Vor 50 Jahren wurde das Revolutionsmuseum Rastatt ins Leben gerufen. Mit einem „Demokratischen Bankett“ im historischen Residenzschloss erinnert die „Bundesarchiv-Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte“ am 23. Juli an seine Gründung 1974, die vom damaligen Bundespräsidenten Gustav W. Heinemann angeregt wurde. Heinemann wollte einen nationalen Gedächtnisort für das demokratische Erbe in Deutschland schaffen und dabei die Revolution von 1848/49 als eine der zentralen Demokratiebewegungen in Deutschland herausstellen. Die daraufhin gegründete Erinnerungsstätte wurde in die Obhut des Bundesarchivs gegeben.
An dem Demokratischen Bankett werden neben Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Kultur auch Schülerinnen und Schüler, Geschichtsvermittelnde und Mitglieder des Fördervereins der Erinnerungsstätte teilnehmen. Die Festrede hält der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth. Zudem spricht der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz. Das musikalische Programm gestaltet Sebastian Krumbiegel, Sänger der „Prinzen“.
Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, sagt: „Rastatt ist heute einer der wichtigsten Erinnerungs- und Lernorte für die Geschichte der Revolution von 1848/49. Der Fall der Festung Rastatt markiert das Scheitern der Revolution und der mit ihr verbundenen Verfassungs- und Einigungsbewegung. Trotz dieser Niederlage blieben die Ideen von 1848 aber lebendig und wirkmächtig. Nach der grausamen Erfahrung zweier Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft boten sie genau 100 Jahre später das gedankliche Fundament für den staatlichen Neuanfang von 1949.“
Am 23. Juli 1849, also vor 175 Jahren, kapitulierten in Rastatt die Freiheitskämpfer vor preußischen Truppen. Zuvor hatten sich badische Soldaten in einem Aufstand der Revolution angeschlossen und sich zu der von der Frankfurter Nationalversammlung beschlossenen gesamtdeutschen Verfassung bekannt. Von Rastatt aus griff der Aufstand zunächst auf ganz Baden über. Der badische Großherzog floh außer Landes und rief preußische Truppen zur Hilfe. Als diese in Baden einmarschierten, wurde die Festung Rastatt zur letzten Bastion der Freiheitskämpfer. Nach der Kapitulation am 23. Juli 1849 standen viele von ihnen im Ahnensaal des Schlosses vor einem preußischen Standgericht. 19 Revolutionäre wurden in Rastatt hingerichtet.
An diesem historischen Ort präsentiert das Revolutionsmuseum Rastatt in 14 Räumen auf 1.250 Quadratmetern Fläche Zeugnisse der Revolution von 1848/49, nimmt aber auch weitere Freiheitsbewegungen der deutschen Geschichte in den Blick. Das Museum wird jährlich von etwa 10.000 Gästen besucht. Schulklassen erhalten kostenfrei pädagogische Materialien, können Thementage zu Meinungsfreiheit durchführen oder die Abläufe parlamentarischer Arbeit kennenlernen. Zu den zahlreichen Exponaten aus zwei Jahrhunderten gehören unter anderem der Kabinettstisch der provisorischen Regierung von 1848/49, der Abschiedsbrief des am 9. November 1848 in Wien erschossenen Paulskirchenabgeordneten Robert Blum und das berühmte Gemälde „Tanz um den Freiheitsbaum“, eine Bildikone für die Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhundert.
Die Erinnerungsstätte versteht sich als ein Forum für historisch-politische Bildung sowie als außerschulischer Lernort, der dazu beitragen möchte, jungen Menschen die Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu vermitteln. Sie begeht das Jubiläum mit einer Vielzahl besonderer Aktivitäten: So organisiert sie eine Vortragsreihe und ist als Gründungsmitglied des Netzwerkes „175 Jahre Revolution 1848/49“ Mitveranstalterin zahlreicher Tagungen in ganz Deutschland.
Service für Medien:
Für Medienvertreterinnen und -vertreter besteht die Möglichkeit der Teilnahme und Berichterstattung über das Demokratische Bankett am 23.7.2024 ab 18 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten unter erinnerung@bundesarchiv.de oder Tel. 030-18665-1133
Für Interviews zum Jubiläum bzw. zum 175. Jahrestag der Niederschlagung des Soldatenaufstandes steht die Leiterin der Erinnerungsstätte Elisabeth Thalhofer zur Verfügung. Anfragen über presse@bundesarchiv.de
Weitere Informationen:
Zu unserer Geschichtsgalerie „Schlaglichter einer Revolution“