
Sitzung des Zentralen Runden Tisches in Berlin, 22. Januar 1990, Quelle: Bundesregierung, B 145 Bild-00047635 / Lehnartz, Klaus
Fast drei Monate nach dem Fall der Berliner Mauer waren die politische Situation in der DDR und das zukünftige Verhältnis der beiden deutschen Staaten zueinander noch völlig ungewiss. Hans Modrow, der am 13. November 1989 von der DDR-Volkskammer zum Vorsitzenden des Ministerrates gewählt worden war, galt als einer der wichtigsten Reformer in der SED. Er bemüht sich um Gespräche mit der Bürgerbewegung. Den sich immer weiter beschleunigenden Ansehensverlust staatlicher Institutionen und den Machtverlust der SED konnte er allerdings nicht aufhalten.
Im Land herrschte Aufbruchstimmung. Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerbewegung haben sich im ganzen Land in Vereinigungen und Parteien organisiert, um endlich das politische Geschehen mit beeinflussen zu können. Überall entstanden nach polnischem Vorbild die sogenannten Runden Tische, die Vertreter der SED und Verwaltung mit Mitgliedern der Bürgerrechtsbewegung, der Kirchen und anderer Gruppen zusammenbrachten.
Im Dezember 1989 wurde in Berlin auch für die nationale Ebene ein Zentraler Runder Tisch eingerichtet. Oberkirchenrat Ziegler betonte, dass dieses Gremium „kein Ersatz für Regierung und Volkskammer“ sein sollte, sondern ein Ort, um Probleme zu besprechen, die „den Meinungsstreit herausfordern“.
Der Einfluss der Runden Tische auf das Tagesgeschehen war beachtlich. In den Sitzungen ging es um die Schaffung einer freien, demokratischen Gesellschaft und eines neuen Wahlgesetzes, aber auch um wirtschaftliche und soziale Probleme sowie die Aufarbeitung von DDR-Unrecht.
Am 22. Januar 1990 nahmen Mitglieder der Regierung an einer Sitzung des Zentralen Runden Tisches teil. Das Angebot von Ministerpräsident Modrow, Regierungsverantwortung zu übernehmen, nahmen acht Vertreter des Runden Tisches an. Am 25. Januar 1990 traf sich der Bundesminister für besondere Aufgaben, Rudolf Seiters, in Ost-Berlin mit Oppositionsgruppen und -parteien.


