Die Not der „Schüttler“
Vier Jahre Krieg und dessen Folgen hatten bei der Bevölkerung zu großen Notsituationen geführt. Auch 1,5 Millionen Kriegsversehrte mussten versorgt und möglichst wieder in das Wirtschaftsleben integriert werden.

Kriegsheimkehrer, Quelle: BArch, Plak 002-006-073 / Grafiker: Oppenheim, Louis
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Nach Ende der Kriegshandlungen kehrten ab November 1918 Ströme von Soldaten als Kriegsheimkehrer nach Deutschland zurück. Die Demobilmachung und Wiedereingliederung der ca. 8 Millionen Soldaten in ein ziviles Arbeitsleben war eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Regierung. Gleichzeitig musste auch die Versorgung der Kriegsinvaliden und der Hinterbliebenen von Gefallenen geregelt werden. Im Winter 1918/19 herrschte vor allem in den Städten eine große Hungersnot, da die Lebensmittelversorgung innerhalb des Deutschen Reiches nur noch unzureichend war. Lebensmittelimporte wurden von den alliierten Mächten jedoch erst wieder ab Mitte März 1919 erlaubt.
Der hier abgebildete Spendenaufruf zu Gunsten der heimkehrenden Soldaten war vom Stadtkommandanten von Berlin Otto Wels, vom Vorsitzenden der Freiwilligen Wirtschaftshilfe des Soldatenrats Otto Vollbehr sowie von den Vertretern bzw. Ministern des preußischen Ministeriums des Innern Paul Hirsch und Rudolf Breitscheid unterzeichnet worden. Er macht das Ausmaß der Notsituation und die Haltung der Politik dazu deutlich: Staatliche Institutionen sahen sich offensichtlich nicht in der Lage, ihren Versorgungsaufgaben nachzukommen, und baten die ebenfalls unter den Kriegsfolgen leidende Zivilbevölkerung um Mithilfe.
Das Plakat ist für die Schülerinnen und Schüler durch die klare Trennung zwischen den Bild- und Textelementen selbsttätig und mit Blick auf die Intention rasch zu erschließen. Wichtiger ist es daher, die Lerngruppe mit der ungeregelten Situation der heimkehrenden Soldaten vertraut zu machen und die Perspektiven der ehemaligen Soldaten aufzuzeigen. Hier lassen sich didaktisch wertvolle Verbindungen herstellen, z. B. zu dem sich radikalisierenden Teil von ehemaligen Soldaten, die sich in den Freikorps zusammenfanden. Auch ein Verweis auf den Umgang mit den Kriegsversehrten ist in diesem Kontext wichtig, da dieser Aspekt gerade in Kunst und Literatur häufig aufgegriffen wurde.