Direkt zum Seiteninhalt springen
Aufgeklebtes Schwarz-Weiß-Foto eines mit Band verschnürten Pakets mit handgeschriebener Absender- und Empfängeradresse auf Etiketten, Briefmarken und „Drucksache“-Stempel; an einem darunter angelegten Zollstock ist das Maß ablesbar.

Paketbombe für Konrad Adenauer, Quelle: BArch, B 106/15789, Image 1133 (Ausschnitt)

Anschlag mit politischer Sprengkraft

Am 27. März 1952 explodierte im Keller des Münchener Polizeipräsidiums eine Bombe und verletzte einen Brandmeister der Feuerwehr tödlich – ein Anschlagsversuch, der sein eigentliches Ziel verfehlte: Bundeskanzler Konrad Adenauer. Bundesarchiv-Dokumente geben Einblick in einen Kriminalfall, der zum Politikum wurde.

Zum Inhalt springen

Explosion im Polizeikeller

„Hier läuft Gerücht, dass Paket mit der Anschrift an Bundeskanzler Adenauer Bonn dort explodiert sein soll.“ Am Abend des 27. März 1952 ging bei der Münchener Kriminalpolizei ein Blitz-Fernschreiben des Bundeskriminalamts (BKA) Bonn ein. Kurz zuvor hatte eine Detonation das Polizeipräsidium in der bayerischen Landeshauptstadt erschüttert.

Früher am Abend: Am Münchener Hauptbahnhof übergab ein unbekannter Mann den beiden Jungen Bruno Beyersdorf (13) und Werner Breitschopp (12) ein Paket. Er bat sie, es bei der Post aufzugeben, überreichte ihnen drei Mark als Belohnung und verabschiedete sich wieder.

Als die Jungen merkten, dass der Mann sie auf dem Weg zur Post verfolgte, wurden sie skeptisch und wandten sich an einen Straßenbahnmitarbeiter. Dieser übergab die Sendung der Polizei, die sofort Verdacht schöpfte: Das Paket war an Bundeskanzler Konrad Adenauer adressiert – aber mit falschem Empfangsort („Bundeshaus“ statt „Palais Schaumburg“ in Bonn). Außerdem wies das Versandetikett mehrere orthografische und grammatikalische Fehler (z. B. „Frankfort“ und „An dem Bundeskanzler“) sowie sprachliche Besonderheiten (z. B. „Sender“ statt „Absender“) auf. Dies deutete darauf hin, dass der Absender kein deutscher Muttersprachler war.

Nachdem die Beamten das Paket ins Münchener Polizeipräsidium gebracht hatten, öffnete Feuerwehr-Brandmeister Karl Reichert im ehemaligen Luftschutzkeller die verdächtige Sendung. Als er einen darin befindlichen „Brockhaus“-Band aus einem Pappschuber zog, explodierte die im Buch versteckte Bombe. Die Detonation verletzte Reichert tödlich und mehrere umstehende Zeitungsreporter und Polizeibeamte zum Teil schwer.

Aufgeklebtes Schwarz-Weiß-Foto eines mit Band verschnürten Pakets mit handgeschriebener Absender- und Empfängeradresse auf Etiketten, Briefmarken und „Drucksache“-Stempel; das Packpapier ist stark beschädigt.
Aus den Trümmern geborgenes Versandetikett des Bombenpakets für Konrad AdenauerQuelle: BArch, B 106/15789, Image 0591
Aufgeklebte Schwarz-Weiß-Fotografie eines leeren Raumes mit Schutt und Gegenständen auf dem Boden.
Zerstörter Keller im Polizeipräsidium München nach der Explosion der PaketbombeQuelle: BArch, B 106/15789, Image 0841
  • Mit Maschine geschriebener Text mit handschriftlichen Ergänzungen, Stempeln sowie durch Schwärzung anonymisierten Namen
    Blitz-Fernschreiben des BKA Bonn an die Kriminalpolizei München zum gescheiterten Bombenattentat auf Konrad Adenauer, 27. März 1952
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit Stempeln sowie handschriftlichen Vermerken, Korrekturen und Unterstreichungen
    Blitz-Fernschreiben des Polizeipräsidiums München an das BKA Bonn zum gescheiterten Bombenattentat auf Konrad Adenauer, 27. März 1952
Halbe DIN-A4-Seite mit Maschinentext, handschriftlichen Vermerken am unteren Rand sowie mit durch Schwärzung anonymisierten Namen
Übersicht zu Schreiben an Konrad Adenauer nach dem gescheiterten BombenattentatQuelle: BArch, B 136/427, Image 0005

Das Medienecho auf das gescheiterte Attentat war groß: Die Presse berichtete ausführlich über den Vorfall, woraufhin sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an den Bundeskanzler wandten. Auch verschiedene Organisationen und ausländische Politiker äußerten Adenauer gegenüber Erleichterung, dass das Attentat auf ihn gescheitert war.

