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Nach der Eroberung durch deutsche Truppen, Wach-Einheit aus Marinesoldaten, im Hintergrund die Kathedrale von Antwerpen

Nach der Eroberung durch deutsche Truppen, Wach-Einheit aus Marinesoldaten, im Hintergrund die Kathedrale von Antwerpen, Quelle: BArch, Bild 146-1971-020-67, o. Ang.

Die im Ersten Weltkrieg vom Deutschen Reich besetzten Gebiete

Diese Seite hilft bei der Recherche zu Archivbeständen mit Unterlagen über die deutsch besetzten Gebiete im Ersten Weltkrieg in der Abteilung Militärarchiv.

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Einführende Informationen

Im Ersten Weltkrieg wurden in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten Belgiens, Rumäniens und des Russischen Reiches zu deren Verwaltung Generalgouvernements (unmittelbar dem Kaiser unterstellt) bzw. Militärverwaltungen eingerichtet. Im Westen bestand das Generalgouvernement Belgien, im Osten die Militärverwaltung Rumänien und im Russischen Reich das Generalgouvernement Warschau und das Gebiet des Oberbefehlshabers Ost.

Belgien

Das Generalgouvernement Belgien verwaltete das hinter der Front und dem anschließenden Etappengebiet liegende besetzte Gebiet Belgiens, das sich auf dem Rückzug verkleinerte, dazu auch einige französische Grenzgebiete (Maubeuge, Givet). Dem Generalgouverneur in Brüssel unterstellt waren Militärgouverneure in den belgischen Provinzen Antwerpen, Brabant, Hennegau, Limburg, Lüttich, Luxemburg und Namur sowie Gouverneure der Festungen Antwerpen, Lüttich, Namur und der Hauptstadt Brüssel. Unter dem Generalgouverneur in Brüssel arbeiteten ein Chef des Generalstabes und ein Chef der Zivilverwaltung mit den Abteilungen Verwaltungschef, Finanzen, Handel und Gewerbe, Politik, Banken, dazu mit der Zentralerntekommission, der Ernährungskommission und der Zivilkanzlei. Die Präsidenten der Zivilverwaltung in den Provinzen waren dem Militärgouverneur der Provinz untergeben und dem Chef der Zivilverwaltung in Brüssel. Ab Juli 1917 wurde die Verwaltung nach flämischen und wallonischen Provinzen getrennt: Die Provinzen Antwerpen, Brabant und Limburg unter dem Verwaltungschef für Flandern und die Provinzen Hennegau, Lüttich, Luxemburg und Namur unter dem Verwaltungschef für Wallonien. Generalgouverneure waren Generalfeldmarschall Colmar von der Goltz ab August 1914, Generaloberst Moritz von Bissing ab November 1914 und Generaloberst Ludwig von Falkenhausen ab April 1917.

Rumänien

Die Militärverwaltung im besetzten Rumänien (ohne die Dobrudscha) bestand vom November 1916 bis zum Juli 1918. Der Stab der Militärverwaltung umfasste den Generalstab, den Oberquartiermeisterstab, den Wirtschaftsstab, den Verpflegungsoffizier für die Zivilbevölkerung, die Polizeiabteilung, die Zentralpolizeistelle und die Kommandantur der Festung Bukarest. Dem Stab der Militärverwaltung angehörig waren jeweils ein bevollmächtigter General Bulgariens, Österreich-Ungarns, sowie des Osmanischen Reiches. Unter dem Gouverneur in Bukarest gab es im Land 14 Distriktskommandanturen, unter diesen Etappenkommandanturen. Der Gouverneur war General der Infanterie Erich Tülff von Tschepe und Weidenbach.

Generalgouvernement Warschau

Das Generalgouvernement Warschau wurde im August 1915 in den westlichen und nördlichen polnischen Gebieten eingerichtet, nachdem es seit März 1915 eine deutsche Zivilverwaltung für Russisch-Polen in Posen gegeben hatte. Neben dem Generalgouvernement Warschau bestand in den südlichen besetzten Gebieten Polens das österreichisch-ungarische Generalgouvernement Lublin. Unter dem Verwaltungschef des Generalgouvernements Warschau arbeiteten die Zentralverwaltung und die Abteilungen für Finanzwesen, Justiz, Gewerbe und Bauten, Kultusangelegenheiten, Forstwesen, Pressesachen, Bergbau, Geologie. Im Stab des Generalgouvernements tätig waren auch die Inspektion des Ausbildungswesens der polnischen Wehrmacht wie das Kommando der Polnischen Legionen. Dem Generalgouverneur unterstellt waren Militärgouverneure in Czenstochau, Grodzisk, Kalisch, Lodz, Lomza, Lukow, Mlawa, Plock, Siedlce, Wloclawek und Warschau. Dem Militärgouverneur von Warschau unterstanden auch die Kommandantur der Festung Modlin und die Gendarmeriebrigade des Generalgouvernements. Generalgouverneur war General der Infanterie, später Generaloberst, Hans von Beseler.

„Oberost“

Der Oberbefehlshaber Ost verwaltete seit dem Herbst 1915 das besetzte Gebiet des Russischen Reiches nordöstlich des Generalgouvernements Warschau. Zunächst eingerichtet wurden die Verwaltungsbezirke Kurland, Litauen (Kowno), Suwalki, Wilna, Grodno und Bialystok. Die Bezirke Wilna und Suwalki wurden im Mai 1916 vereinigt und kamen im Oktober zu Litauen, die Bezirke Grodno und Bialystok wurden im Oktober 1916 vereinigt und kamen im Februar 1918 zu Litauen. Das Gebiet des Oberbefehlshabers Ost umfasste damit Kurland und Litauen, einschließlich polnisch-weißrussischer Landstriche im Süden. Für die Hauptverwaltung des Gebietes des Oberbefehlshabers Ost waren in seinem Stab die folgenden Abteilungen zuständig: Abt. V für Politik und Inneres, Abt. VI für Finanzen, Abt. VII für Landwirtschaft, Forsten und Landeskultur, Abt. VIII für Kirche, Schulwesen, Kunst und Wissenschaft, Abt. IX für Rechtswesen, Abt. X für Post- und Telegraphenverwaltung, Abt. XI für Handel und Gewerbe, dazu die Gendarmerie-Inspektion. Unter den Verwaltungschefs standen Stadthauptleute und Kreishauptleute, die über Bürgermeister und Amtsvorstände Aufsicht führten. Oberbefehlshaber Ost war seit dem August 1916 Generalfeldmarschall Leopold von Bayern.

Quellen im Bundesarchiv

Die Akten der Preußischen Armee sind im Jahre 1945 bei einem Luftangriff auf Potsdam zum größten Teil im damaligen Heeresarchiv verbrannt. Die vorhandenen Dokumente über die im Ersten Weltkrieg besetzten Gebiete befinden sich bei der Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg in folgenden Beständen:

In den Bestandsinformationen sind dort weitere Angaben zu den einzelnen Dienststellen und Truppenteilen zu finden und auch Literaturhinweise.

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Weiterführende Links

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Hier finden Sie Hinweise zur Recherche in den Beständen des Bundesarchivs zu den Unterlagen der Regimenter der Preußischen Armee im Ersten Weltkrieg.

Ansprechpartner

Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv

Wiesentalstraße 10
79115 Freiburg

Telefon: 030 18 665-1149
E-Mail: militaerarchiv@bundesarchiv.de

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Frank Anton
Stand: Februar 2026