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Übergabe des Zweiten Tätigkeitsberichts des Bundesarchivs am 26. November 2025; von links nach rechts: Michael Hollmann, Alexandra Titze, Julia Klöckner und Wolfram Weimer

Übergabe des Zweiten Tätigkeitsberichts des Bundesarchivs am 26. November 2025; von links nach rechts: Michael Hollmann, Alexandra Titze, Julia Klöckner und Wolfram Weimer, Quelle: Deutscher Bundestag / Sebastian Rau / photothek

Pressemitteilung

Tätigkeitsbericht an Deutschen Bundestag übergeben

Hollmann: „Aufarbeitung von SED-Diktatur und Stasi-Terror weiter stärken“

Bundesarchiv-Präsident Michael Hollmann hat heute gemeinsam mit dem Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, und Bundesarchiv-Vizepräsidentin Alexandra Titze den zweiten Tätigkeitsbericht des Bundesarchivs über die Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner überreicht. Er umfasst den Zeitraum der vergangenen zwei Jahre. Seit Sommer 2021 gehört das Stasi-Unterlagen-Archiv zum Bundesarchiv. Damit wurden die Stasi-Unterlagen zu Archivgut des Bundes und sind als kulturelles Erbe Deutschlands dauerhaft gesichert.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer: „Der Tätigkeitsbericht zeigt, dass der Transformationsprozess des Stasi-Unterlagen-Archivs in das Bundesarchiv gut voranschreitet. Und er macht deutlich: Auch über 35 Jahre nach dem Ende des SED-Regimes bleibt das Interesse an den Stasi-Unterlagen auf hohem Niveau. Der Bericht demonstriert einmal mehr, wie wichtig es ist, diese Unterlagen weiterhin zugänglich zu machen – zuvorderst für die vom Unrecht Betroffenen und ihre Angehörigen, aber auch für die Wissenschaft, Justiz und nicht zuletzt die Öffentlichkeit. Es ist klar: Wir dürfen in unseren Anstrengungen bei der Aufarbeitung des SED-Unrechts und der Erinnerung daran nicht nachlassen.“

„Dass mutige Bürgerinnen und Bürger es 1989/90 geschafft haben, die Unterlagen der SED-Geheimpolizei zu sichern, war eines der wichtigsten Ergebnisse der Friedlichen Revolution“, sagte Bundesarchiv-Präsident Michael Hollmann. „Umso wichtiger ist es, dass wir die Aufarbeitung von SED-Diktatur und Stasi-Terror weiter stärken, damit zigtausendfache Einzelschicksale aufgearbeitet und Opfer der SED-Diktatur rehabilitiert und entschädigt werden können. Deshalb erfüllt mich mit Sorge, dass unsere finanzielle Ausstattung nicht Schritt hält mit den gewachsenen Pflichtaufgaben und den immer höheren Erwartungen“, sagte Hollmann. „In unserer prekären Haushaltslage  freut es mich besonders, dass der Deutsche Bundestag die wichtige Arbeit würdigt: Er stellt dem Bundesarchiv, und damit auch dem Stasi-Unterlagen-Archiv, für 2026 zusätzlich knapp 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Damit können wir den Einsatz von KI, die Digitalisierung von Stasi-Unterlagen und unseren Digitalen Lesesaal weiter voranbringen.“

Vizepräsidentin Alexandra Titze erklärte: „Wir wollen weiter dazu beitragen, die Erinnerung an die Friedliche Revolution wachzuhalten, den Menschen Zugang zu Stasi-Unterlagen zu ermöglichen und auch Angebote für die jüngeren Generationen zu machen. Dazu gehörten zuletzt zum Beispiel das erfolgreiche Campus-Kino in Berlin und besondere Veranstaltungen in den Regionen wie etwa in der Kulturhauptstadt Chemnitz oder zu den Tagen der Deutschen Einheit. Auch international sind wir weiter ein gefragter Ansprechpartner.“

Knapp 2,2 Millionen Euro mehr in 2026 für das Bundesarchiv

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte in seiner Bereinigungssitzung am 13. November die Entscheidung über zusätzliches Geld für das Bundesarchiv in 2026 getroffen. Die insgesamt knapp 2,2 Millionen Euro fließen in verschiedene Bereiche: Für die Digitalisierung von Stasi-Unterlagen, insbesondere der Karteien, sind dies 420.000 Euro. Weitere Finanzmittel dienen Querschnittsaufgaben und kommen auch der Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs zugute: für die Verbesserung der IT-Speicherinfrastruktur 500.000 Euro, für den Digitalen Lesesaal 750.000 Euro und für die KI-Unterstützung von Rechercheprozessen 500.000 Euro.

Digitalisierung von Archivgut

Arbeitsschwerpunkte des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv lagen im Berichtszeitraum 2023 bis 2025 in der Archivarbeit weiterhin bei der Erschließung der Unterlagen, um sie für Recherchen zur Verfügung stellen zu können. Das Interesse von Bürgerinnen und Bürgern, Forschung, Medien und Institutionen ist weiter hoch. Zunehmend arbeiten auch jüngere Menschen ihre Familiengeschichte auf. Eine wichtige Rolle spielen nach wie vor Ersuchen zur Rehabilitierung von Betroffenen und zur Wiedergutmachung erlittenen Unrechts. Die Möglichkeiten digitaler Antragstellung und Herausgabe von Unterlagen sowie des digitalen Arbeitens haben sich etabliert.

Das Bundesarchiv hat die Digitalisierung der Stasi-Unterlagen fortgesetzt. Sie ist wichtig für die Bestandserhaltung und den schnelleren Zugang zu Unterlagen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Stasi-Kartei mit Klarnamen in Berlin mit mehr als fünf Millionen Karten ist ein Projekt zur KI-gestützten Karteikartenerkennung verbunden. Damit sollen Recherchen  perspektivisch beschleunigt werden können.

Bildungsangebote, Ausstellungen, Publikationen, Veranstaltungen

Die historisch-politische Bildungsarbeit erfuhr einen deutlichen Ausbau und wurde um neue Zielgruppen verschiedenen Alters erweitert. Auch die Online-Angebote für Schulen wurden systematisch weiterentwickelt. Zahlreiche Veranstaltungen, darunter auch neue Formate, in Berlin und in den 13 Außenstellen haben die Standorte des Stasi-Unterlagen-Archivs als lebendige Vermittlungsorte gestärkt.

Die im April 2024 eröffnete hybride Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen“ sowie Publikationen tragen dazu bei, Wissen über die Stasi zu vermitteln. Es wurden Forschungsprojekte zum Abschluss gebracht und neue Editionsprojekte begonnen. Anfang Februar 2025 diskutierten internationale Historikerinnen und Historiker über Forschungsfragen zur Rolle von Geheimpolizeiapparaten im sowjetischen Herrschaftsbereich während des Kalten Krieges.

Kontakt zur Pressestelle

Elmar Kramer, Stellv. Pressesprecher

Pressesprecher

Elmar Kramer

Telefon: 030 18 665-7181
E-Mail: elmar.kramer@bundesarchiv.de