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Ausstellung „Erziehung durch Arbeit“

Ausstellung „Erziehung durch Arbeit“, Quelle: Laura Soria

Erziehung durch Arbeit. „Asoziale“ als Staatsfeinde in der DDR

Die Ausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ widmet sich einem weitgehend in Vergessenheit geratenen Kapitel der DDR-Geschichte: der systematischen Ausgrenzung, Disziplinierung und Kriminalisierung von Menschen, die als „asozial“ galten. Die Ausstellung zeigt Fallbeispiele, die unterschiedliche Schicksale sowie die Praxis der staatlich organisierten Jugendhilfe in der DDR dokumentieren. Diese kannte als einziges Mittel „Erziehung durch Arbeit" – mit Heimen, Jugendwerkhöfen und anschließender Haft.

Wer nicht dem Idealbild des „sozialistischen Menschen“ entsprach – etwa wegen vermeintlicher Arbeitsscheu, abweichendem Lebensstil oder politischer Haltung –, wurde zum Staatsfeind erklärt. Medien, Behörden und Justiz prägten das Bild „asozialer Elemente“ als Gefahr für Ordnung, Arbeitsproduktivität und kollektive Moral. Die Ausstellung „Erziehung durch Arbeit“ zeigt die politisch und ideologisch motivierte Kriminalisierung mithilfe des „Asozialenparagrafen“, dem Paragrafen 249 StGB der DDR.

Die vage Definition „asozialen Verhaltens“ im Gesetz machte den Paragrafen 249 bei der Strafverfolgung vielfältig einsetzbar. Dies zeigen die Lebenswege der vierzehn in der Ausstellung porträtierten Frauen und Männer. Die Bandbreite der Betroffenen reicht vom Punker bis zur Prostituierten, vom Ausreiseantragsteller bis zum Oppositionellen.

Das rigide Vorgehen des SED-Regimes produzierte „asoziale Staatsfeinde“ in großer Zahl: Zwischen 1969 und 1989 erfolgten rund 146.000 Verurteilungen nach Paragraf 249, davon 125.600 mit Freiheitsentzug. Viele der Betroffenen hätten Hilfe benötigt und wurden stattdessen kriminalisiert. Wer nach Paragraf 249 strafrechtlich verfolgt und verurteilt wurde, erfuhr Stigmatisierung und Ausgrenzung über die Haftzeit hinaus.

Eine strafrechtliche Rehabilitierung und finanzielle Entschädigung wegen einer Verurteilung nach Paragraf 249 erhalten Betroffene bis heute nur im Einzelfall.

Öffnungszeiten

16. März bis 30. April 2026
Montag bis Sonntag: 10-18 Uhr

Ort

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie
Ruschestraße 103
„Haus 22“
10365 Berlin

Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

Rahmenprogramm

Förderer

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der Folgen der SED-Diktatur, Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt und der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt.

Kooperationspartner

Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG) und das Deutsche Rundfunk Archiv