Laut einem in den Akten des Bundeskanzleramts (Bestand B 136) überlieferten Dokument sind Adenauer ca. „250 – 270 Glückwunschschreiben zugegangen, davon von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ca. 100“.

Das Attentat war auch Thema in der Kabinettssitzung am 1. April 1952. Im Protokoll heißt es, „daß die Meldungen über die hinter dem Attentat stehende Gruppe durchaus ernst zu nehmen seien. Es müsse mit der Möglichkeit einer Wiederholung und Erstreckung auf Minister sowie ihnen nahestehende Personen gerechnet werden“.

Die Ermittlungen laufen an

Im Bundesarchiv sind Unterlagen zu den Ermittlungen gegen die unbekannten Täter u. a. in den Beständen B 106 (Bundesministerium des Innern) und B 131 (Bundeskriminalamt) überliefert. Sie geben Einblick in die polizeilichen Ermittlungen und die Kommunikation zwischen den Landes- und Bundesbehörden.

Bundesinnenminister Robert Lehr (CDU) beauftragte das erst ein Jahr zuvor gegründete BKA mit der Leitung der Ermittlungen. Der Bund übernahm so die Federführung in dem Verfahren – gegen den Widerstand der bayerischen Behörden, die die Zuständigkeit beim Land sahen.

Eine beim Polizeipräsidium München gebildete 20-köpfige Sonderkommission (Soko) übernahm den Fall. Sie bestand aus Mitarbeitern des BKA, des Zentralamts für Kriminalidentifizierung und Polizeistatistik des Landes Bayern und des Münchener Polizeipräsidiums. An der Spitze der Soko stand der aus Bonn angereiste BKA-Beamte Josef Ochs. Der Kriminalrat leitete auch die Exekutivabteilung der Sicherungsgruppe (SG) des BKA. Die SG war für die Sicherheit der deutschen Verfassungsorgane zuständig – u. a. für die Bundesregierung.

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen und einem durch Schwärzen anonymisierten Namen
    Beauftragung des BKA mit den Ermittlungen zum gescheiterten Attentat auf Konrad Adenauer, 28. März 1952 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit händischer Unterschrift
    Beauftragung des BKA mit den Ermittlungen zum gescheiterten Attentat auf Konrad Adenauer, 28. März 1952 (Seite 2)
  • Dokument mit Maschinentext sowie handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen
    Stellungnahme des BKA zu Diskussionen um die Zuständigkeiten bei den Ermittlungen zum Adenauer-Attentat, 30. März 1952 (Seite 1)
  • Dokument mit Maschinentext sowie handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen
    Stellungnahme des BKA zu Diskussionen um die Zuständigkeiten bei den Ermittlungen zum Adenauer-Attentat, 30. März 1952 (Seite 2)
  • Dokument mit Maschinentext sowie handschriftlichen Korrekturen und Unterstreichungen
    Stellungnahme des BKA zu Diskussionen um die Zuständigkeiten bei den Ermittlungen zum Adenauer-Attentat, 30. März 1952 (Seite 3)
  • Dokument mit Maschinentext sowie handschriftlichen Korrekturen und Unterschrift
    Stellungnahme des BKA zu Diskussionen um die Zuständigkeiten bei den Ermittlungen zum Adenauer-Attentat, 30. März 1952 (Seite 4)

Kurz nach dem gescheiterten Attentat gingen zwei gleichlautende, in Französisch verfasste Kommuniqués bei den US-Nachrichtenagenturen UPI und AP in Paris ein. Darin bekannte sich eine „Organisation des Partisans Juifs“ („Organisation jüdischer Partisanen“) dazu, die Bombe an den „Kanzler des Volkes der Meuchelmörder, Dr. K. Adenauer“ geschickt zu haben. Außerdem kündigte sie weitere Anschläge an. Das Motiv: Rache für die deutschen Verbrechen an den Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945.

Wie aus den Kommuniqués hervorgeht, wollten die Attentäter aber vor allem die deutsch-israelischen Verhandlungen in den Niederlanden torpedieren: Im September 1951 hatte Adenauer die Bereitschaft Deutschlands zu Gesprächen mit Israel erklärt. Am 22. März 1952 nahmen beide Länder in Wassenaar bei Den Haag Wiedergutmachungsverhandlungen auf. Die israelische Opposition verurteilte mögliche Entschädigungszahlungen als „Blutgeld“, mit dem sich Deutschland von seiner Schuld loskaufen wolle.

