SED geht auf Distanz zur sowjetischen "Bruderpartei"
Fast alle MfS-Angehörigen waren
Die SED ging immer weiter auf Distanz zur Sowjetunion und schuf damit für viele Stasi-Offiziere ein Problem - sahen sie sich doch als "Tschekisten" in der Tradition der sowjetischen Geheimpolizisten.
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Erich Mielke bei der Festveranstaltung zum 35. Jahrestag des Ministeriums für Staatssicherheit im Palast der Republik.,
Quelle:
BStU, MfS,
Fast alle MfS-Angehörigen waren
Die DDR-Geheimpolizei legitimierte sich über eine spezifische Ausformung der marxistisch-leninistischen Ideologie, dem"Tschekismus". Das MfS berief sich auf die 1917 von den Bolschewiki gegründete sowjetische Geheimpolizei
Gerade

Um die Parteidisziplin im Ministerium zu festigen, fand Anfang Februar eine "Arbeitsberatung" mit den zuständigen SED-Funktionären statt, die alle zugleich hauptberufliche Stasi-Offiziere waren. Der stellvertretende Vorsitzende, Werner Müller, der zentralen SED-Parteikontrollkommission hielt dort eine geharnischte Rede. Er berichtet über die steigende Zahl von Parteiverfahren, die 1988 in der SED durchgeführt worden sind.
„Unter den neuen Bedingungen haben wir diejenigen, die uns angreifen, noch entschlossener aus der Partei zu entfernen. Es geht um solche Kräfte, die glauben, die ganze SED oder einzelne Grundorganisationen reformieren zu können.“
Werner Müller
Stellvertretender Vorsitzende der zentralen SED-Parteikontrollkommission
Seitdem SED-Generalsekretär Erich Honecker auf der 7. Tagung des Zentralkomitees der SED im Dezember 1988 der Partei einen scharfen Abgrenzungskurs von der sowjetischen Reformpolitik verordnet hatte, kam es innerhalb des Ministeriums für Staatssicherheit zu verhaltenem Unmut.
Der Frage, warum selbst im MfS die Bereitschaft zu bedingungsloser Unterordnung geringer wurde und erste Zweifel an der Weisheit der Parteiführung laut wurden, ging die Parteikontrollkommission in ihrem Bericht vom Februar nach. Darin wurden zum einen die "Einheit und Geschlossenheit der Partei" beschworen, zum anderen aber auch mögliche Ursachen für nachlassende Disziplin und "ideologische Abweichungen" benannt.