1.81 (mu22p): Nr. 337 Vermerk Staatssekretär Pünders über eine Unterredung mit dem Reichsbankpräsidenten wegen des Sitzes der Internationalen Bank. 2. November 1929

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Nr. 337
Vermerk Staatssekretär Pünders über eine Unterredung mit dem Reichsbankpräsidenten wegen des Sitzes der Internationalen Bank. 2. November 19291

1

Zu diesem Vermerk, der die Paraphe Müllers trägt, siehe die Tagebuchaufzeichnung von Pünder vom 2.11.29, Politik in der Reichskanzlei, S. 21.

R 43 I/671, Bl. 19, hier: Bl. 19

Während der Herr Reichskanzler heute vormittag Herrn Direktor Wassermann von der Deutschen Bank empfing2, suchte mich Herr Reichsbankpräsident[1097] Dr. Schacht plötzlich auf. Er ist während der zwei katholischen Feiertage in Berlin und fährt Anfang der kommenden Woche wieder nach Baden-Baden zurück. Er erwähnte, daß über den Fortgang der Baden-Badener Verhandlungen er und Herr Geheimrat Vocke in den nächsten Tagen einen Schriftbericht vorlegen würden3. Der Zweck seines heutigen Besuches war Eupen-Malmedy, und er kam eben vom Auswärtigen Amt, wo er Herrn Minister Curtius gesprochen hatte. Herr Präsident Schacht war darüber orientiert, daß im selben Augenblick Herr Direktor Wassermann mit Herrn Reichskanzler dieselbe Angelegenheit bespreche. Herr Präsident Schacht hat den dringenden Wunsch, Herr Direktor Wasserman möchte gebeten werden, dem morgen oder übermorgen in Hamburg anwesenden Herrn Vandervelde zu erklären, er möchte in der Frage des Sitzes der Internationalen Bank sich mit Herrn Reichsbankpräsidenten Schacht in Verbindung setzen. Er schlage dringend vor, sich auf diesen Satz zu beschränken und absolut nichts von den politischen Nebenabsichten zu erwähnen. Er, Schacht, habe auch gar nicht die Absicht, ebenso wie bisher, Auswärtige Politik zu machen; nur habe er deutlich durchblicken lassen und werde das auch weiterhin tun, daß für ihn als Sitz der Internationalen Bank Brüssel nicht in Frage komme, solange die Frage Eupen-Malmedy nicht geregelt sei. Er habe bereits vor vier Wochen, bei Beginn der Verhandlungen, dem amerikanischen Vorsitzenden erklärt, es gäbe zwei Sachen, über die er nicht mit sich reden lassen könne, nämlich ein Abweichen vom Young-Plan und der Vorschlag Brüssels als Sitz der Bank. Hieran halte er auch weiterhin fest und werde nur, falls die politische Frage Eupen-Malmedy Fortgang bekomme, seinerseits den Vorschlag Brüssels aufnehmen.

2

Wassermann berichtete, er sei von Vandervelde gebeten worden, dem RK mitzuteilen, Belgien sehe einen Schutz seiner Neutralität darin, wenn Brüssel Sitz der B. I. Z. werde. Anders als in der Schweiz und in den Niederlanden bestehe in Belgien noch keine internationale Einrichtung. Mit Hinweis auf die Verhandlungen in Baden-Baden erklärte demgegenüber der RK, Schacht beabsichtige mit dem Sitz der Bank die Eupen-Malmedy-Frage zu verbinden. Der RK wisse, daß Belgien keine Konzessionen machen könne, da es sonst zu einer Einmischung Frankreichs komme. Vandervelde solle mitgeteilt werden, daß er mit Schacht verhandeln müsse. Der RK beabsichtigte nicht, wegen dieser Angelegenheit auf Schacht einzuwirken (Niederschrift des RK, 2. 11.; R 43 I/671, Bl. 45, hier: Bl. 45). Bereits am Vortage hatte der RK dem SPD-Abg. Sollmann die gleichen Überlegungen vorgetragen, als dieser mit ihm eine beabsichtigte Reise nach Brüssel erörtert hatte. Vom RK war hinzugefügt worden, eine Reise Sollmanns werde erfolglos sein, da die Sozialisten nicht in der belgischen Regierung vertreten seien. Sollmann hatte daraufhin eine Reise als zwecklos angesehen (Aufzeichnung Müllers, 1. 11.; R 43 I/671, Bl. 44, hier: Bl. 44).

3

Siehe Dok. Nr. 340.

Pünder

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