Das Bundesarchiv hat am 30. September 2025 in der NS-Zeit zu Unrecht beschlagnahmtes Bibliotheks- und Archivgut an das Institut für Sozialforschung (IfS) in Frankfurt (Main) zurückgegeben. Es enthält 1.200 Bände aus der Bibliothek der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO) sowie 572 Mappen aus dem Bestand RY 22 „Archiv des Instituts für Sozialforschung“ aus dem Archiv der SAPMO.
Seit mehreren Jahren werden im Referat StB 3 bzw. DDR 1 die Bibliotheksbestände der SAPMO systematisch auf NS-Raubgutgeprüft. Dabei wurde verfolgungsbedingt entzogenes Bibliotheksgut unterschiedlicher Herkunft ermittelt, u. a. aus Privatbibliotheken, aus Arbeiter-, Freidenker- und Freimaurerbibliotheken. Sofern möglich sollen die Bände an die Alteigentümer oder deren Nachfolger zurückgegeben werden. Der größte Teil der bisher identifizierten Bände stammt aus dem Institut für Sozialforschung. Bereits am 9. August 2022 und am 27. September 2023 übergab das Bundesarchiv dem IfS jeweils 1.000 Bände aus der alten Bibliothek des Frankfurter Instituts.
1933 schlossen die Nationalsozialisten das Institut für Sozialforschung, beschlagnahmten sein Eigentum und übereigneten die als staatsgefährdend eingestuften Publikationen seiner Bibliothek der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin. Diese arbeitete in den Jahren 1938 bis 1943 nur einen kleinen Teil davon in den eigenen Bestand ein.
1949 gelangten noch unbearbeitete Bände des IfS von der Staatsbibliothek an das neu gegründete Marx-Engels-Lenin-Institut (MELI), das spätere Institut für Marxismus-Leninismus. Dessen Bestände wurden 1993 in die SAPMO eingebracht. Vermutlich gelangten 1949 auch die Mappen aus dem Bestand RY 22 „Archiv für Sozialforschung“, die überwiegend Bibliotheksgut enthalten, in das MELI.
Die Arbeiten zur Ermittlung und Restitution von NS-Raubgut in der Bibliothek der SAPMO werden fortgesetzt.