Juli 1849: Den von preußischen Truppen eingeschlossenen Verteidigern der revolutionären Festung Rastatt fiel eine verdächtige Gestalt auf, die sich zwischen den Frontlinien herumtrieb und Zeichnungen anfertigte. Dabei konnte es sich nur um einen preußischen Spion handeln, der die Verteidigungsanlagen auskundschaften wollte! Die Freiheitskämpfer nahmen den überraschten Mann gefangen und sperrten ihn in die Kasematten der belagerten Festung. Als vermeintlichen Spion drohte dem Fremden der Tod durch ein Erschießungskommando. Doch der Gefangene hatte Glück: beim Verhör erkannte ein ehemaliger Schulfreund den in Lörrach geborenen Maler und Zeichner Friedrich Kaiser. Ein prüfender Blick in das Skizzenbuch Kaisers, und der Künstler durfte die belagerte Festung als freier Mann verlassen.
Diese dramatische Episode war nicht die einzige Gelegenheit, bei der sich Friedrich Kaiser gefährlich nahe an das von ihm im Bild festgehaltene Geschehen heranwagte. Am 14. November ließ die Historikerin Dr. Carola Hoécker in der Bundesarchiv-Erinnerungsstätte ein gespanntes Publikum an ihren Forschungen zum Leben und Schaffen dieses heute vielfach vergessenen Bildchronisten der Badischen Revolution teilhaben.
Kaisers Werke entstanden in einer für die Bildberichterstattung brisanten Übergangszeit. Die Fotografie hatte bereits begonnen, traditionellen Darstellungsformen wie Malerei, Lithografie und Holzdruck Konkurrenz zu machen, steckte aber immer noch in den Kinderschuhen. Auch andere technische Neuheiten wie Telegrafie und Eisenbahn veränderten die Kommunikation. Die Menschen verlangten immer stärker nach aktuellen Informationen und Bildern. Zeitschriften wie die Leipziger Illustrierte Zeitung – das erste illustrierte Blatt Deutschlands – fanden reißenden Absatz. Ihre Bilder gaben den Leserinnen und Lesern das Gefühl, die dramatischen Ereignisse der Revolutionsjahre 1848/49 „hautnah“ mitzuerleben.

