- und Deportationsgeschichte sowie zur Gedenkliteratur ergänzt.

Die Form der Onlineversion ermöglicht es, die laufenden Ergänzungen und Korrekturen des Gedenkbuches, die sich häufig aus den umfangreichen Rückmeldungen und Anfragen zum Gedenkbuch ergeben, zeitnah zu veröffentlichen. Zugleich ermöglicht sie relativ einfach die Partizipation und Mitwirkung engagierter Regionalforscher, Historiker und Angehöriger an der Weiterentwicklung der Inhalte. Das Ausmaß dieser Änderungen wird beispielsweise an der Anzahl der dokumentierten Personen deutlich: Enthielt die Druckfassung von 2006 noch 149.625 Namen jüdischer Opfer, so umfasst die aktuelle Präsentation bereits mehr als 170.000 Namen.

Im Unterschied zur Druckversion enthält die Onlinefassung auch rund 7.000 Personen, die Ende Oktober 1938 oder im Sommer 1939 nach Polen, hier häufig in den Grenzort Bentschen (Zbaszyn), abgeschoben wurden. Auch wenn manchen davon noch die Flucht gelungen sein könnte, so ist die überwiegende Mehrzahl doch später Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen geworden, so dass dieser Personenkreis ins Gedenkbuch mit aufgenommen wurde - es sei denn, es lagen Informationen über eine erfolgreiche Emigration oder ähnliches vor. Die Abgeschobenen lassen sich durch die Eintragungen im gesonderten Feld „Abschiebung“ recherchieren und sind bei der Namenrecherche blau hinterlegt. Die folgenden Seiten liefern zusätzlich einen Überblick über den historischen Hintergrund der Zwangsausweisung polnischer Juden im Oktober 1938 und ihr weiteres Schicksal.

Das Namenverzeichnis des Gedenkbuches bietet in seiner Onlineversion - sofern bekannt - folgende Angaben zu den betroffenen Personen:

Trotz laufender Bemühungen um Ergänzung und Verifizierung der vorhandenen Informationen kann beim Gedenkbuch weiterhin nicht von Vollständigkeit gesprochen werden. Das Bundesarchiv bleibt deshalb interessiert an Hinweisen auf neue Quellen sowie Korrekturmeldungen und Ergänzungen. Bitte nutzen Sie dazu entweder die Möglichkeit zur Rückmeldung, die Ihnen bei jedem Einzeleintrag angeboten wird, oder die spezielle Kontaktadresse gedenkbuch@bundesarchiv.de.

Die Hoffnung, dass das Medium Internet einen weiteren Nutzerkreis ansprechen und zur Anteilnahme oder sogar Mitarbeit anregen würde, hat sich in den Jahren seit der Freischaltung der Onlineversion des Gedenkbuches eindrucksvoll erfüllt. Das Bundesarchiv möchte sich deshalb bei all denen bedanken, die seine Arbeit zur Dokumentation der Judenverfolgung immer wieder bereitwillig und mit großem Engagement unterstützt haben und dies hoffentlich auch zukünftig tun werden. Schließlich ist es unsere gemeinsame Aufgabe, die Erinnerung an die geschehenen Verbrechen zu bewahren und das Andenken der Ermordeten zu ehren.