1.117.1 (bru2p): Rheinische Landesbank.

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 3). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Die Kabinette Brüning I und II. Band 2 Das Kabinett Brüning I Bild 183-H29788NS-Wahlversammlung im Sportpalast Bild 102-10391Arbeitslose Hafenarbeiter Bild 102-11008Bankenkrise 1931 Bild 102-12023

Extras:

 

Text

RTF

Rheinische Landesbank.

Staatsfinanzrat WeltzienWeltzien führte aus, daß er gestern abend (6. 7.) die Auffassung des Reichsbankdirektoriums erfahren habe, die Kommunen sollten ihre Aktien des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks verkaufen1. Landeshauptmann Dr. Horion habe sich jedoch in dem Sinne geäußert, daß die Aktien kaum verkäuflich sein würden2.

1

Vgl. Dok. Nr. 365.

2

Wegen des von der Rbk angeregten Verkaufs der RWE-Aktien hatte der Kölner OB Adenauer in der Rkei angerufen und StS Pünder folgendes ausrichten lassen: „Reichsbank hat gestern abend spät plötzlich Hilfe für Rheinische Landesbank verweigert und erklärt, rheinische Gemeinden sollten erst ihre Aktien des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks veräußern und mit dem Erlös der Rheinischen Landesbank zu Hilfe kommen. Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk hat sich bereit erklärt, die Aktien zu übernehmen. Dr. Silverberg, Mitglied des Präsidiums des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks, hat Oberbürgermeister Bracht – Essen – vorhin erklärt, Kommunen gehörten nicht mehr in das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk. Die Kommunen haben zur Zeit im Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk die Mehrheit. Der größte Teil der Rheinprovinz ist im Strombezug von ihm abhängig. Kommunale Mehrheit ist daher aus allgemeinen Gründen unbedingt notwendig. Ein Verlust der kommunalen Mehrheit, der durch die Reichsbank erzwungen würde, würde im gesamten Rheinland größte Empörung hervorrufen. Bitte Sie, Reichskanzler zu orientieren, damit durch ihn Reichsbank ihre ablehnende Haltung aufgibt. Politische Rückwirkungen der ganzen Vorgänge auf preußische Regierung klar“ (Vermerk Feßlers vom 7.7.31, R 43 I/451, Bl. 6). Silverberg richtete wegen der ihm von Adenauer zugeschriebenen Bemerkung am 10.7.31 einen Brief an Bracht, in dem er erklärte, er habe weder diese noch eine ähnliche Äußerung getan (Durchschrift im Nachl. Silverberg Nr. 590, Bl. 10–11). Auch der RWE-Aufsichtsratsvorsitzende Vögler setzte sich in einem Schreiben an Landeshauptmann Horion vom 8.7.31 für die Erhaltung der gemischtwirtschaftlichen Unternehmensverfassung des RWE ein (Durchschrift im Nachl. Silverberg Nr. 590, Bl. 2–4).

Ministerialrat AbramowitzAbramowitz teilte mit, daß beispielsweise die Stadt Düsseldorf 14 Millionen M RWE-Aktien besitze, die Stadt Köln 3½ Millionen RM, jedoch lombardierter RWE-Aktien.

Der Preußische Finanzminister führte aus, daß bei der Rheinischen Landesbank 128 Millionen RM kurzfristige Verbindlichkeiten vorhanden seien. Er halte den Verkauf von RWE-Aktien durch die Kommunen nicht für möglich.

Reichsbankdirektor HasseHasse teilte mit, daß die New Yorker Bankiers zur Zeit über Maßnahmen berieten, die ein weiteres Abziehen von Krediten aus Deutschland verhindern sollten. Vielleicht könne auch die Rheinische Landesbank hiervon Nutzen haben. Auf jeden Fall müsse sich die Bank mit ihren Gläubigern einigen.

[1305] Auf Frage des Reichskanzlers teilte Ministerialrat AbramowitzAbramowitz mit, daß bei der Rheinischen Landesbank bereits im Juni 15 Millionen RM fällig geworden seien, die noch nicht zurückgezahlt worden seien. Im Juli würden u. a. 30 Millionen RM fällig werden, deren Gläubiger öffentlich-rechtliche Kreditanstalten seien. Es seien aber u. a. ferner für 36 Millionen RM Devisenfälligkeiten vorhanden.

Der Reichskanzler bezeichnete es als erwünscht, genauen Einblick in den Status der Bank und vor allem Kenntnis von den verschiedenen Gläubigern der Bank zu erhalten.

