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Schwarz-Weiß-Aufnahme von einem großen Saal, voll besetzt mit Personen in offizieller Kleidung, im Vordergrund Willy Brandt mit verschränkten Armen

Bundeskanzler Willy Brandt, dahinter sein Referent Günter Guillaume (mit Sonnenbrille), bei einer Wahlkampfveranstaltung, 8. April 1974, Quelle: BArch, B 145 Bild-00001824 / Wegmann, Ludwig

Günter Guillaume – der Spion, den niemand stoppte

Das Bekanntwerden der „Guillaume-Affäre“ erschütterte die Bundesrepublik Deutschland und war sogar Anlass für den Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt.

  • Schwarz-Weiß-Aufnahme von oben auf einen zeitungslesenden Mann
    Ein Bundestagsabgeordneter beim Lesen der tagesaktuellen Ausgabe der Bild-Zeitung mit dem Aufmacher der Enttarnung von Günter Guillaume, 26. April 1974
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit handschriftlichen formalen Korrekturen
    Erklärung Herbert Ehrenbergs vor der Kommission „Vorbeugender Geheimschutz“ zur Prüfung von Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit dem Fall Guillaume (Seite 1), 27. August 1974
  • Schwarz-Weiß-Porträtaufnahme mit Herbert Ehrenberg, bekleidet mit einem dunklen gemusterten Anzug, einem weißen Hemd und dunkler Krawatte
    Herbert Ehrenberg, Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt (1971–1976)
  • Mit Schreibmaschine erstelltes Dokument mit händisch unterstrichenen Passagen, Stempeln und handschriftlichen behördlichen Angaben
    Schreiben des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Köln, an den Untersuchungsausschuß Freiheitlicher Juristen (UfJ), Berlin: Umfassende Karteiüberprüfung von Günter Guillaume (Seite 1), 15. Januar 1970
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit nummerierten und strukturierten Absätzen
    Vermerk der Organisationseinheit<br /> Gruppe I/2 des Bundeskanzleramts zu Sicherheitsbedenken gegen Günter Guillaume (Seite 1),  7. Januar 1970
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme mit Horst Ehmke, bekleidet mit Anzug und Krawatte an einem Tisch sitzend, auf dem sich Papierdokumente, eine Wasserflasche, ein Mikrofon und ein Aschenbecher befinden
    Bundesminister a.D. Prof. Dr. Horst Ehmke vor dem 2. Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages der 7. Wahlperiode, 12. September 1974
  • Mit Schreibmaschine ausgefülltes Formular mit Passfoto in der oberen rechten Ecke
    Personalbogen Günter Guillaumes, 28. November 1969
  • Formularähnliches Dokument in Maschinenschrift mit rot unterstrichenen Wörtern sowie mehreren Unterschriften und handschriftlichen Daten
    Ermächtigung Günter Guillaumes für den Zugang zu Verschlusssachen der Geheimhaltungsgrade VS-Vertraulich und Geheim, 12. Mai 1970
  • Maschinengeschriebene zweispaltige Tabelle
    Auszug aus dem Geschäftsverteilungsplan des Bundeskanzleramtes mit den Zuständigkeiten Günter Guillaumes, 1. Juni 1973
  • Schwarz-Weiß-Fotografie mit Günther Nollau, bekleidet mit Anzug und Krawatte und mit gesenktem Blick
    Dr. Günther Nollau, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), 1. September 1974
  • Dokument mit Maschinentext, einem nummerierten, gelb unterlegten Abschnitt und durch schwarze Balken anonymisierten Textstellen
    Auszug aus dem Bericht der Kommission „Vorbeugender Geheimschutz“ zum Fall Guillaume (Seite 1), 11. November 1974
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme mit Willy Brandt, einen Stift in der Hand haltend, im Gespräch mit Hans-Dietrich Genscher, beide mit Anzug und Krawatte bekleidet
    Bundeskanzler Willy Brandt und Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher im Gespräch, 7. November 1972
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit behördlichen Stempeln und handschriftlichen Vermerken
    Vermerk des Bundeskanzleramtes (Bonn) zum Guillaume-Prozess, 24. September 1975
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Sitzungssaals mit an Tischreihen sitzenden Personen, im Vordergrund Willy Brandt vor einem Mikrofon
