Wie muss man sich das Herstellen eines Faksimiles vorstellen?
Sobald feststeht, welche Exponate in Ausstellungen gezeigt werden sollen, bestelle ich die Originale beim Magazindienst und fange an, davon Kopien zu erstellen. Das Schwierigste an der Herstellung von Faksimiles ist, das gleiche Material der originalen Dokumente zu besorgen. Zum Beispiel faksimiliere ich aktuell für eine Ausstellung zu den deutschen Filmpionieren, den Gebrüdern Skladanowsky, den Deckel einer Notenmappe. Da ist es schwierig, genau den gleichen Karton zu finden, in dem gleichen Tabakbraun, einer gewissen Stärke und auch dem altersbedingten Zustand, den das Originaldokument ja letztlich bereits hat. Dafür schaue ich bei eBay oder Etsy, frage bei Freunden und Bekannten nach oder gehe in Antiquariate und in den Buchbindereinkauf. Häufig muss ich mit Tee nachfärben, um Brauntöne zu erhalten, die den Alterungsprozess zeigen.
Am Schluss wird dann der Schriftzug, die Grafik, das Bild oder das Siegel, je nachdem, was auf dem Dokument zu sehen ist, übertragen. Wie lange ich für die Herstellung eines Faksimiles brauche, ist dabei ganz unterschiedlich. Manche habe ich in zwei Stunden fertig, andere brauchen mehr Zeit. Für die selbstgebastelte Flagge der ČSSR, die in der Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen. Die Stasi und ihre Dokumente“ gezeigt wird, brauchte es zum Beispiel zwölf Tage.
Was sind aktuelle und anstehende Projekte, an denen Sie arbeiten?
Im Moment fertige ich Faksimiles für die Veranstaltungsreihe des Wismut-Netzwerks Chemnitz an, an dem die Außenstelle Chemnitz des Stasi-Unterlagen-Archivs beteiligt ist. Parallel arbeite ich an Faksimiles für die Ausstellung zu den Gebrüdern Skladanowsky in Berlin-Lichterfelde sowie für die Ausstellung des Leipziger Stasi-Unterlagen-Archivs in der „Runden Ecke“. Es gibt aber immer wieder Aufträge, die dazwischenkommen, zum Beispiel zuletzt eine Kopie der Kapitulationsurkunde vom 8. Mai 1945 für das Museum Berlin-Karlshorst. Auch für die Dauerausstellung im Revolutionsmuseum Rastatt müssen immer wieder Dokumente faksimiliert werden. Zudem werden in Berlin-Lichterfelde regelmäßig aus aktuellen Anlässen Faksimiles gezeigt.
Was war das aufwändigste, was das kurioseste Faksimile, das Sie bisher angefertigt haben?
Das war das Siegel von Karl V. mit Pergamenturkunde aus dem 16. Jahrhundert für die Ausstellung zur Archivgeschichte im Foyer des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde. Das war das aufregendste, weil es das älteste Exponat war, was ich aus dem Archiv in der Hand hatte. Besonders kurios war die Herstellung eines Kontobuches, das ebenfalls in der Ausstellung gezeigt wird. Um das Erscheinungsbild zu erlangen, das Buch sah wirklich sehr mitgenommen aus, ging das Faksimile extra durch zahlreiche Hände, lag bei mir zuhause im Garten und landete sogar kurz in einem Pool.