Einführende Informationen
In diesem Leitfaden soll aufgezeigt werden, unter welchen Aspekten sich im militärischen Schriftgut bis 1945 Schriftsteller, Publizisten und Journalisten, eventuell auch ihr Wirken, abbilden.
Es gibt dabei grundsätzlich drei Formen, in denen Schriftsteller, Publizisten und Journalisten in der militärischen Überlieferung als Soldaten erscheinen können:
- Soldaten wurden nach ihrer militärischen Dienstzeit schriftstellerisch, publizistisch oder journalistisch tätig. Beispiele hierfür sind Ernst Jünger und Loriot.
- Schriftsteller wurden Soldaten. Beispiele hierfür sind Richard Dehmel und Hermann Löns.
- Soldaten waren in ihrer dienstlichen Funktion schriftstellerisch, publizistisch oder journalistisch tätig (und häufig auch noch nach ihrer Dienstzeit). Beispiele hierfür sind vor allem die Kriegsberichter der Propagandakompanien.
In der Abt. Militärarchiv des Bundesarchivs können diese Schriftsteller, Publizisten und Journalisten auf unterschiedliche Art nachgewiesen werden.
Die intensivste und reichhaltigste Form sind Nachlässe. Von vereinzelten Schriftstellern, Publizisten und Journalisten sind Unterlagen aus ihrem Privatbesitz überliefert, die in der Regel einen unmittelbaren Einblick in diese Personen ermöglichen.
Daneben sind zu einigen Schriftstellern, Publizisten und Journalisten ihre militärischen Personalakten oder zumindest personenbezogene Unterlagen überliefert. Diese Unterlagen geben zwar nur Auskunft über die militärische Dienstzeit, können allerdings mitunter überraschende Aspekte dieser Personen offenlegen.
Vereinzelt sind schriftstellerische oder journalistische Arbeiten in das militärische Schriftgut aufgenommen worden, bzw. sind in militärischem Auftrag entstanden und deshalb in diesem Kontext überliefert.
Und schließlich können amtliche Unterlagen der militärischen Dienststellen, Verbände und Einheiten, in denen diese Personen eingesetzt waren, vorhanden sein, was vor allem für biographische Forschungen von Wert sein kann. Oder militärische Dienststellen haben sich aus ihrer Zuständigkeit heraus mit diesen Personen befasst, weshalb in ihrem Schriftgut Unterlagen oder Hinweise zu diesen überliefert sind.
Wie die im Militärarchiv überlieferten Schriftsteller, Publizisten und Journalisten qualitativ einzuschätzen sind, bleibt der eigenen Wertung oder auch einer literaturwissenschaftlichen Betrachtung überlassen.
Zu beachten ist allerdings, dass einige dieser Schriftsteller, Publizisten und Journalisten Positionen vertreten haben, zum Teil auch noch nach 1945, die antidemokratisch, führergläubig und antisemitisch waren – ggf. auch ohne, dass dies immer in allen einzelnen Texten erkennbar wäre.
Bei einigen Schriftstellern, Publizisten oder Journalisten, deren Nachlass und/oder militärische Personalakte überliefert ist, handelt es sich um Angehörige der Propagandatruppen von Wehrmacht und Waffen-SS und ihr schriftstellerisches Wirken bestand im Wesentlichen aus NS-konformem Propagandamaterial. Einiges davon ist im militärischen Schriftgut überliefert. Bei manchen stellte das Veröffentlichen von Texten nur einen Nebenaspekt ihres (insbesondere späteren) Berufslebens dar und bei manchen anderen war die Qualität dieser Texte auch eher fragwürdig. Tatsächlich sind viele der damaligen Kriegsberichter heute gänzlich unbekannt, sind oft auch nach 1945 nicht mehr als Schriftsteller hervorgetreten.
Bei manchen anderen späteren Schriftstellern ist nicht mehr als nur noch ein sehr kurzzeitiges militärisches Engagement in der Kriegsendphase gegeben, das zu keinem gehaltvollen amtlichen Schriftgut mehr geführt hat, wie etwa bei Günter Grass.
Einige der hier als Publizisten aufgeführten Autoren werden vor allem als Wissenschaftler oder auch vorrangig als Offiziere in herausgehobenen Verwendungen wahrgenommen, obwohl sie zum Teil über Jahre und Jahrzehnte hinweg regelmäßig publizierten.
Alles in allem handelt es sich um eine äußerst heterogene Personengruppe.
