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Karte „Das Auftreten d. Werwolfs“ aus der Dissertation „Der Werwolf.- Sein Wesen und sein Weg.- Eine Untersuchung zum deutschen Volksglauben" von Kurt Speth, 1939, Quelle: Bundesarchiv, R 58/7237, Image 0006
"Werwolf ist ein Mensch von Geburt an, durch Zauber und Hexerei oder zur Strafe": 1939 beschäftigte sich der Mitarbeiter einer Arbeitsgemeinschaft des Amts Rosenberg in seiner Dissertation mit Ursprung und Ausprägungen des Werwolf-Glaubens im Deutschen Reich. Sein Manuskript ist im Bundesarchiv überliefert.
Im Bundesarchiv befindet sich das Dissertations-Manuskript eines Mitarbeiters der „Gauarbeitsgemeinschaft für deutsche Volkskunde“ des Amts Rosenberg: Der Doktorand Kurt Speth befasste sich in seiner Arbeit mit dem Mythos des Werwolfs im deutschen Volksglauben.
Das Amt Rosenberg war eine Dienststelle für die Kulturpolitik und Weltanschauung der NS-Herrschaft. Sein Leiter Alfred Rosenberg galt als „Chefideologe“ des NS-Regimes. Die „Arbeitsgemeinschaft für deutsche Volkskunde“ wurde 1937 eingerichtet. Sie beschäftigte sich mit Fragen der Volkskunde, die im Rahmen der Erziehungsarbeit der NSDAP einen immer höheren Stellenwert einnahm. Die Arbeitsgemeinschaft wurde zu einem Bindeglied zwischen Partei und Forschung: Sie nahm Themen der Partei auf und stellte dieser Inhalte zur praktischen Arbeit zur Verfügung. Zum Beispiel flossen die Ergebnisse volkskundlicher Forschungen u. a. in die NS-Propaganda und den Kulturbetrieb.
Das Ziel der weltanschaulichen Forschungen des NS-Regimes war es, einen „wissenschaftlichen“ Beweis für die vermeintliche Überlegenheit des deutschen „Ariers“ zu erbringen – mit einem Fokus auf der Zeit der germanischen Vorgeschichte. Diese Forschungen waren nicht an den Grundsätzen sachlicher Wissenschaftlichkeit orientiert.
Der Titel des im Jahr 1939 angefertigten Manuskripts lautet „Der Werwolf – Sein Wesen und sein Weg – Eine Untersuchung zum deutschen Volksglauben“. Der Mythos des Werwolfs, also eines Menschen, der sich freiwillig oder unfreiwillig in einen Wolf verwandelt, hat seinen Ursprung bereits in der Antike. Dies schreibt auch Kurt Speth in seinem Manuskript: Im alten Griechenland verwandelte der Göttervater Zeus den König von Arkadien, Lykaon, in einen Wolf. Auch den nordischen Mythos des Berserkers setzte Speth in Verbindung mit dem Werwolf. Ein Berserker bezeichnet einen wie im Rausch kämpfenden, altnordischen Krieger mit scheinbar übermenschlichen Kräften. Eine ähnliche Rolle als animalischer Krieger spielte auch der Werwolf in der NS-Ideologie: So trug eine von Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, im September 1944 gegründete Organisation den Namen „Werwolf“. Sie sollte in den besetzten Gebieten den Krieg im Untergrund fortführen. Auch ein Führerhauptquartier in der Ukraine trug den Namen „Werwolf“.
In seiner Dissertation sammelte Speth zudem regionaltypische Eigenschaften des Werwolf-Glaubens. Dazu zählen zum Beispiel die unterschiedlichen Zeiten und Orte der Verwandlung, seine Verbindung zum Teufel und anderen Wesen wie Vampiren und Aufhockern sowie Möglichkeiten, einen Menschen von seinem „Werwolfsein“ zu erlösen. Diese Unterscheidungen veranschaulichte Speth teilweise auf Landkarten.

Im Gegensatz zur damals vorherrschenden Forschungsmeinung, dass der Werwolf „altgermanisch“ und somit die Werwolfsvorstellungen anderer Regionen und Epochen darauf zurückzuführen seien, schlussfolgerte Speth in seiner Arbeit das Gegenteil. Beim Werwolf-Mythos sei eine fortlaufende Überlieferung von der griechischen Antike über das christliche Mittelalter bis heute festzustellen.
Das vollständige Manuskript von Speths Dissertation zum Werwolf-Mythos findet sich unter der Signatur R 58/7237 im Bundesarchiv. Es ist digitalisiert und kann online eingesehen werden.
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