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mit Schreibmaschine ausgefülltes Haftbefehl-Formular auf rotem Papier mit behördlichen Stempeln sowie handschriftlichen Ergänzungen und Streichungen

Haftbefehl gegen Otto Wels, Quelle: BArch, R 3017/35981, fol. 36

Otto Wels: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!“

Das Bundesarchiv verfügt über zahlreiche Archivalien, die das Leben und politische Wirken von Otto Wels dokumentieren.

  • Otto Wels am Rednerpult in einem großen, mit Männern vollbesetzten Sitzungssaal; Aufschrift auf dem Foto: "Sitzung der Soldatenräte im Reichstagssitzungssaal. Stadtkommandant von Berlin Wels auf der Rednertribüne."
    November-Revolution in Berlin. – Sitzung der Soldatenräte im Reichstagssitzungssaal. – Otto Wels als Redner, 21. November 1918
  • in vorderer Reihe fünf sitzende Herren in Anzügen, teilweise mit Hüten in der Hand, dahinter vier stehende Herren, ebenfalls in Anzügen gekleidet; Schwarz-Weiß-Aufnahme
    Hamburg. – Gründung der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, Mai 1923
  • schwarz-weißes Porträtfoto von Otto Wels, bekleidet mit Anzug und Krawatte
    Porträt von Otto Wels, 1928
  • stark beschädigtes, gerissenes, braunfarbenes Papierdokument mit Maschinentext und handschriftlichen Ergänzungen und Unterstreichungen
    Strafanzeige des Journalisten Alfred Walter Kames gegen Otto Wels, Februar 1932
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme mit Adolf Hitler am Rednerpult im Reichstag, rundherum mit Männern in Anzügen vollbesetzte Sitzreihen; an der Hinterwand ein Banner mit Hakenkreuz-Symbol
    Adolf Hitler spricht im Reichstag zum Ermächtigungsgesetz, 23. März 1933
  • maschinentextliches Dokument mit Eingangsstempel, handschriftlichen Ergänzungen und Unterstreichungen
    Schreiben des Oberstaatsanwalts beim Landgericht Dresden an den Oberreichsanwalt beim Reichsgericht, 24. November 1933
  • Schriftstück mit Maschinentext und handschriftlichen Ergänzungen und Markierungen
    Rundschreiben von Otto Wels als SPD-Parteivorstand vom 3. Juni 1933
  • mit Schreibmaschine ausgefülltes Haftbefehl-Formular auf rotem Papier mit behördlichen Stempeln sowie handschriftlichen Ergänzungen und Streichungen
    Haftbefehl des Amtsgerichts Berlin gegen Otto Wels, 11. Januar 1934
  • Dokument mit Maschinentext und handschriftlichen Ergänzungen, Unterstreichungen sowie mehreren Datumsangaben und Unterschriftskürzeln
    Vorläufige Einstellung des Hochverratsverfahrens gegen Wels und weitere sozialdemokratische Emigranten. – Vermerk vom 31. Januar 1935
  • rechter Teil einer Doppelseite mit Maschinentext und handschriftlichen und gestempelten Ziffern, die teilweise durchgestrichen sind
    Beisetzung von Otto Wels in Paris am 20. September 1939. – Vermerk vom 19. Oktober 1939

Als letzte freie Rede vor dem Reichstag gelten die mutigen Worte, die der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Otto Wels, am 23. März 1933 an das bereits von Kommunisten „gesäuberte“ und vom Terror der Nationalsozialisten eingeschüchterte Restplenum des Reichstags richtete.

Abgeordneter des Reichstags war der am 15. September 1873 in Berlin geborene Wels bereits seit 1912, seit 1919 Parteivorsitzender der SPD. Sein Versuch, die Weimarer Reichsverfassung, an deren Entwurf er 1919-1920 als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung mitgearbeitet hatte, zu retten, misslang.

Das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom 24. März 1933, besser bekannt als das „Ermächtigungsgesetz“, trat in Kraft, und der NS-Terror in Deutschland nahm seinen weiteren Lauf. Das Gesetz, das die Gewaltenteilung aufhob und der Reichsregierung umfassende Handlungsvollmacht verlieh, wurde 1937 und 1939 durch den Reichstag, 1943 durch einen Erlass Adolf Hitlers verlängert.

In ihren Beratungen über die innenpolitische Situation und die Lage der Partei am 14. März 1933 hatte die SPD bereits eine düstere Bilanz ziehen müssen: Viele Sozialdemokraten waren in Haft; Gewerkschaftshäuser und Parteibüros geschlossen. Wels appellierte an seine Genossen: „Wir sollten uns aber nicht für tot erklären, ehe wir tot sind.“

Als am 22. Juni 1933 das Verbot der SPD als „volks- und staatsfeindliche Organisation“ erfolgte, hatte Wels Berlin bereits verlassen. Über das Saargebiet emigrierte er nach Prag, um von dort aus die Partei zu führen, die fortan in der Illegalität wirken musste. Nach dem Münchner Abkommen wich der Vorstand der Exil-SPD, der Sopade, nach Paris aus. Dort starb Wels am 16. September 1939.

Das Bundesarchiv verfügt über zahlreiche Archivalien, die das Leben und politische Wirken von Otto Wels dokumentieren: vom Porträtfoto über Prozessakten bis hin zu Gestapo- und SD-Berichten über seine Beisetzung in Paris. Lesen Sie hierzu den Rechercheleitfaden zu Otto Wels.

Lesen Sie den Rechercheleitfaden zum Archivgut rund um die Verabschiedung des „Ermächtigungsgesetzes“ und seine Nachwirkungen.

Archivgut des Bundes beleuchtet umfassend die Verfolgung der deutschen Sozialdemokratie. Beachten Sie hierzu den Rechercheleitfaden „Archivalien zur Verfolgung von Sozialdemokraten im Nationalsozialismus“.

Sabine Dumschat