    Der SPD-Vorsitzende und frühere Bundeskanzler Willy Brandt vor dem 2. Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages der 7. Wahlperiode, 20. September 1974
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen
    Zeugenaussage des SPD-Vorsitzenden und früheren Bundeskanzlers Willy Brandt vor dem 4. Strafsenat des Oberlandesgerichtes Düsseldorf im Prozess gegen Günter Guillaume wegen Landesverrats (Seite 1), 1. Oktober 1974
  • Maschinell erstelltes Schreiben mit ausschließlich Kleinbuchstaben, vielen behördlichen Stempeln und handschrifltichen Vermerken
    Fernmeldenachricht des Bundeskanzleramtes (Bonn) an Günter Guillaume mit geheimen Informationen für Bundeskanzler Willy Brandt, 4. Juli 1973
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme mit Willy Brandt und Günter Guillaume, bekleidet mit Anzug und Krawatte und an Bahngleisen entlanggehend, im Hintergrund ein Personenzug
    Bundeskanzler Willy Brandt mit seinem Referenten Günter Guillaume während einer Informationsreise durch Niedersachsen, 8. April 1974
  • Maschinengeschriebenes Textdokument
    Vermerk des Bundeskanzleramtes (Bonn) zum „Tatbestand“ der nachrichtendienstlichen Tätigkeit Guillaumes (Seite 1), 25. April 1974
  • Maschinengeschriebenes Textdokument mit händischer Unterschrift
    Vermerk des Bundeskanzleramtes (Bonn) zum „Tatbestand“ der nachrichtendienstlichen Tätigkeit Guillaumes (Seite 2), 25. April 1974
  • Maschinentextliches Schreiben mit Unterschrift, einem markierten Absatz und handschriftlichen Vermerken am rechten Rand
    Schreiben des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Wessel, an Staatssekretär Dr. Manfred Schüler, Bundeskanzleramt, zum Fall Guillaume, 28. April 1975
  • Schreiben mit Maschinentext auf offiziellem Briefpapier mit händischer Unterschrift und handschriftlichen behördlichen Vermerken sowie Stempeln
    Schreiben des Vorsitzenden der CDU-/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Karl Carstens, an Bundeskanzler Helmut Schmidt, 4. Juni 1974
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme von einem großen Saal, voll besetzt mit Personen in offizieller Kleidung, im Vordergrund Willy Brandt mit verschränkten Armen
    Bundeskanzler Willy Brandt, dahinter sein Referent Günter Guillaume (mit Sonnenbrille), bei einer Wahlkampfveranstaltung, 8. April 1974
  • Maschinentextliches Dokument mit nummerierten und strukturierten Absätzen sowie einer handschriftlichen Markierung eines Abschnitts
    Übersicht über wesentliche Ergebnisse des Berichts der Kommission „Vorbeugender Geheimschutz“ zum Fall Guillaume, 11. November 1974
  • Maschinentext auf offiziellem Kopfbogen des Oberlandesgerichts Düsseldorf mit mehreren Stempeln sowie handschriftlichen behördlichen Angaben und Vermerken
    Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf in der Strafsache gegen Günter und Christel Guillaume, u. a. wegen Landesverrats, 15. Dezember 1975
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit zwei händisch am Rand markierten Textpassagen
    Vermerk des Bundeskanzleramtes (Bonn) zur Urteilsverkündung im Prozess gegen Günter und Christel Guillaume wegen Landesverrats (Seite 1), 16. Dezember 1975
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit händischer Unterschrift und vielen handschriftlichen behördlichen Vermerken
    Schreiben (Entwurf) an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, Dr. Helmut Kohl, zur Frage des Austauschs von Guillaume, 9. September 1974

Am 24. April 1974, wurden der damalige Kanzler-Referent Günter Guillaume und seine Ehefrau Christel in ihrer Wohnung in Bonn verhaftet. Das Bekanntwerden der „Guillaume-Affäre“ erschütterte in der Folge die Bundesrepublik Deutschland und war sogar Anlass für den Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt. Der höchstrangige DDR-Spion aller Zeiten und seine Komplizin waren erst viel zu spät enttarnt worden. Unterlagen über diesen ungewöhnlichen Fall verwahrt das Bundesarchiv, vor allem in den Beständen B 136 Bundeskanzleramt sowie B 106 Bundesministerium des Innern. Eine Reihe von Akten war bis zum Jahr 2014 noch geheim gehalten.

