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Zwei Soldaten auf ihren Pferden während eines Ritts im Lager.

Aufstellung der 1. Kosaken-Division in Mielau September bis Oktober 1943, Lagerleben, Quelle: BArch, N 5055/4

Pferde im Einsatz bei Wehrmacht und Waffen-SS

Der Pferdebestand der Reichswehr lag 1933 bei etwa 42.000 Pferden und stieg in der Wehrmacht der Vorkriegszeit auf etwa 170.000. Insgesamt wurden auf deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg 2.800.000 Pferde eingesetzt.

  • Lehrbuchseite mit einem Körperaufbau eines Pferdes und der entsprechenden Legende unter dem Bild.
    Äußere Körperteile des Pferdes
  • Merkblatt über Pferdepflege 1943
    Merkblatt über Pferdepflege 1943
  • Versuchsbefehl zum Einsatz von mechanischen Putzmaschinen für die Pferdepflege.
    Pferdeputzmaschinen, 30.11.1926 (Seite 1)
  • Fortführung des Befehls zu Benutzung von Pferdeputzmaschinen.
    Pferdeputzmaschinen, 30.11.1926 (Seite 2)
  • Vorschriftsblatt für die Berittenmachung von Offizierspferden.
    Offizierpferde; „Vorschrift für die Berittenmachung der Offiziere“ von 1928
  • Befehl zur Vielseitigkeitsprüfung der Remonten
    Vielseitigkeitsprüfung der alten Remonten 1932, 4. (Preuss.) Reiter- Regiment, 07.05.1932
  • Auszug aus der Lehrschrift "Reitvorschrift" über die korrekte Haltung während des Reitens.
    Sitz und Haltung des Reiters; „Reitvorschrift“ von 1934 (Seite 1)
  • Auszug aus der Lehrschrift "Reitvorschrift" über die korrekte Haltung während des Reitens
    Sitz und Haltung des Reiters; „Reitvorschrift“ von 1934 (Seite 2)
  • Auszug aus der Lehrschrift "Reitvorschrift" über Waffenübungen während des Reitens
    Waffenübungen zu Pferde; „Reitvorschrift“ von 1934
  • Einberufungsblatt für Pferde aus dem Bezirk XXXIII in München
    Pferde-Einberufung für den Stadtbezirk XXXIII in München, 1937
  • Beiblatt zur Pferdee-Einberufung
    Beiblatt zur Pferde-Einberufung für Gemeinden, 1937
  • Vorstellung der Pferderasse "Ostpreuße"
    Ostpreuße; Vorschrift „Das Truppenpferd“ von 1938 (Seite 1)
  • Vorstellung der Pferderasse Hannoveraner
    Pferderassen: Hannoveraner; Vorschrift „Das Truppenpferd“ von 1938 (Seite 2)
  • Handschriftlich ausgefüllter Verpflegungsschein für Pferde in der Wehrmacht
    Verpflegungsschein für Pferde 04.09.1938
  • Befreiung von der Einberufungspflicht für Vollblut-Rennpferde
    Einberufungs-Befreiung für Vollblutpferde, 01.09.1939
  • Reiter mit ihren Pferden während einer Rast vor einem Stall.
    Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 157: Rast auf dem Vormarsch in Kapušany, östliche Slowakei, 1939
  • Eine Reitertruppe auf einer Staubstraße umringt von Bäumen.
    Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 157 auf dem Marsch bei Havaj, nördliche Slowakei, 1939
  • Ein Pferdetross der Aufklärungsabteilung 157 während einer Marschpause.
    Reiter-Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 157: Marschpause vor Rudki, nördliches Polen, 1939
  • Verteiler über die Umgliederung des SS-Totenkopfregiments
    SS-Totenkopf Kavallerieregiment 1: Ergänzungs-Einheiten, 08.12.1940
  • Anweisung und Anhaltspunkte für die Ausbildung von Reitern und Pferden des SS-Totenkopf Kavallerieregiment.
    SS-Totenkopf Kavallerieregiment 1: Anhaltspunkte für Ausbildungszweige, 1940/41
  • Schlittenkolonne an der Ostfront, die von einigen Panje-Pferden gezogen wird. Eines der Pferde liegt im Schnee.
    Panje-Kolonne
  • Motorisierte Infanterie im Mittelabschnitt der Ostfront, durch Panje-Pferde improvisiert beweglich gemacht
    Motorisierte Infanterie im Mittelabschnitt der Ostfront im Januar 1942, durch Panje-Pferde improvisiert beweglich gemacht
  • Eine Panzerabwehrkanone die im Schlamm von einem Pferdegespann gezogen wird.
    Leichte Pak auf Kufen behelfsmäßig winterbeweglich gemacht
  • Lehrblatt zur Veterinärversorgung der Pferde.
    Veterinärische Versorgung, Januar 1943 (Seite 1)
  • Lehrblatt zur Veterinärversorgung der Pferde.
    Veterinärische Versorgung, Januar 1943 (Seite 2)
  • Zwei Soldaten auf ihren Pferden während eines Ritts im Lager.
    Aufstellung der 1. Kosaken-Division in Mielau September bis Oktober 1943, Lagerleben
  • Zurückkehrender Trupp aus Terekkosaken und deren Handpferden.
    Aufstellung der 1. Kosaken-Division in Mielau September bis Oktober 1943, Lagerleben
  • Marsch des Terekkosaken-Reiter-Regiments 6 während einer Pause auf einem Feldweg.
    Marsch des Terekkosaken-Reiter-Regiments 6 aus dem Raum Sunja- Kostajnica in den Raum Slowenisch-Pozega, Frühjahr 1944
  • Mehrere Terekkosaken-Reiter während eines Marsches zurück nach Norden.
    Terekkosaken-Reiter-Regiment 6 auf dem Marsch in der Drauebene, März 1945

Das landläufige Bild von der Wehrmacht als eine vollmotorisierte Armee und Inbegriff der technischen Möglichkeiten ihrer Zeit ist eine Legende, die zum guten Teil auf bewusster seinerzeitiger Propaganda beruht. Tatsächlich war die Wehrmacht in ihrer Masse bespannt und beritten, das Pferd war eines ihrer Haupt-Fortbewegungsmittel. Der Pferdebestand der Reichswehr lag 1933 bei etwa 42.000 Pferden und stieg in der Wehrmacht der Vorkriegszeit auf etwa 170.000. Am Tag des Kriegsbeginns am 1. September 1939 lag der Pferdebestand infolge zusätzlicher Einziehungen bei 573.000 Pferden. Zwei Jahre später wurden für den Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 750.000 Pferde bereitgestellt. Insgesamt wurden auf deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg 2.800.000 Pferde eingesetzt und es gab nach Ende des Krieges tatsächlich Pferde, die den gesamten Krieg über als Truppenpferd „gedient“ hatten.

Die Verluste waren indes hoch. Einer Aufstellung des Generalstabes des Heeres zu den Pferdeverlusten im Feldheer (einschl. der Luftwaffen-Feldeinheiten) für den Zeitraum vom 22. Juni 1941 bis zum 31. Dezember 1944 zufolge, lag der Monatsdurchschnitt an Totalausfällen bei Pferden in der Regel bei etwa 30.000, davon über 90% beim Ostheer. Insgesamt beliefen sich die Totalverluste an Pferden seit dem 22. Juni 1941 auf 1.558.508. Im Dezember 1944 lag die Totalausfallsrate bei 26.134 Pferden, wovon 10.058 durch Feindeinwirkung starben und knapp 2.500 an Erschöpfung - bei einem Gesamtbestand in diesem Monat von etwa 930.000 Pferden. Zusätzlich befanden sich 40-80.000 Pferde pro Monat im Krankenstand.

Pferde wurden in drei Bereichen eingesetzt: Zum einen in der Kavallerie von Heer und Waffen-SS als Fortbewegungsmittel des kämpfenden Soldaten. Zum anderen auch bei den anderen Waffengattungen als Fortbewegungsmittel des Führungspersonals (Offizierspferde). Und darüber hinaus als Zugtiere vor allem bei der Artillerie, aber auch bei den Pionieren und der Nachrichtentruppe und natürlich bei den Versorgungstruppen allgemein. In den letzten beiden Bereichen wurden Pferde auch bei der Luftwaffe und der Marine eingesetzt.

Der am 28. Juni 1919 von der Reichsregierung unterzeichnete Versailler Vertrag forderte nicht nur die Reduzierung der deutschen Armee auf 100.000 Mann, er legte auch die Zusammensetzung dieses „100.000-Mann-Heeres“ fest: 21 Infanterie-Regimenter, 7 Artillerie-Regimenter und stattliche 18 Reiter-Regimenter. Im kleinen 100.000-Mann-Heer sollte diese Zusammenstellung zu einem unzeitgemäßen und nur begrenzt effektiven militärischen Instrument führen. Die 41 Reichswehr-Kavallerie-Regimenter der Vorläufigen Reichswehr wurden bereits im September 1919 im Übergangsheer auf 24 Reichswehr-Kavallerie-Regimenter reduziert. Im Zuge der Bildung des schließlichen 100.000-Mann-Heeres entstanden ab Mai 1920 die 1. bis 3. Kavallerie-Division mit dem 1. bis 18. Reiter-Regiment.

