Als eine "Tabu-Quelle" bezeichnen die Herausgeber der neuen BStU-Studie Fasse Dich kurz! Der grenzüberschreitende Telefonverkehr der Opposition in den 1980er Jahren und das Ministerium für StaatssicherheitMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische..., Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk und Arno Polzin, die Grundlage ihrer wissenschaftlichen Edition. Der Gegenstand ihrer Forschung: Die Protokolle der Stasi über die abgehörten Telefonate der DDR-Oppositionellen in Ost- und West-Berlin in den späten 80er Jahren.
Dass das MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... in der
Zu den abgehörten Oppositionellen gehörten
Im Kern der Analyse dieser besonderen Quellen stand für die Forscher Kowalczuk und Polzin die Frage: Wie nutzte die Stasi Informationen aus den abgehörten Gesprächen für die Verfolgung der Oppositionellen? Durch das Anzapfen der Telefone gelangte das MfS an Informationen, die es anderweitig nicht erlangt hätte. Sie dienten dazu, so die Analyse der Forscher, gruppeninterne Dynamiken und zwischenmenschliche Konfliktlagen einzuschätzen. In einigen Ermittlungsverfahren spielten abgehörte Telefongespräche auch die wichtigste Rolle als Beweismittel. TelefonüberwachungTelefonüberwachungKonspirative Ermittlungsmethode, auch "Maßnahme A" genannt. war allerdings nur eine Form für die Geheimpolizei, an Informationen über die Oppositionellen zu gelangen. Andere Formen,
Zur Grundlage der Betrachtung der Abhörprotokolle gehört auch eine Analyse des Telefonsystems der DDR. Der Buchtitel "Fasse Dich kurz!" spielt auf die nur mangelhafte Zuteilung von privaten Telefonanschlüssen in der DDR an. Die Aufforderung wurde allerdings zuerst in den 30er Jahren in Deutschland als Hinweistafel an öffentlichen Fernsprechern eingeführt. In der Bundesrepublik verschwanden die Tafeln bis zum Ende der 70er Jahren – es war eine Netzdichte erreicht, die das Telefonieren für alle mit allen in jeder erdenklichen Länge möglich machte. In der DDR hingegen hatte die Aufforderung Bestand bis 1989 und zierte als ganzseitiger Aufruf die Telefonbücher vieler Städte. Das maximale Abhörvolumen, das die Stasi und DDR Post ermöglichen konnten - auch das ist ein Ergebnis der Studie - betrug am Ende der DDR rund viertausend gleichzeitig angezapfte Telefonleitungen. Eine flächendeckende Überwachung war in der DDR technisch und organisatorisch nicht möglich.
Mit der vorliegenden Edition wird auch erkennbar, was genau mit den abgeschöpften Daten und Informationen geschieht, die eine Geheimpolizei erhebt. Das historische Beispiel der DDR-Geschichte bietet damit auch Erkenntnismöglichkeiten für die aktuelle Diskussion um Abhörpraktiken und Datenmissbrauch staatlicher Institutionen im Kontext des NSA-Skandals.
Hinweis: Am 22. September 2014 um 19.00 Uhr findet im Besucherzentrum Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Str. 119 die Buch-Premiere mit den Autoren und den Zeitzeugen Rainer Eppelmann, Roland Jahn, Gerd Poppe und Birgit Voigt statt.
Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin