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Quelle: BArch / Nobel

Pressemitteilung

Bundesarchiv-Präsident sieht kulturelles Erbe im Kriegsgebiet bedroht

Hollmann: „Archive der Ukraine sind das kulturelle Gedächtnis des Landes“

Angesichts der Scheinreferenden in den von Russland besetzten Gebieten der Süd- und Ostukraine hat der Präsident des Bundesarchivs Michael Hollmann vor einer sich zuspitzenden Bedrohung des kulturellen Erbes gewarnt: "Gerade die Archive der Ukraine sind das kulturelle Gedächtnis des Landes. Sie erst machen Erinnerung und Identitätsbildung möglich. Sie müssen deshalb als Stützen eines souveränen und unabhängigen Landes geschützt und erhalten bleiben". Insbesondere wies Hollmann auf die Gefährdung für Archive hin, die sich mit dem Gedenken an Holocaust und jüdisches Leben beschäftigen. „Russland bringt im Zuge einer vorgeblichen Entnazifizierung in der Ukraine ausgerechnet Gedenkorte an den Holocaust in Gefahr. Das ist ein trauriges Beispiel dafür, wie Geschichte für Propagandazwecke missbraucht wird“, sagte Hollmann.

Das Bundesarchiv ist Kooperationspartner des Babyn Yar Holocaust Memorial Center (BYHMC). In der 2021 abgeschlossenen Kooperationsvereinbarung geht es vor allem um die Anfertigung und Weiternutzung digitaler Reproduktionen von Unterlagen des Bundesarchivs mit Bezug zum Holocaust auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Aktuell führt das BYHMC eine Spendenkampagne durch, um Mittel für die schnelle Digitalisierung von gefährdetem Archivgut insbesondere aus süd- und ostukrainischen Archiven einzuwerben, wiederum mit einem Schwerpunkt auf Unterlagen zur Geschichte jüdischen Lebens in der Region. Mehrere für den Holocaust-Gedenkort Babyn Yar vorgesehene Gebäude waren im Krieg stark beschädigt worden.

Hintergrund:
Das Bundesarchiv hilft seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine den Archiven vor Ort mit Geräten und Material, um die wertvollen Bestände im Kriegsgebiet sichern zu helfen und zu digitalisieren. Dazu gehören verschiedene Scanner und Unterstützung mit Partnern vor Ort für Installation und Betrieb, Verpackungsmaterial, Transportkisten und ein Notstromaggregat. So wurde unter anderem das Staatliche Archiv in Ivano-Frankivsk sowie das Staatliche Historische Archiv von Lviv unterstützt.

Nach Medienberichten waren in den vergangenen Monaten bereits ukrainische Archive durch russische Angriffe beschädigt oder zerstört worden, darunter auch das Staatsarchiv in Charkiw. Als Folge der Maidan-Revolution 2013 hatte die Ukraine viele staatliche Archive für die Nutzung von Bürgerinnen und Bürgern, Medien und Forschung geöffnet und damit unter anderem Akten des sowjetischen Geheimdienstes zugänglich gemacht.

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Kontakt zur Pressestelle

Elmar Kramer, Stellv. Pressesprecher

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Elmar Kramer

Telefon: 030 18 665-7181
E-Mail: elmar.kramer@bundesarchiv.de