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Teilnehmerinnen und Teilnehmer der wissenschaftlichen Tagung „Staats-Sicherheiten im Sozialismus“ während einer Podiumsdiskussion

 Wissenschaftliche Tagung „Staats-Sicherheiten im Sozialismus“, Quelle: Bundesarchiv / Lesting

Meldung

Geheimpolizeien im Sozialismus: Forschungsergebnisse und Bilanz der Aufarbeitung im Stasi-Unterlagen-Archiv

„Staats-Sicherheiten im Sozialismus“ – zu diesem Thema fand vom 5. bis zum 8. Februar auf dem Campus für Demokratie eine wissenschaftliche Tagung des Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv statt: Historikerinnen und Historiker aus dem In- und Ausland diskutierten über Forschungsfragen zur Rolle von Geheimpolizeiapparaten im ehemaligen sowjetischen Herrschaftsbereich während des Kalten Krieges. Der Historiker und Experte für die Geschichte totalitärer Systeme Norman N. Naimark (Stanford University, USA) eröffnete die Tagung mit einem Vortrag zur Bedeutung der inneren Sicherheit in kommunistischen Regimen.

Die Tagung thematisierte das Verhältnis zwischen den kommunistischen Staatsparteien und den Geheimpolizeien. Das in der Öffentlichkeit verankerte Bild der Allmacht im „Stasi-Staat“ bedarf einer Korrektur: Bei der Verortung der Geheimpolizeien im politischen Gefüge der sozialistischen RegimeRegimeAuch Regimeverhältnisse. Gesamtheit der Verhältnisse und Lebensbedingungen eines Landes oder... zeigen sich gerade mit Blick auf die DDR-Staatssicherheit deutliche Unterschiede, beispielsweise zum KGB in der Sowjetunion. Auch die biografischen Erfahrungswelten der DDR-Staatssicherheitsminister sowie die Personalpolitik der Apparate allgemein spielten eine Rolle, was insbesondere für die stalinistische Sowjetunion facettenreich diskutiert wurde.

Umgekehrt zeigen die Forschungen, dass die Parteien den Geheimpolizeien breiten Raum bei der Ausgestaltung ihrer täglichen Arbeit ließen. Konzepte wie „Zersetzung“ und „ideologische Diversion“ gab es nicht nur in der DDR. Sie bedeuteten für viele Menschen Repression und Unterdrückung. Untersuchungen zur Inszenierung der Sicherheitsapparate in Deutschland und Ungarn zeigen, dass eben diese Erfahrungen das Bild der Stasi nach 1990 prägten.

Den Abschluss der Tagung markierte eine Diskussion zu „35 Jahre Aufarbeitung der Geschichte der Staatssicherheit“ mit Bundesarchivpräsident Michael Hollmann, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der Bundestiftung Aufarbeitung Markus Meckel, der Forschungsleiterin des Stasi-Unterlagen-Archivs Daniela Münkel und dem Journalisten Hans-Wilhelm Saure. Michael Hollmann unterstrich bei dieser Gelegenheit, dass die weitere Erforschung der Stasi ebenso wie die dauerhafte Konservierung und Zugänglichmachung der Stasi-Unterlagen zentrale Anliegen des Bundesarchivs sind und bleiben werden.

Die Beiträge der Tagung werden in einem Sammelband veröffentlicht, der 2026 erscheinen soll.