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Trauerfeier für Wilhelm Gustloff in Schwerin im Februar 1936

Trauerfeier für Wilhelm Gustloff in Schwerin im Februar 1936, Quelle: BArch, Bild 183-2009-0430-501 / o. Ang.

Die Ermordung Wilhelm Gustloffs

Der jüdische Student David Frankfurter erschoss am 4. Februar 1936 in Davos in der Schweiz den NSDAP-Landesgruppenleiter Wilhelm Gustloff. Das nationalsozialistische Regime nutzte den Mord für antisemitische Propaganda. Gleichzeitig befürchtete es Ausschreitungen, die das friedliche Bild der in zwei Tagen beginnenden Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen stören könnten.

  • Anordnung von Rudolf Heß zur Verhütung von Ausschreitungen aus Anlass der Ermordung von Wilhelm Gustloff
    Anordnung von Rudolf Heß zur Verhütung von Ausschreitungen aus Anlass der Ermordung Wilhelm Gustloffs vom 5. Februar 1936
  • Anordnung von Rudolf Heß zur Verhütung von Ausschreitungen aus Anlass der Ermordung von Wilhelm Gustloff
    Anordnung von Rudolf Heß zur Verhütung von Ausschreitungen aus Anlass der Ermordung Wilhelm Gustloffs vom 5. Februar 1936
  • Wilhelm Gustloff im Physikalisch-Meteorologischen Institut zu Davos (1928/1933 ca.)
    Wilhelm Gustloff (rechts) im Physikalisch-Meteorologischen Institut zu Davos (1928/1933 ca.)
  • Trauerfeier für Wilhelm Gustloff in Schwerin im Februar 1936
    Trauerfeier für Wilhelm Gustloff in Schwerin im Februar 1936

Informationen zum Dokument

Am 4. Februar 1936 erschoss der jüdische Student David Frankfurter den Leiter der Landesgruppe Schweiz der NSDAP, Wilhelm Gustloff, in dessen Wohnung in Davos. Frankfurter erklärte nach seiner Festnahme, er habe aus Protest gegen die antisemitische Politik des Deutschen Reichs gehandelt.

Die NS-Führung nutzte den Mord einerseits für ihre Propaganda und schürte weitere judenfeindliche Ressentiments. Gleichzeitig sah sie eine unkontrollierte antisemitische Stimmung als Gefahr für die zwei Tage später beginnenden Olympischen Winterspiele. Denn die Nationalsozialisten planten, die Spiele in Garmisch-Partenkirchen als „Friedensfest“ zu inszenieren. Daher gab Reichsminister Rudolf Heß am 5. Februar 1936 einen Runderlass an alle Gauleitungen heraus. Diese sollten dafür Sorge tragen, dass „Einzelaktionen gegen Juden aus Anlass der Ermordung […] Gustloffs in Davos unbedingt“ vermieden würden.

Frankfurter wurde im Dezember 1936 zu 18 Monaten Haft und lebenslanger Landesverweisung aus der Schweiz verurteilt. Die nationalsozialistische Propaganda erhob Wilhelm Gustloff posthum zum „Märtyrer“: Der Rundfunk übertrug die Trauerfeier in Schwerin live. Dieser wohnten 35.000 NSDAP-, SA-, und SS-Mitglieder bei. Zudem wurde nach Gustloff noch im selben Jahr ein Fahrgastschiff der Deutschen Arbeitsfront (DAF) benannt.

Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie

1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.

  • Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen in Anwesenheit von Adolf Hitler
    Themenseite

    Olympia 1936 im nationalsozialistischen Deutschland

    1936 fanden die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland statt – und damit das größte Sportereignis der Welt. Die Nationalsozialisten nutzten es für ihre Propaganda. Zum 90. Jahrestag der Spiele präsentiert das Bundesarchiv Archivalien aus dem Olympiajahr 1936.