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"Eine gewissenlose Clique frontfremder Parteiführer" –
Der 20. Juli 1944.
Teil 3: Gedenken in der Bundesrepublik

Eine virtuelle Ausstellung in drei Teilen nimmt den 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler zum Anlass für einen Blick auf die Beteiligten, die Konsequenzen und die Rezeption in der Bundesrepublik.

  • Nationalsozialismus (1933-1945)
  • BRD (ab 1949)

Anm.: Das diffamierende Zitat in der Überschrift stammt aus einer Bekanntmachung Generalfeldmarschall Erwin von Witzlebens über das Attentat und die darauffolgende Auslösung des Walküre-Befehls, in: BArch RM 7/101, fol. 72

Die Beteiligten des Umsturzversuchs vom 20. Juli wurden aus der Wehrmacht ausgestoßen und nach der Gründung der Bundesrepublik zunächst nicht offiziell rehabilitiert.

Jakob Kaiser, Mitglied des Parlamentarischen Rates und später Minister für gesamtdeutsche Fragen, verfasste bereits 1946 einen Aufsatz für das Antifa-Taschen-Jahrbuch, in dem er auf das gespaltene Verhältnis der Gesellschaft zum Widerstand allgemein und dem 20. Juli insbesondere Bezug nimmt. Er thematisiert dabei auch die nicht ausschließlich vom Widerstand geprägten Lebensläufe der Beteiligten. Konkret der militärische Widerstand um Stauffenberg hatte sich dem nationalsozialistischen System zunächst gefügt, bis die Wendung gegen das Naziregime einsetzte.

Lange Zeit wirkte also das Urteil des Hoch- und Landesverrats in der öffentlichen Meinung nach. In den 1950er Jahren setzte schließlich eine Umbewertung ein. Die Widerstandskämpfer um Stauffenberg erfuhren allmählich eine reflektierte Wahrnehmung. Zum 10. Jahrestag des gescheiterten Attentats hielt Bundespräsident Theodor Heuss in Berlin eine "Gedenkrede für Opfer des 20. Juli 1944". Der handschriftliche Entwurf dieser Rede befindet sich im privaten Nachlass von Theodor Heuss im Bundesarchiv in Koblenz.

Ebenfalls in Koblenz sind die Akten des Bundesministeriums für Post- und Fernmeldewesen zugänglich. Darin findet sich eine Akte aus den Jahren 1963/64. Der 20. Jahrestag des gescheiterten Attentats gab Anlass für ein sogenanntes Gedenkblatt mit insgesamt acht Sonderbriefmarken im Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Neben den Beteiligten vom 20. Juli werden auch Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer und Albert Delph stellvertretend für alle Widerstandskämpfer abgebildet.

Den Gestaltungswettbewerb gewinnt ein Künstlerpaar aus Wuppertal, die Beschaffung von passendem Bildmaterial unterstützen die Hinterbliebenen der ermordeten Widerstandskämpfer, und zahlreiche Nachfragen beim Ministerium lassen erkennen, dass das "Gedenkblatt mit Sonderpostwertzeichen" sich großer Beliebtheit erfreut.