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Eine Glasvitrine, in der sich ein aus Alufolie und Krepppapier gebasteltes „A“ sowie ein Dokument befinden.

Einblick in die Wanderausstellung, Quelle: Bundesarchiv / Witzel

Pressemitteilung

Von Fluchten mit Schlauchboot und Surfbrett

Tag der Deutschen Einheit in Schwerin: Ausstellungseröffnung, Beratungsangebote, Vorträge und ein Quiz

Mit einer Ausstellung, Beratungsangeboten und Podiumsgesprächen nimmt das Bundesarchiv an den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Schwerin teil. Unter dem Motto „Vereint Segel setzen“ wird dort rund um den 3. Oktober an 34 Jahre Deutsche Einheit erinnert und eine demokratische und vielfältige Gesellschaft gefeiert. Beim Bundesarchiv spielen Geschichten aus Stasi-Unterlagen aus der Region eine wichtige Rolle.

Den Auftakt macht am Dienstag, 1. Oktober, die Eröffnung der Wanderausstellung des Bundesarchivs – Stasi-Unterlagen-Archivs, „Alles Wissen Wollen. Die Stasi und ihre Dokumente“ mit einem Podiumsgespräch, an dem der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Christian Pegel, Bundesarchiv-Präsident Michael Hollmann und Daniela Münkel, Leiterin der Forschung im Stasi-Unterlagen-Archiv, teilnehmen. Die Ausstellung ist bis zum 11. Oktober 2024 im Foyer des Ministeriums für Inneres, Bau und Digitalisierung im Arsenal am Pfaffenteich zu sehen.

Mit einem Stand ist das Bundesarchiv vom 1. bis 4. Oktober auf dem Bürgerfest an der Graf-Schack-Allee vertreten. Gezeigt wird hier das Original-Schlauchboot der Flucht des DDR-Bürgers Bertram Kaden nach Schweden. Besucherinnen und Besucher können verschiedene Beratungsangebote wahrnehmen. So erfahren sie, wie sich im Bundesarchiv Unterlagen zur Personen- und Familienforschung zu verschiedenen Epochen recherchieren lassen oder wie sie einen Antrag auf Einsicht in Stasi-Unterlagen stellen können. Zudem gehören Vorträge, Diskussionsrunden und ein Quiz zum Programm. In einer Schreibwerkstatt kann das Lesen und Schreiben von Sütterlinschrift erlernt werden.

Am Mittwoch, 2. Oktober, 11:20 Uhr, ist das Jahr der friedlichen Revolution 1989 Thema eines Podiumsgesprächs im Schloss-Innenhof. Forschungsleiterin Daniela Münkel spricht mit dem Zeitzeugen Martin Klähn, Erstunterzeichner des Gründungaufrufes „Aufbruch '89 – Neues Forum“. Um die Flucht mit dem Schlauchboot geht es in einem Zeitzeugengespräch mit Bertram Kaden am Donnerstag, 3. Oktober, 11.15 Uhr, auf der Bühne im Schloss-Innenhof. Kaden und zwei Freunde entkamen im Juli 1980 gemeinsam von Rügen aus nach Schweden.

Hintergrund

Regionale Beispiele aus der Ausstellung „Alles Wissen Wollen. Die Stasi und ihre Dokumente“:

Eine Flucht und Hinrichtungen:

Der Fall des Ehepaars Krüger aus Schwerin wird mithilfe eines sogenannten Laufzettels für das Notaufnahmeverfahren im Lager Berlin-Marienfelde vorgestellt. Dieser gehört zu Susanne Krüger, ehemalige Stasi-Mitarbeiterin im Bezirk Schwerin, die 1953 zusammen mit ihrem Mann Bruno, der ebenfalls in Schwerin für die Stasi tätig gewesen war, nach West-Berlin geflüchtet war. Beide machten gegenüber westlichen Geheimdiensten Aussagen über die Arbeit der Stasi. Die DDR-Geheimpolizei verfolgte das Ehepaar und verschleppte es schließlich nach Ost-Berlin. Dort wurden beide inhaftiert und am 14. September 1955 als „Verräter“ hingerichtet.

Mehr dazu, Dokumente und Fotos:
https://www.alles-wissen-wollen.de/21-notaufnahmelager/

Ein „A“ und seine Konsequenzen:

Familie Mohn aus Schwerin hängte im November 1986 ein selbstgebasteltes „A“ aus Alufolie und Krepp-Papier ins Fenster ihrer Wohnung und machte damit ihren Wunsch öffentlich, aus der DDR auszureisen. Bereits im Herbst 1985 war das Paar durch einen Ausreiseantrag ins Visier der Stasi geraten. Nun führte die öffentliche Zurschaustellung des Ausreisewunsches zu Untersuchungshaft und anschließender Verurteilung durch das Kreisgericht Schwerin wegen „Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit“.

Mehr dazu, Dokumente und Fotos:
https://www.alles-wissen-wollen.de/05-ausreisebewegung/#c49680

Weitere regionale Geschichten (zu sehen im Zelt des Bundesarchivs):

Neben dem Schlauchboot, mit dem Bertram Kaden 1980 aus der DDR floh, befinden sich im Zelt des Bundesarchivs auch Surfbretter, die zur Flucht in den Westen genutzt wurden. Mit ihnen flohen Karsten Klünder und Dirk Deckert über die Ostsee aus der DDR. 70 Kilometer auf offener See legten die beiden Freunde am 25. November 1986 zurück: von Suhrendorf auf Rügen bis zur dänischen Insel Møn. Obwohl sie bereits zu Beginn ihres Fluchtversuchs voneinander getrennt wurden, schafften es beide in den Westen. Die Stasi hingegen erfuhr erst aus westlichen Medien davon.

Bürgerfest: Zelt des Bundesarchivs mit verschiedenen Angeboten
Datum: 1. bis 4. Oktober 2024
Ort: Einheitsmeile, Graf-Schack-Allee

Wanderausstellung: „Alles Wissen Wollen. Die Stasi und ihre Dokumente“
Datum: 30. September bis 11. Oktober 2024
Ort: Ministerium für Inneres, Bau und Digitalisierung, Arsenal am Pfaffenteich, Alexandrinenstr. 1, 19055 Schwerin, Montag bis Freitag 10 bis 14 Uhr, 3. Oktober 10 bis 18 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Service für Redaktionen:

Fototermin: Die Eröffnung der Ausstellung am 1. Oktober, 14 Uhr, ist presseöffentlich. Es bestehen Interviewmöglichkeiten vor Ort.

Das vollständige Programm und detaillierte Informationen:
https://www.bundesarchiv.de/tag-der-deutschen-einheit

Informationen, Dokumente und Fotos zur Ausstellung:
https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/vor-ort-entdecken/ausstellungen/wanderausstellung-alles-wissen-wollen/

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Kontakt zur Pressestelle

Elmar Kramer, Stellv. Pressesprecher

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Elmar Kramer

Telefon: 030 18 665-7181
E-Mail: elmar.kramer@bundesarchiv.de