Direkt zum Seiteninhalt springen
Mehrere Reihen angetretener Soldaten der Landstreitkräfte der NVA applaudieren anlässlich eines Truppenbesuchs von Erich Honecker im Juni 1984. Im Hintergrund stehen mehrere Reihen gepanzerter Fahrzeuge und Hubschrauber.

Zusammenkunft aller Waffengattungen zum Abschluss des Truppenbesuchs von Erich Honecker, 1984, Quelle: BArch, Bild 183-1984-0621-046 / Mittelstädt, Rainer

Der Blick der Berufssoldaten der NVA auf die Deutsche Einheit

Im März 1990 legte das Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr einen Auswertungsbericht zur Stimmungslage und zu den Meinungsbildern im Offiziers- und Unteroffizierskorps der Nationalen Volksarmee (NVA) vor. Der Bericht ist eine Momentaufnahme vom Innenleben der Zeit- und Berufssoldaten der ostdeutschen Streitkräfte.

Das zehnseitige Dokument fasst thesenartig die Erkenntnisse der Bundeswehr zusammen, die sie auch unter Zuhilfenahme nachrichtendienstlicher Methoden gewonnen hatte. Zum Entstehungszeitpunkt des Berichts bestand die DDR noch als souveräner Staat. Die Beschaffung von Informationen über das Innenleben der ostdeutschen Streitkräfte durch die Armee eines anderen Staates konnte nicht direkt und offen erfolgen.

Das Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (1956–2002) hatte die Aufgabe, die militärische und politische Lage anderer Staaten und fremder Streitkräfte zu beobachten und zu analysieren. Die Informationen bezog das Amt vor allem vom Bundesnachrichtendienst, vom Auswärtigen Amt sowie von den vor Ort tätigen Militärattachés.

„Momentan jedenfalls spiegeln die wiedergegebenen Meinungen auch Vorbehalte wider, die sich von Klischees des gescheiterten ‚real existierenden Sozialismus‘ offenbar nur schwer lösen können. Der Meinungsbildungsprozeß in der DDR und besonders in der NVA wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.“

G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 2/90, S. 10

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 2)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 3)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 4)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 5)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 6)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 7)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 8)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 9)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit den Hinweisen „VS-Vertraulich“ und „VS-Einstufung aufgehoben“
    Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: G2/A2-Kurzinformation Ost Nr. 02/90 – Die deutsche Einigung aus der Sicht der Berufssoldaten der NVA (Stand März 1990) (Seite 10)

Das vorliegende Dokument stammt aus Archivgut mit der Signatur BArch, BW 40/573. In der Akte ist nur dieses eine Dokument abgelegt, obgleich es Teil eines größeren Berichtswesens ist: Die sogenannten „G2/A2-Kurzinformationen Ost“ informierten die Stellen der Bundeswehr regelmäßig über Zustand und Kampfkraft der Streitkräfte der DDR und der anderen Warschauer-Pakt-Staaten.

Historischer Hintergrund

Die NVA hatte das Ende der SED-Herrschaft 1989/90 weitgehend passiv, abwartend begleitet. Es ist das historische Verdienst aller Führungsebenen der ostdeutschen Streitkräfte, dass von ihnen kein Anlass zu einer möglichen gewaltsamen Eskalation der Ereignisse im Herbst 1989 ausging. Die Streitkräfte der DDR blieben trotz aller beginnenden Umbrüche und Veränderungen als Organisation intakt und erfüllten die ihnen zugewiesenen Aufgaben.

Diese Rolle der NVA in der Schlussphase der DDR war nicht selbstverständlich. Denn von Beginn an waren die ostdeutschen Streitkräfte auch eine tragende Säule bei der Sicherung der SED-Diktatur nach innen. Folglich wies insbesondere das Offizierskorps der NVA hinsichtlich Personalauswahl und Weltanschauung eine besondere Nähe zur Staatspartei auf.

Vor dem Hintergrund einer sich abzeichnenden Deutschen Einheit sprachen deshalb viele Gründe dafür, dass sich die Bundeswehr eine breitere Wissensbasis über den ehemaligen Gegner und die möglicherweise zukünftigen Kameraden verschaffte.