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Vorlage an Walter Tießler, Amtsleiter in der Partei-Kanzlei, zum Ausschluss des Eishockeyspielers und Olympioniken von 1936 Rudi Ball aus dem Berliner Sportbetrieb, 1. Februar 1943, Quelle: BArch, NS 18/1130, Image 0030

Der Eishockeyspieler Rudi Ball: Olympia und nationalsozialistische Ideologie

Im letzten Gruppenspiel des olympischen Eishockeywettbewerbs 1936 in Garmisch-Partenkirchen verlor die deutsche Nationalmannschaft um ihren Star Rudi Ball 2:6 gegen den späteren Vize-Olympiasieger Kanada. Rudi Ball war jüdischer Abstammung. 1943 wurde er „aus dem Sport entfernt“.

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    Vorlage an Walter Tießler, Amtsleiter in der Partei-Kanzlei, zum Ausschluss des Eishockeyspielers und Olympioniken von 1936 Rudi Ball aus dem Berliner Sportbetrieb, 1. Februar 1943 (Seite 1)
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    Vorlage an Walter Tießler, Amtsleiter in der Partei-Kanzlei, zum Ausschluss des Eishockeyspielers und Olympioniken von 1936 Rudi Ball aus dem Berliner Sportbetrieb, 1. Februar 1943 (Seite 2)

Informationen zum Dokument

15 Nationen nahmen am Eishockeyturnier der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen teil. Es fand sowohl im Eissport-Zentrum als auch auf dem zugefrorenen Rießersee, südlich von Garmisch-Partenkirchen, statt. Olympiasieger wurde Großbritannien. Deutschland belegte den 5. Platz, nachdem es sein letztes Spiel am 13. Februar 1936 gegen den späteren Vize-Olympiasieger Kanada mit 2:6 verloren hatte.

Auf dem rechten Flügel der deutschen Nationalmannschaft spielte der Berliner Rudi Ball. Er war der einzige deutsche Olympiateilnehmer jüdischer Abstammung. Da sein Vater Jude war, galt Ball nach den 1935 erlassenen „Nürnberger Gesetzen“ als sogenannter „Mischling 1. Grades“. Dennoch wurde er mit Sondergenehmigung Hitlers Teil der deutschen Olympiamannschaft – ein vermeintliches Zeichen an die internationale Gemeinschaft, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht diskriminiert und verfolgt würden.

In den folgenden Jahren änderte sich der Umgang des nationalsozialistischen Regimes mit Rudi Ball grundlegend. Im Jahr 1940 hatte Hitler in einem Erlass verfügt, dass als „Mischlinge 1. Grades“ eingestufte Männer zunehmend nicht mehr in der Wehrmacht eingesetzt werden durften. Drei Jahre später nutzte das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda diesen Erlass, um Rudi Ball „aus dem Sport zu entfernen“. Es schrieb an die NSDAP-Kanzlei, dass in Anbetracht des Erlasses von 1940 die frühere Sondergenehmigung für Ball nicht länger gültig sei.

1944 wurde Rudi Ball zwangsverpflichtet und kam zur Organisation Todt. Dabei handelte es sich um eine militärisch gegliederte Bauorganisation, die sowohl in Deutschland als auch in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten wichtige Bauvorhaben durchführte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte Ball seine Eishockeykarriere in Deutschland und Südafrika fort.

Der Eishockey-Spieler Rudi Ball im Jahr 1932
Der Eishockeyspieler Rudi Ball im Jahr 1932Quelle: gemeinfrei

Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie

1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.

  • Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen in Anwesenheit von Adolf Hitler
    Themenseite

    Olympia 1936 im nationalsozialistischen Deutschland

    1936 fanden die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland statt – und damit das größte Sportereignis der Welt. Die Nationalsozialisten nutzten es für ihre Propaganda. Zum 90. Jahrestag der Spiele präsentiert das Bundesarchiv Archivalien aus dem Olympiajahr 1936.