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Cover der Publikation 'Die Stasi und Bremen'

Cover der Publikation „Die Stasi und Bremen“, Quelle: Bundesarchiv

Pressemitteilung

„Die Stasi und Bremen“

Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv präsentiert neues Dokumentenheft / Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen“  

Als „Wunder von der Weser“ ging das Spiel am 11. Oktober 1988 im Bremer Weserstadion in die Geschichte ein: Mit 5:0 schlug der SV Werder Bremen im Europacup der Landesmeister seinen Gegner BFC Dynamo, ein Verein, der in der DDR eine besondere Rolle spielte: Als Lieblingsclub von Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit (MfS), sollte der „Hauptstadtverein“ das sportliche Aushängeschild des DDR-Fußballs sein. Entsprechend erhielt er von dem MfS umfassende Förderung und galt als Stasi-Club. Diese und weitere Geschichten werden im neuen Dokumentenheft „Die Stasi und Bremen“ erzählt – mit vielen Schriftstücken, Fotos und Skizzen. Das Heft gehört zum Angebot des Bundesarchivs zum Tag der Deutschen Einheit, der am ersten Oktoberwochenende in Bremen begangen wird.

Fußballstadion wurde zum Hochsicherheitstrakt

Dass es sich bei Aufeinandertreffen von Vereinen aus West- und Ostdeutschland um keine normalen Fußballspiele handelte, zeigen Dokumente aus dem Stasi-Unterlagen-Archiv. Das Stadion wurde zum Hochsicherheitstrakt, Fans, Spieler sowie Journalisten gerieten ins Visier der DDR-Geheimpolizei. Akten, Einsatzpläne und Fotografien belegen, mit welchem Aufwand die Staatssicherheit diese Spiele absicherte, wie sie darüber entschied, wer den BFC Dynamo nach Bremen begleiten durfte und wie sie versuchte, Kontakte zu verhindern – häufig erfolglos.

IM „Werner“ berichtete über den Schiffsbau

Neben dem Fußballplatz wirft die Publikation auch einen Blick in die Bremer Häfen: Werften, Reedereien, Fischereibetriebe, Containerterminals, sie alle rückten in den Fokus der Stasi. Es ging um klassische Wirtschafts- und Technologiespionage, aber auch um die permanente Angst der Staatsführung, dass DDR-Bürgerinnen und -Bürger fliehen könnten. Die Berichte des inoffiziellen Mitarbeiters „Werner“ zeigen beispielsweise die intensiven Anstrengungen der Stasi, Informationen zu sammeln und zugleich den Abfluss von Wissen aus der DDR zu verhindern. Als Mitarbeiter einer der bedeutendsten Bremer Werften informierte „Werner“ die Stasi jahrelang ebenso über technische Details im westdeutschen Schiffbau wie auch über Menschen aus seinem Bekanntenkreis.

Am Beispiel der Forschungsstelle Osteuropa (FSO) erzählt das Dokumentenheft nach, wie das MfS versuchte, Forschungsinstitute in Westdeutschland zu überwachen. Vor allem mithilfe eines Informanten gelangte sie an Informationen: Der seit 1973 als Pressesprecher der Bremer Universität tätige Wolfgang Schmitz (1943–1988) übergab der Stasi vertrauliche Materialien über den Aufbau der FSO.

Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen“ in Bremen

Vom 24. September bis 2. November 2026 ist die Wanderausstellung „Alles Wissen wollen. Die Stasi und ihre Dokumente“ im Staatsarchiv Bremen zu sehen. Die Ausstellung stellt Objekte aus dem Archiv in den Mittelpunkt, über die sich die Geschichte der DDR-Geheimpolizei, ihre Methoden und die oftmals drastischen Folgen der Bespitzelung für die Betroffenen erschließen lassen.

Sieben Vitrinen zeigen Faksimiles von 21 Objekten aus den Beständen des Stasi-Unterlagen-Archivs. Dazu gehört ein großer, handgefertigter Buchstabe „A“ (wie Ausreise) aus Alufolie und Krepp-Papier aus der Gegenstandsablage der Stasi. Ein Ehepaar hatte ihn 1985 ins Fenster seiner Wohnung gehängt, um den Wunsch zur Ausreise öffentlich zu dokumentieren – und musste deshalb in Untersuchungshaft. Gezeigt wird auch ein Stasi-Observationsfoto aus Berlin 1986: Zu erkennen ist einer der Beteiligten des Attentats auf die West-Berliner Diskothek „La Belle“ beim Betreten der libyschen Botschaft in Ost-Berlin.

Die Ausstellung ist als vor Ort- und zugleich Online-Ausstellung konzipiert: Auf den Vitrinen finden sich neben Kurztexten QR-Codes, die zur Website www.alles-wissen-wollen.de führen. Hier finden die Besucherinnen und Besucher Hintergrundinformationen mit insgesamt knapp 400 Dokumenten, Fotos, Audios und Filmen.

Podium am Einheitswochenende

Begleitend zur Ausstellung findet am Einheitswochenende ein Podiumsgespräch am Freitag, 2. Oktober 2026, um 17:30 Uhr im Staatsarchiv Bremen statt. Elisabeth Kaiser (Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland – angefragt), Andreas Mackeben (Vertreter des Kulturressorts Bremen) und Daniela Münkel (Abteilungsleiterin Vermittlung und Forschung im Stasi-Unterlagen-Archiv) eröffnen den Abend mit Grußworten. Anschließend sprechen Daniela Münkel, Evelyn Zupke (SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag) und Thomas Köcher (Leiter Landeszentrale für Politische Bildung Bremen)  über die Bedeutung der Stasi-Unterlagen für das heutige Verständnis unserer demokratischen Gesellschaft. Brigitta Nimz (Kommissarische Archivleiterin Staatsarchiv Bremen) moderiert. Es gibt an diesem Tag von 10 bis 19 Uhr die Möglichkeit, vor Ort einen Antrag auf Einsicht in Stasi-Akten zu stellen. Ein Mitarbeiter des Bundesarchivs – Stasi-Unterlagen-Archivs unterstützt dabei.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Es wird um Anmeldung unter information@staatsarchiv.bremen.de gebeten.

Die Ausstellung ist vom 24. September bis 2. November 2026 im Staatsarchiv Bremen, Am Staatsarchiv 1, 28203 Bremen zu sehen. Sie ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und am Freitag von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeiten gibt es am 2. Oktober 2026 von 9 bis 19 Uhr und am 3. Oktober 2026 von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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Elmar Kramer, Stellv. Pressesprecher

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