Direkt zum Seiteninhalt springen
Katri Jurichs steht vor einer Fotografie eines Stasi-Mitarbeiters mit Kopfhörern.

Katri Jurichs (Abteilung AR 5), Quelle: Bundesarchiv / Jurichs

Katri Jurichs: Von Tönen und Filmen der Stasi-Überwachung

In ihrer Arbeit geht es um das Erschließen und Nutzbarmachen audiovisueller Überlieferungen der DDR-Staatssicherheit. Sie ist hier Sachgebietsleiterin im Stasi-Unterlagen-Archiv. Dieses verwahrt zahlreiche Tondokumente, Filmaufnahmen und Fotografien der Stasi. Allein an Tonträgern sind heute rund 23.000 digitalisiert und nutzbar. Das entspricht etwa 38.000 Stunden Laufzeit. (Stand: 2026)

Zum Inhalt springen

Was unterscheidet die Arbeit mit audiovisuellen Unterlagen von der mit Papierakten?

Anders als bei Papierunterlagen kann man bei Ton- und Filmaufnahmen nicht einfach vor- und zurückblättern, um sich einen schnellen Überblick zu verschaffen: Man muss hören, sichten und den Kontext oft erst mühsam erschließen – auch wenn die Töne und Filme digitalisiert sind.

Die Kolleginnen und Kollegen, die das hier schon viele Jahre machen, sind entsprechend spezialisiert. Man kann diese Arbeit zwar erlernen, aber braucht auch eine gewisse Passion dafür. Der Umgang mit unterschiedlichsten Materialarten und Abspieltechnik, aber auch das Ertragen und Erkennen der Inhalte spielt eine große Rolle.

Zu einer der größten Herausforderung gehört vor allem die Bestandserhaltung, aber auch die Entscheidung über die Relevanz einzelner Aufnahmen, etwa bei Mehrfachüberlieferungen.

Welche Tonaufnahmen, Filme und Fotos finden sich im Bestand, und was macht diese Überlieferung so besonders?

Die Stasi hat Ton- und Filmaufnahmen zur Selbstdarstellung angefertigt, aber auch zur Überwachung, Beobachtung und Ermittlung, etwa durch Telefon-, Raum- und Funküberwachung, sowie für Mitschnitte von Prozessen, Vernehmungen und Befragungen zur Dokumentierung der operativen geheimpolizeilichen Arbeit. Mitschnitte von Rundfunk- und Fernsehaufzeichnungen dienten der Informations- und Auswertungstätigkeit.

Besonders ist, dass ein großer Teil der Aufnahmen kontextlos ist: Wir hören oder sehen eine Aufzeichnung und wissen zunächst nicht, wer, wann und warum aufgenommen wurde, diesen Kontext müssen wir erst rekonstruieren. Bei Ton und Film ist die Erschließung inzwischen weitgehend abgeschlossen, aktuell werden die Bestände in die Systeme des Bundesarchivs migriert, wodurch sie für Nutzerinnen und Nutzer künftig noch besser zugänglich sein werden.

Bei den rund 1,2 Millionen kontextlosen Stasi-Fotografien sind wir noch in der Erschließung, das heißt, wir müssen hier recherchieren, wann und in welchem Zusammenhang Bilder entstanden sind.

Gibt es Dokumente, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Das ist sicherlich die Tonüberlieferung vom Prozess gegen Elli Barczatis, die ehemalige Sekretärin von Ministerpräsident Grotewohl, die mit ihrem Partner Karl Laurenz in den 1950er Jahren wegen Spionage verurteilt wurde. Über den Fall wurde viel veröffentlicht, aber ihn zu hören, das ist noch einmal etwas anderes: Man hört nur die Stimmen, und wenn dann das Todesurteil verkündet wird, spürt man die Emotionen im Raum, da bekommt man Gänsehaut.

Genau das vermittelt jetzt auch das gerade vorgestellte Online-Projekt „Töne der Repression“: Die Fakten kann man nachlesen, per Suche kann man hin- und herspringen, aber beim Hören entsteht eine ganz andere emotionale Wirkung.

Bei Film und Foto sind es auch die Aufnahmen aus der NS-Zeit, die die Stasi für ihre Ermittlungen weiterverwendet hat. Das sind Funde, mit denen man in diesem Bestand nicht rechnet und die auch uns bei der Arbeit immer wieder bewegen.