In welchen Schritten läuft die Arbeit in der Filmdigitalisierung ab?
Zunächst entscheiden die Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung AV, welches Material als nächstes digitalisiert werden soll. Dann bestellen wir in der Archivtechnik dieses Material aus dem Magazin nach Hoppegarten, wo wir ein digitales Kopierwerk betreiben – mit sechs sehr hochwertigen Filmscannern.
Im Anschluss prüfen Restauratorinnen und Restauratoren analog ob der Film mechanisch und chemisch in einem Zustand ist, in dem er gescannt werden kann. Wenn es hier ein „Go“ gibt, wird der Film in einer „Filmreinigungsmaschine“ mit Isopropanol gereinigt und dann je nach Materialvorlage in 4K- oder 2K-Auflösung gescannt – durch die hohen Auflösungen wird sichergestellt, dass die Bildqualität des Digitalisat dem analogen Ausgangsmaterial entspricht.
In der anschließenden Qualitätskontrolle sichten wir den gesamten Film noch einmal, bevor im Mastering zwei digitale Kopien, einmal als Rohscan und einmal als Ansichtsexemplar, entstehen. Der Rohscan geht zur Langzeitsicherung nach Koblenz, das Ansichtsexemplar wird über unseren Digitalen Lesesaal für alle bereitgestellt.
Welche Herausforderungen ergeben sich dabei und warum ist der ganze Aufwand so wichtig?
Die größten Herausforderungen für uns sind zum einen die schiere Menge an Filmen, die es für die Digitalisierung vorzubereiten, zu scannen und hochzuladen gilt, und auch die immense Datenmenge, die sich daraus für die Speicherung ergibt. Ein 90-minütiger Spielfilm ist dann beispielsweise bis zu 14 Terabyte groß – und wir haben um die 250.000 Filme.
Zum anderen sind die analogen Filme fragil und können leicht beschädigt werden. Digitalisierung ist da immer auch ein Wettlauf gegen die Zeit: Wir müssen schneller arbeiten, als der physische Verfall des Materials voranschreitet. Die Filmdigitalisierung des Bundesarchivs ist aber technisch sehr gut aufgestellt und für die Zukunft gut gerüstet. Dieser Aufwand ist so wichtig, weil niemand seriös sagen kann, ob Filme selbst bei guter Lagerung in 100 oder 200 Jahren noch abspielbar sind. Deshalb stellt die digitale Speicherung des Films zusätzlich zur analogen Lagerung eine weitere Sicherungsstufe dar.
Ein weiterer Punkt ist, dass die Digitalisierung die Filme zugänglicher macht: So können Menschen nicht nur vor Ort im Lesesaal darauf zugreifen, sondern über das Internet von überall. Gleichzeitig sichern wir uns mit der Digitalisierung auch gegen mögliche Katastrophenfälle ab, bei denen physisches Archivgut verloren gehen könnte.
Sind bei Ihrer Arbeit auch besondere Filmschätze dabei?
Der wohl berühmteste Film, den wir jetzt ganz aktuell bei uns gescannt haben, ist das amerikanische Originalbildnegativ des Filmes Metropolis von Fritz Lang. Er feiert nächstes Jahr sein hundertstes Erscheinungsjahr und wurde im Jahr 2001 als erster Film überhaupt in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen. Wir arbeiten also auch mit sehr altem Filmmaterial. Manchmal zeigt das Archivmaterial bereits Zersetzungserscheinungen. Mit der Digitalisierung verhindern wir, dass historisch wertvolle Aufnahmen für alle Zeiten verloren gehen.