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Vorlauf des 200m-Rennens bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin. Rechts: Jesse Owens

Vorlauf des 200m-Rennens bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin. Rechts: Jesse Owens, Quelle: BArch, Bild 183-H29458 / o. Ang.

Protestbrief an Jesse Owens während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin

Am 3. August 1936 zog ein Postamt in Berlin-Charlottenburg einen Brief aus England ein. Der Brief war an Jesse Owens gerichtet, einen US-amerikanischen Leichtathleten und Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1936. In dem Brief forderte eine Person namens „J. M. Loraine“ ihn auf, seine Medaille im Falle eines Olympiasieges aus Protest gegen den „Rassenhass“ in Deutschland abzulehnen.

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  • Maschinengeschriebenes Dokument
    Notitz zu einem Brief einer Person namens „J. M. Loraine“ an Jesse Owens. Darin forderte sie Owens auf, eine mögliche Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin abzulehnen

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Während der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin gelangte eine Notiz zu einem Brief in die Akten des Reichssicherheitshauptamts. Dieser Brief war an den US-amerikanischen Leichtathleten Jesse Owens adressiert. Der Brief war am 3. August 1936 in Southampton im Vereinigten Königreich aufgegeben worden, schließlich beim „Postamt/Charlottenburg 2“ in Berlin angekommen und einbehalten worden. Der Luftpostbrief war sowohl in englischer als auch in französischer Sprache verfasst und mit dem Namen „J. M. Loraine“ unterschrieben worden. Der eigentliche Brief ist in den Akten des Reichssicherheitshauptamts nicht enthalten.

„J. M. Loraine“ forderte Owens in dem Brief auf, im Falle eines Olympiasieges die Goldmedaille abzulehnen. Owens hatte aufgrund der Diskriminierung und Verfolgung von schwarzen und jüdischen Sportlerinnen und Sportlern in Deutschland gezögert, überhaupt an den Spielen in Berlin teilzunehmen. Nachdem er sich aber zu einer Teilnahme entschieden hatte, erreichten Owens Zuschriften, die ihn zu Protestaktionen während der Spiele in Berlin aufforderten. Die vorliegende Notiz ist ein Beispiel dafür.

Der Autor oder die Autorin des Briefes hatte Owens sogar Worte vorformuliert, die er bei der Ablehnung seiner Medaille entgegnen konnte.

„Es war mir eine Ehre, meine Nation hier zu vertreten und eine Freude, mich mit den Besten der Läufer zu messen. Den Preis aber Ihrer den Rassenhass predigenden Regierung muss ich mit Verachtung ablehnen.“

Auf Deutsch übersetzte Worte aus einem an Jesse Owens gerichteten Briefes, die er bei der Ablehnung einer möglichen Olympia-Medaille sagen sollte
Quelle: BArch, R 58/2320, Image 0103

Owens gewann am späten Nachmittag des 3. Augusts 1936 seine erste von vier Goldmedaillen. Beim 100-Meter-Lauf war er im Vorlauf einen olympischen Rekord gelaufen. Die Olympiasiege des schwarzen Sportlers aus Ohio waren den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Der Grund: Eigentlich sollten (gemäß der nationalsozialistischen Ideologie) die Erfolge weißer Sportlerinnen und Sportler die Überlegenheit der „arischen Rasse“ demonstrieren.

Neben der Goldmedaille im 100-Meter-Lauf holte Jesse Owens in Berlin auch Gold in den Disziplinen Weitsprung, 200-Meter-Lauf und 4×100 m-Lauf. Protestaktionen führte Owens dabei jedoch nicht aus.

Ein Filmbericht der Bavaria-Wochenschau zeigt den 100-Meter-Lauf der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin mit der anschließenden Siegerehrung. Der Filmausschnitt ist im Digitalen Lesesaal verfügbar.

Siegerehrung im Weitsprung bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Auf dem Podest (von links nach rechts): Naoto Tajima, Jesse Owens, Carl Ludwig "Luz" Long. Im Hintergrund Theodor Lewald (links neben Tajima)
Siegerehrung im Weitsprung bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Auf dem Podest (von links nach rechts): Naoto Tajima, Jesse Owens, Carl Ludwig "Luz" Long. Im Hintergrund Theodor Lewald (links neben Tajima)Quelle: BArch, Bild 183-G00630 / Hoffmann, Heinrich

Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie

1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.

Themenseite zum Olympiajahr 1936

  • Siegerehrung im modernen Fünfkampf bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
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    Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie

    Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.