Der Preußische Minister des Innern erwiderte, daß Oberpräsident Dr. Fuchs morgen früh (8. 7.) nach Berlin kommen und alles erforderliche Material mitbringen werde.

Präsident Dr. KleinerKleiner betonte, daß ein Ausweg für die Rheinische Landesbank unbedingt gefunden werden müsse. Morgen (8. 7.) kämen Vertreter der Zeitungen zu ihm, denen er eine positive Auskunft geben müsse. Nur aus besonderer Rücksichtnahme hätten die Zeitungen bis jetzt nicht allzuviel Notiz von den Schwierigkeiten der Rheinischen Landesbank genommen. Diese Rücksichtnahme werde aber bald aufhören.

Vielleicht könne zunächst ein Betrag von 10 Millionen RM über die Schwierigkeiten hinweghelfen. Inzwischen müßten dann die Kommunen den Verkauf ihrer RWE-Aktien versuchen.

Ministerialrat AbramowitzAbramowitz führte aus, daß die Reichsbank Ende Juni einen Ultimo-Kredit von 20 Millionen RM bereitgestellt habe, von dem die Rheinische Landesbank nur 15 Millionen RM in Anspruch genommen habe. Wenn die Rheinische Landesbank nunmehr den Rest von 5 Millionen in Anspruch nehme und außerdem noch weitere 5 Millionen RM von der Reichsbank erhalte, könnten vielleicht die augenblicklichen Schwierigkeiten überbrückt werden.

Reichsbankdirektor HasseHasse erwiderte, daß er vielleicht von sich aus einen neuen Vorschlag unterbreiten könne. Er müsse jedoch dieserhalb mit dem Direktorium der Reichsbank Fühlung nehmen.

Auf seinen Wunsch unterbrach der Reichskanzler die Sitzung für eine halbe Stunde.

Nach Wiedereröffnung der Sitzung teilte Reichsbankdirektor HasseHasse mit, daß ein Angebot der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken vorliege, der Rheinischen Landesbank aus ihren Schwierigkeiten zu helfen.

Ministerialrat AbramowitzAbramowitz erwiderte, daß die Verhandlungen mit der Gemeinschaftsgruppe Zeit kosten würden, die nicht vorhanden sei. Außerdem würde der Charakter der Rheinischen Landesbank durch eine Einflußnahme der Gemeinschaftsgruppe völlig verändert werden.

Der Preußische Minister des Innern führte aus, daß er zu einer Änderung in der Leitung der Rheinischen Landesbank durchaus bereit sei. Staatsfinanzrat Weltzien werde Vollmacht erhalten, die Bankleitung zunächst auszuschalten. Er könne jedoch nicht mit leeren Händen nach Düsseldorf gehen und müsse mindestens 5 Millionen RM zur Überbrückung der größten Schwierigkeiten mitbringen.

[1306] Der politische Schaden, der durch einen Zusammenbruch der Rheinischen Landesbank entstehen würde, würde riesengroß sein.

Staatsbankpräsident Dr. SchroederSchroeder führte aus, daß die Preußische Staatsbank aus eigener Kraft keine Hilfe gewähren könne, jedoch könne die Staatsbank der Reichsbank für 10 Millionen RM Akzepte geben und die Reichsbank daraufhin 10 Millionen RM der Rheinischen Landesbank kreditieren. Eventuell müsse er jedoch eine Verlängerung der Fälligkeit dieser Akzepte erbitten.

Reichsbankdirektor HasseHasse nahm diesen Vorschlag zur Kenntnis und teilte mit, daß er die Antwort des Reichsbankdirektoriums noch heute abend (7. 7.) den Beteiligten übermitteln werde3.

3

Die Rbk bewilligte der Rheinischen Landesbank einen Kredit in Höhe von 10 Mio RM (Nachl. Pünder Nr. 43, Bl. 131). In zwei Schreiben vom 15. und 20.7.31 an StS Pünder teilte Landeshauptmann Horion jedoch mit, daß die Rheinische Landesbank die zugesagten 10 Mio RM noch nicht erhalten habe, weil die Pr. Staatsbank der Auszahlung Hindernisse in den Weg lege (R 43 I/651, Bl. 2–4). Zur weiteren Beratung über die Rheinische Landesbank vgl. Dok. Nr. 405, P. 4 c.

Die Sitzung wurde hierauf geschlossen.

Extras (Fußzeile):