Wenn an berühmte Spioninnen und Spione erinnert wird, fällt meist auch folgender Name: Günter Guillaume. Das Brisante und Markante dieses Falles ist, dass der Spion so weit kommen konnte, ohne gestoppt zu werden, und dass die staatlichen Stellen, die ihn hätten enttarnen müssen, dies nicht rechtzeitig getan haben.

Nachdem Günter Guillaume und seine Frau 1956 die DDR verlassen hatten, waren beide 1957 in die SPD eingetreten. Über die Jahre war dem Spion des Staatssicherheitsdienstes der DDR, dessen Auftrag „Integration und Aufklärung der SPD“ lautete, der Sprung ins Amt des Geschäftsführers des SPD-Unterbezirks  sowie der SPD-Stadtverordnetenfraktion Frankfurt/Main gelungen. Günter Guillaume verfügte wohl über ein gewisses Organisationstalent und besaß den nötigen Fleiß, um kontinuierlich bis 1969 den Weg zu beschreiten, der ihn dann ins Bundeskanzleramt führte.

Seine Bekanntschaft mit dem damaligen Bundesminister für Verkehr, Georg Leber, für dessen Wahlkampf er sich engagierte, war schließlich der Ansatzpunkt für den Wechsel nach Bonn Durch Leber ergab sich indirekt näherer Kontakt zu Herbert Ehrenberg, da beide für die IG Bau-Steine-Erden tätig waren. Ehrenberg suchte 1969 in seiner Funktion als Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt einen Referenten für Verbindungen zu Gewerkschaften und Parteien und zog Guillaume in Betracht.

Die Sicherheitsüberprüfung im Zuge der angestrebten Einstellung Günter Guillaumes ergab jedoch gewisse Bedenken seitens der Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamtes sowie des Bundesnachrichtendienstes (BND). Ungeachtet dessen wurde Guillaume kurze Zeit später rückwirkend zum 1. Januar 1970 im Bundeskanzleramt eingestellt, nachdem er durch sein souveränes Auftreten im persönlichen Gespräch mit  Horst Ehmke, seinerzeit Chef des Bundeskanzleramtes, den Spionageverdacht entkräftete und zahlreiche weitere Verdachtsmomente unbeachtet blieben.

1972 wurde Günter Guillaume der persönliche Referent von Bundeskanzler Willy Brandt. Dieser erfuhr Ende Mai 1973 von Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher, dass Guillaume des Landesverrats verdächtigt wurde. Dieser Verdacht war im Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) entstanden. Dessen Präsident, Günther Nollau, sah eine Observierung der Guillaumes vor, plädierte jedoch dafür, den vermeintlichen Spion in seiner Position zu belassen und nichts an seiner Tätigkeit zu ändern, um ihn überführen zu können. Fast ein ganzes weiteres Jahr verging, bevor es zur Verhaftung kam.

In der Aufarbeitung der Spionageaffäre geht es vor allem um die Haltung der Verantwortlichen nach dem besagten Mai 1973, aber auch um die Frage des entstandenen Schadens für die Bundesrepublik Deutschland. Nicht nur, dass Guillaume noch bis zuletzt im Amt blieb, darüber hinaus hatte er während dieser Zeit nach wie vor die Befugnis, Einsicht in geheime Papiere zu nehmen. Die im Bundesarchiv verwahrten Unterlagen geben Aufschluss über Einzelheiten und Hintergründe des Geheimnisverrats sowie über die politischen und juristischen Konsequenzen.

Barbara Groß

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  • Zu sehen ist eine Gruppe von sechs Männern. Im Vordergrund steht Willy Brandt mit einem Megafon in der Hand, in das er gerade hineinspricht. Am linken Bildrand sieht man Günter Guillaume mit Brille und gemusterter Krawatte.
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