Direkt zum Seiteninhalt springen
Podium zum Start der Online-Edition „Töne der Repression“, v.l.n.r.: Dr. Mark Laux, Dr. Ronald Funke, Prof. Dr. Daniela Münkel, Korbinian Frenzel (Moderator)

Quelle: BArch / Witzel

Meldung

„Töne der Repression“: Online-Audio-Edition macht DDR-Spionageprozesse hörbar

„Der Ton macht die Musik“ – diese Worte setzte Bundesarchiv-Präsident Michael Hollmann ins Zentrum seines Grußworts, als am 17. Juni 2026 in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin die „Töne der Repression“ vorgestellt und offiziell gelauncht wurden. Die neue Online-Audio-Edition des Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv macht systematisch Tonaufnahmen von Spionageprozessen der DDR über einen neu entwickelten Online-Audioplayer zugänglich.

Mit seinen Worten setzte Michael Hollmann gleichsam den Fokus auf den Kern des Projekts: Die Edition gibt nicht rein die Inhalte der Prozesse wider, sondern spiegelt über Töne auch Sprache, Tonfall und Dynamiken im Gerichtssaal. Dies öffnet neue Perspektiven auf die Inszenierung von Gerichtsprozessen und die Arbeit der Geheimdienste im Kalten Krieg.

Bei der von Korbinian Frenzel (Deutschlandfunk) moderierten Vorstellung des neuen Players durch Projektleiterin Daniela Münkel (Leiterin der Abteilung Vermittlung und Forschung im Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv) und ihr Projektteam, Mark Laux und Ronald Funke, wurde dies eindrücklich deutlich. Gemeinsam mit dem Publikum hörten sie in einen zum Editionsstart online gestellten Schauprozess aus dem Jahr 1955: das Verfahren gegen Wilhelm Lehmann und sechs weitere Angeklagte vor dem Obersten Gericht der DDR vom 9. bis 13. Juni 1955.

Die Tonaufnahmen des Prozesses machen die Unsicherheit in der Stimme des Angeklagten hörbar, den Druck, den der Vorsitzende auf ihn ausübt, die Art, wie er ihn unterbricht. Tonfall und Gesprächsführung offenbaren die Machtverhältnisse im Gerichtssaal.

Transkripte, Fotos von Beweismitteln aus den Prozessen und eine wissenschaftliche Kommentierung und Kontextualisierung ergänzen die digitalisierten Tonaufnahmen. Der Online-Audioplayer selbst ermöglicht das gezielte Navigieren durch die Tondokumente, die einfache Suche im Transkript und den Kommentaren sowie die Analyse von Sprechweisen und Verfahrensabläufen.

So verbindet die Online-Audio-Edition historische Tonaufnahmen mit Transkripten, Kommentaren und ausgewählten Prozessunterlagen, rückt damit einerseits in den Fokus, was Akten allein nicht zeigen können: Stimmen, Tonfall, Pausen, Reaktionen, und gibt gleichzeitig Kontextualisierung und Hintergrund zum Gehörten.

Zu finden sind die Online-Audio-Edition „Töne der Repression“ und der neue Audioplayer hier: