Am 18. Oktober verfolgten in der Aula des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums in Rastatt mehr als 230 Besucher, darunter viele Schülerinnen und Schüler, die aktuelle Produktion des Axensprung-Theaters "Revolution!? Ein Schauspiel zu den politischen Umbrüchen in Deutschland 1918/19". Sie waren von der packenden Leistung der fünf Schauspieler beeindruckt. Bei seiner Begrüßung gab der Leiter der Bundesarchiv-Erinnerungsstätte Dr. Andrej Bartuschka Hinweise zum geschichtlichen Hintergrund der Ereignisse vom Aufstand der Matrosen in Kiel 1918 bis zu den Unruhen in Berlin im Januar 1919: Die Revolution – das war vor allem das kraftvolle Streben nach Freiheit, Demokratie und einem Leben ohne Not.
Für das Drehbuch nutzt das Hamburger Ensemble zahlreiche historische Quellen, sein Markenzeichen bei der Bearbeitung historischer Stoffe. In der Regie von Erik Schäffler werden Hoffnungen, Träume, Erwartungen und auch Ängste der Menschen in dieser schwierigen Zeitwieder lebendig. Der dramaturgische Kniff einer Dreiecksgeschichte zwischen der Kieler Arbeiterin Martha Knies (Mignon Remé), ihrem Ehemann und Frontkämpfer Rudi Knies (Markus Voigt) und dem revolutionären Matrosen Kurt Bayersdorf (Oliver Hermann) ist der rote Faden für einen turbulenten Bilderbogen. Dabei verkörpern Michael Bideller und Erik Schäffler mehrere Personen. Blitzschnell, auf offener Bühne, werden Rollen gewechselt. Groß projizierte Illustrationen, historische Fotos und musikalische Untermalung unterstützen die Darstellung wirkungsvoll.
Der Widerstand der Matrosen gegen den Befehl, den längst verlorenen Weltkrieg weiter zu führen, und das Versagen der militärischen Führung werden ebenso thematisiert wie die verzögerte Abdankung des Kaisers Wilhelm II. und das Entstehen der Dolchstoßlegende. Die Figur der Martha Knies symbolisiert die Leistungen und das Leiden der Frauen im Ersten Weltkrieg und ihre ersten Schritte der Emanzipation. Kritisch sieht das Hamburger Theaterteam den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert, weil es ihm vor allem um Stabilität ging. Anhand weniger aktionsgeladener Szenen, bei denen die Gewalt der Revolutionstage eher künstlerisch angedeutet als explizit ausgespielt wird, erleben die Zuschauer, wie die Spannungen in Berlin zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen führen.
Die Bundesarchiv-Erinnerungsstätte wird sich in den nächsten Wochen intensiv den Ereignissen von 1918/19 widmen. Nach einem Aktionstag am 11. November wird am 20. November die Ausstellung "Weimar - Die erste deutsche Demokratie" mit einem Vortrag von Dr. Irmgard Stamm zu den Arbeiter- und Soldatenräten in Rastatt und Baden eröffnet.