Ab Oktober 1934 gingen mehrere Reiter-Regimenter an die Kraftfahrkampftruppe und wurden umgebildet zu Reiter-Regimentern (mot.) und später zu Schützen-Regimentern, Panzer-Regimentern und Kradschützen-Bataillonen. Aus den noch vorhandenen Reiter-Regimentern entstanden ab Juli 1936 neue Kavallerie-Regimenter. Diese bestanden zusätzlich zu den Reiter-Schwadronen auch aus Radfahr-Schwadronen, motorisierten Teileinheiten und Nachrichten-Einheiten. Sie umfassten damit drei verschiedene Fortbewegungsmittel bei deutlich erhöhter Feuerkraft. Im Jahr 1939 bestand schließlich in jedem Wehrkreis (außer XVIII) ein Kavallerie-Regiment, dazu kam die 1. Kavallerie-Brigade mit den Reiter-Regimentern 1 und 2.

Mit der Mobilmachung wurden die 13 bestehenden Kavallerie-Regimenter aufgelöst und traten planmäßig zu den neu aufgestellten Aufklärungs-Abteilungen der Divisionen. Nach Bildung der 2. Kavallerie-Brigade mit zwei neu gebildeten Reiter-Regimentern entstand zudem die 1. Kavallerie-Division (trotz Teilmotorisierung mit einem Bestand von 17.000 Pferden). Diese bestand bis zum 28. November 1941 und wurde dann zur 24. Panzer-Division umgebildet. Die Infanterie-Regimenter wiederum erhielten jeweils einen Infanterie-Reiterzug (ein Infanterie-Regiment von 1940 umfasste so 626 Pferde). Zusammen mit den Aufklärungs-Abteilungen bildeten diese die „Truppenkavallerie“, gegenüber der 1. Kavallerie-Division als „Heereskavallerie“.

Im Winter 1941/42 wurden die Aufklärungs-Abteilungen an der Ostfront zwar sehr erfolgreich eingesetzt, waren jedoch bald auch völlig ausgebrannt, ebenso die Infanterie-Reiterzüge. Aus den im Winter 1942/43 daher noch bei Divisionen im Osten befindlichen Reiter-Schwadronen wurden die Reiterverbände Boeselager und Winning gebildet, aus denen bis zum Sommer 1943 die Kavallerie-Regimenter Mitte, Nord und Süd gebildet wurden. Im Jahr 1944 entstanden hieraus die Kavallerie-Regimenter 5, 31, 32 und 41, vereinigt in der 3. und 4. Kavallerie-Brigade und schließlich im I. Kavallerie-Korps, das in der Folge an der Ostfront eingesetzt wurde, nach Ostpreußen zurückging, weiter nach Ungarn zog und schließlich im Mai 1945 in Österreich in britische Gefangenschaft ging.

Letztlich war es allein das Pferd, das die Infanterie beweglich machte, nicht nur, dass es ihr mit den genannten Einheiten als Aufklärung diente, es zog auch die schweren Waffen, die Versorgungsfahrzeuge und beförderte die Führungsorgane. Im Fortgang des Krieges dehnte sich der Tätigkeitsbereich der Pferde tatsächlich noch aus, auch die motorisierten und Panzer-Divisionen mussten in ihren Versorgungs- und Unterstützungsteilen zunehmend auf Pferde zurückgreifen (Pferdebestand derartiger Divisionen 1942: ca. 1.500), desgleichen bei Luftwaffe und Marine. Selbst die Volks-Grenadier-Divisionen von 1944 umfassten planmäßig noch 1.290 Pferde gegenüber nur 57 motorisierten Fahrzeugen.

Letztlich wurde die Pferdeabhängigkeit bedingt durch die wirtschaftlichen Realitäten. Der deutschen Industrie gelang es zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd so viele Fahrzeuge zu produzieren, wie für eine durchgreifende Vollmotorisierung nötig gewesen wären. Hinzu kam das bereits für den bestehenden Fahrzeugbestand zunehmend gravierendere Problem der Betriebsstoffversorgung. Das Pferd war in diesem Szenario kein Anachronismus, sondern ein nach wie vor brauchbares und vertrautes Hilfsmittel.

Thomas Menzel