Bild vom Umtausch von DDR-Geld in D-Mark, Berlin 1. August 1990

Im Juli erreichte der Einigungsprozess eine entscheidende Phase: Am 1. Juli 1990 trat die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zwischen Bundesrepublik und DDR in Kraft. Westdeutschen Analysen zufolge gingen die Menschen in der DDR mit der neuen Währung besonnen um. Der teilweise erwartete Kaufrausch blieb weitestgehend aus. Westdeutsche Gebrauchtwagen wurden allerdings sehr stark nachgefragt. Auch Bausparverträge waren eine begehrte Investition.

Wie befürchtet, hatte die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion auch negative Folgen. Die Einführung der D-Mark beschleunigte den Niedergang der DDR-Volkswirtschaft. Die Nachfrage nach in der DDR gefertigten Waren brach ein. Viele Menschen bevorzugten nun westdeutsche Produkte und konnten sich diese jetzt endlich leisten. Auch der während des Kalten Krieges etablierte Warenaustausch zwischen den „sozialistischen Bruderländern“ funktionierte nicht mehr wie bisher. Zu den Absatzschwierigkeiten kamen die geringe Produktivität der oft maroden DDR-Betriebe und die durch die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion rasant steigenden Lohnkosten. Viele Betriebe standen vor dem wirtschaftlichen Aus. Neugründungen und Neueinstellungen in den Bereichen Bau, Handwerk, Handel und Dienstleistungen konnten diese Entwicklung nicht ausgleichen.

Am 6. Juli 1990 begannen die Gespräche für einen zweiten deutsch-deutschen Staatsvertrag zu allen Themen, die im Vertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion noch nicht geregelt worden waren. Sie wurden von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf Seiten der Bundesrepublik und vom Parlamentarischen Staatssekretär Günther Krause auf Seiten der DDR geführt. Bei den Verhandlungen pochten die westdeutschen Bundesländer auf ihr Mitbestimmungsrecht. Vieles war noch unklar oder umstritten: Welche Stadt sollte die künftige gemeinsame Hauptstadt sein? Welche Symbole sollten für das vereinte Deutschland stehen? Sollte die DDR dem Geltungsgebiet des Grundgesetzes beitreten oder musste eine neue, gemeinsame Verfassung ausgearbeitet werden? Wie wurden Schulden und weitere Finanzfragen geregelt? Klärungsbedarf bestand auch bezüglich des weiteren Umgangs mit den Stasi-Akten und dem SED-Parteivermögen.

  • Schreiben an Rudolf Seiters, Chef des Bundeskanzleramtes über die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz zur Deutschlandpolitik, Bonn 22. Juni 1990
    Schreiben an Rudolf Seiters, Chef des Bundeskanzleramtes über die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz zur Deutschlandpolitik, Bonn 22. Juni 1990
  • Rohskizze des Ergänzungsvorschlag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Einigungsvertrag, 31. Juli 1990
    Rohskizze des Ergänzungsvorschlag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Einigungsvertrag, 31. Juli 1990
  1. Juni 1990
  2. August 1990