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"Eine gewissenlose Clique frontfremder Parteiführer" –
Der 20. Juli 1944.
Teil 1: Staatsstreich durch den Walküre-Befehl

Eine virtuelle Ausstellung in drei Teilen nimmt den 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler zum Anlass für einen Blick auf die Beteiligten, die Konsequenzen und die Rezeption in der Bundesrepublik.

  • Nationalsozialismus (1933-1945)

Anm.: Das diffamierende Zitat in der Überschrift stammt aus einer Bekanntmachung Generalfeldmarschall Erwin von Witzlebens über das Attentat und die darauffolgende Auslösung des Walküre-Befehls, in: BArch RM 7/101, fol. 72

Am 20. Juli 1944 platziert Claus Schenk Graf von Stauffenberg während einer Lagebesprechung in einer Lagerbaracke des Führerhauptquartiers "Wolfsschanze" bei Rastenburg (heute Ketryzn, Polen) eine Bombe mit dem Ziel, Adolf Hitler tödlich zu verletzen.

Nach der Explosion soll mit Hilfe des Walküre-Befehls ein Staatsstreich erfolgen. Dieser Befehl wurde ursprünglich ausgearbeitet, um potenzielle Aufstände gegen das nationalsozialistische Regime zu unterdrücken. Henning von Tresckow und Claus Schenk Graf von Stauffenberg änderten den Befehl ab 1943 ab, um darauf aufbauend das System zu stürzen. Zu den wichtigsten Punkten des Unternehmens gehörte die Verhaftung zentraler Personen der SS, SD, Gestapo und NSDAP. Die strategisch wichtigen Positionen in der Regierung sollten neu besetzt werden, ebenso die Oberbefehlsgewalt über die Wehrmacht.

Der Plan scheitert jedoch, und Hitler überlebt leicht verletzt. Obwohl die Gruppe um Stauffenberg den Plan wie vorgesehen weiterverfolgt und der Walküre-Befehl ausgelöst wird, gelingt der Umsturz nicht. Mehr als 100 Personen werden in der darauffolgenden Zeit auf Grund mutmaßlicher Beteiligung an der Planung und Umsetzung des Attentats verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.

Die zentrale Personenkartei der Abteilung PA des Bundesarchivs umfasst mehr als 18 Millionen verzeichnete Personen. Darunter befinden sich auch die Karten vieler Beteiligter, Mitwissender und Helfer des 20. Juli.

Friedrich Olbricht gehörte zum unmittelbaren Kern der Verschwörer vom 20. Juli. Er löste den Walküre-Befehl aus. Kurz vor seiner Verhaftung hatte Olbrichts Schwiegersohn Friedrich Georgi noch Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Sein Zeitzeugenbericht kann bei unserem Kooperationspartner LEMO nachgelesen werden.

Regelmäßige Kontakte zu der Widerstandsgruppe um Ulrich von Hassel und Ludwig Beck pflegte auch der 1884 in Leipzig geborene Johannes Popitz, der "Vater der Umsatzsteuer". Ab 1940 entwickelte die Gruppe programmatische Grundsätze für eine innenpolitische Neuordnung und Konsolidierung Deutschlands nach dem angestrebten Regimewechsel. Das "vorläufige Staatsgrundgesetz", das im Nachlass Popitz' mit Bearbeitungsspuren überliefert ist, gibt Aufschluss über die politischen Vorstellungen von Popitz und seinen Mitstreitern. Am 3. August 1944 wurde Johannes Popitz vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 in Plötzensee gehenkt.

Anm.: Das Zitat in der Überschrift stammt aus einer Bekanntmachung Generalfeldmarschall Erwin von Witzlebens über das Attentat und die darauffolgende Auslösung des Walküre-Befehls, in: BArch RM 7/101, fol. 72