1.84 (bru2p): Nr. 336 Notiz des Oberregierungsrats Planck über ein Telefongespräch mit dem Reichsernährungsminister, 18. Juni 1931

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Nr. 336
Notiz des Oberregierungsrats Planck über ein Telefongespräch mit dem Reichsernährungsminister, 18. Juni 1931

R 43 I/1298, Bl. 78

Herr Reichsminister Dr. Schiele hatte am 16. d. Mts. Herrn Staatssekretär Dr. Pünder mitgeteilt, daß er den dringenden Wunsch habe, am 17. Juni dem Herrn Reichskanzler eine Anzahl von dringenden Maßnahmen auf dem Gebiete der Förderung der Landwirtschaft zur Genehmigung vorzutragen, insbesondere die Bereitstellung von 5 Millionen RM für das Genossenschaftswesen1. Herr Staatssekretär Dr. Pünder hatte ihm darauf bei dieser Gelegenheit und anläßlich einer Anzahl von telephonischen Anrufen am 17. vormittags erwidert, daß der Herr Reichskanzler zu einer Rücksprache über diese Fragen gern bereit sei, aber am 17. noch nicht zur Verfügung stehen könne. Am 17. nachmittags rief dann Herr Minister Schiele den Unterzeichneten an, mit der dringenden Bitte, sogleich vom Herrn Reichskanzler empfangen zu werden. Auf die Antwort, daß der Herr Reichskanzler am Nachmittag nicht zur Verfügung stehen könne, da er, um sich etwas von den großen Anstrengungen der letzten Tage zu erholen, fortgefahren sei, beschwerte sich Herr Reichsminister Dr. Schiele in sehr heftigen Ausdrücken darüber, daß sein Wunsch nicht erfüllt werden konnte. Er sei von Minister Dietrich soeben an den Herrn Reichskanzler zur sofortigen Entscheidung verwiesen worden und erfahre nun, daß der Herr Reichskanzler ins Grüne gefahren sei. Er müsse die Entscheidung aber bis zum Abend des 17. haben, da er sie für eine Rede in Swinemünde brauche2. Er äußerte schließlich, er werde ja wie ein Schwein behandelt und könne das einfach nicht mehr ertragen. Auf die Einwendung, daß der Herr Reichskanzler doch äußerst erschöpft durch die vorangegangenen schweren Tage sei und daß im übrigen Herr Reichskanzler schon für einen der nächsten Tage Anweisung zur Abhaltung der gewünschten Besprechung gegeben habe, erwiderte Herr Minister Schiele, daß er schon seit Monaten ähnlich Schweres zu tragen habe. Außerdem habe man gewußt, daß er die Entscheidung gerade heute brauche. Er werde nunmehr seine Reise nach Swinemünde absagen und im übrigen[1218] auch die entsprechenden Konsequenzen aus einer solchen Behandlung ziehen. Hiermit wurde das Gespräch abgebrochen3.

1

Die 5 Mio RM sollten der Pr. Zentralgenossenschaftskasse für Rationalisierungsmaßnahmen des Genossenschaftswesens zur Verfügung gestellt werden (Kabinettsvorlage des REM vom 10.6.31, R 43 I/1298, Bl. 72–74).

2

Der REM war von den landwirtschaftlichen Genossenschaften zur Teilnahme an der Generalversammlung des Raiffeisenverbandes am 18. 6. in Swinemünde eingeladen worden.

3

Sofort nach diesem Telefongespräch schrieb der REM einen als „persönlich“ gekennzeichneten Brief an den RK, in dem er mitteilte, daß er seine Teilnahme an der Versammlung des Raiffeisenverbandes in Swinemünde abgesagt habe, und den RK bat, ihm am Vormittag des 18. 6. sobald als möglich die Gründe der Ablehnung mitzuteilen (R 43 I/1298, Bl. 80–81). Kurz nach Abgang dieses Schreibens unterrichtete der REM den RK in einem weiteren Brief, daß er dem Drängen des Raiffeisenverbandes nachgegeben habe und doch nach Swinemünde reisen werde; daher bitte er um eine Verschiebung der Besprechung (R 43 I/1298, Bl. 82). Am 1.7.31 genehmigte der RK die Bereitstellung der 5 Mio RM für die Rationalisierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften (Vermerk des MinR Feßler vom 1.7.31, R 43 I/1298, Bl. 86).

(Nicht für die Akten)

Planck

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