München und Den Haag – die Hinweise verdichten sich

Am 31. März 1952, nur vier Tage nach dem gescheiterten Attentat auf Adenauer, ereignete sich ein weiterer Anschlagsversuch. Wieder war der Sprengsatz in einer Postsendung versteckt – dieses Mal war das Ziel aber nicht Adenauer, sondern die deutsche Delegation in den Niederlanden. Das Attentat missglückte, da eine Sekretärin ein Stück Draht aus dem präparierten Brief hat hervorragen sehen. Der Verhandlungsführer der deutschen Delegation, Franz Böhm (CDU), war zudem kurz zuvor nach Hinweisen von israelischen Behörden vor einem Anschlag gewarnt worden.

Auch in diesem Fall lag der Sendung ein Bekennerschreiben bei. Verfasserin war wieder die „Organisation des Partisans Juifs“. Außerdem ergab ein Schriftabgleich, dass die Kommuniqués zur Paketbombe vom 27. März 1952 und der Brief für die deutsche Delegation in den Niederlanden auf derselben Schreibmaschine angefertigt wurden. Nur die Bomben waren vermutlich von verschieden Personen konstruiert worden. Daraus schlossen die Ermittler, dass es sich um mehrere Täter handeln musste.

Spätestens nach dem vereitelten Anschlag in Den Haag erhärtete sich der Verdacht, dass die Täter aus dem rechtszionistischen Umfeld stammten. Die Spuren führten zu ehemaligen Aktivisten der 1948 aufgelösten paramilitärischen Terrororganisation „Irgun Zwai Leumi“ („Nationale Militärorganisation“, kurz: IZL).

Laut einem Gutachten des Zentralamts für Kriminalidentifizierung und Polizeistatistik handelte es sich bei der Bombe vom 27. März 1952 um das Werk eines versierten, in Sabotage geschulten Technikers – eine Tatsache, die ebenfalls für einen professionell agierenden Täterkreis sprach.

In einem Bericht vom 14. April 1952 fasste die Soko ihre Erkenntnisse zu möglichen Tätern und deren Motiven zusammen.

Zwei untereinander aufgeklebte Paketpapierseiten, die obere maschinell beschriftet mit der Adresse der deutschen Botschaft in Den Haag sowie einem händisch geschriebenen, durchgestrichenen Namen und zwei niederländischen Briefmarken; die untere mit Amsterdamer Absenderangaben.
An die deutsche Botschaft in Den Haag versendete Briefbombe für die Delegation bei den WiedergutmachungsverhandlungenQuelle: BArch, B 106/15789, Image 0747
  • Ganzseitiges maschinengeschriebenes Dokument
    Bericht der Münchener Sonderkommission des BKA zu möglichen Adenauer-Attentätern, 14. April 1952 (Seite 1)
  • Ganzseitiges maschinengeschriebenes Dokument mit Absätzen
    Bericht der Münchener Sonderkommission des BKA zu möglichen Adenauer-Attentätern, 14. April 1952 (Seite 2)
  • Ganzseitiges maschinengeschriebenes Dokument mit einer unterstrichenen Passage und handschriftlichen Korrekturen
    Bericht der Münchener Sonderkommission des BKA zu möglichen Adenauer-Attentätern, 14. April 1952 (Seite 3)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit Unterschrift und handschriftlichen behördlichen Vermerken
    Bericht der Münchener Sonderkommission des BKA zu möglichen Adenauer-Attentätern, 14. April 1952 (Seite 4)

Keine Amtshilfe aus Paris

Am 23. April 1952 reiste der leitende Soko-Ermittler Josef Ochs nach Paris. Durch einen zweieinhalb Wochen zuvor erschienenen Artikel in der Tageszeitung „France Soir“ hatten die deutschen Behörden von der Festnahme fünf Verdächtiger in Frankreich erfahren. Bis auf einen waren sie alle Mitglieder der aus der IZL hervorgegangenen rechtsgerichteten Cheruth-Partei. Der israelische Geheimdienst hatte sie zuvor schon längere Zeit beobachtet und seine Erkenntnisse an europäische Geheimdienste weitergegeben.

Als Ochs in Paris ankam, waren vier der fünf Festgenommenen bereits aus Frankreich ausgewiesen worden, sodass der BKA-Ermittler sie nicht mehr vernehmen konnte. Ochs erhoffte sich daher, von den französischen Behörden mehr Informationen über die Verdächtigen zu erhalten. Dafür suchte er Kontakt zum Inlandsnachrichtendienst „Direction de la surveillance du territoire“ (DST). Dieser teilte jedoch keine Informationen mit dem BKA-Ermittler.

Die deutsch-französischen Beziehungen waren Anfang der 1950er Jahre noch stark durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs belastet. Außerdem arbeiteten viele ehemalige Résistance-Kämpfer bei der DST, die einem deutschen Kriminalbeamten keine Amtshilfe leisten wollten – zumal das BKA in den 1950er Jahren noch zahlreiche NS-Täter beschäftigte. So musste Ochs ohne Ergebnisse wieder aus Paris abreisen.

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit Absätzen und händischen Unterstreichungen in Rot
    Bericht von Josef Ochs über seine Dienstreise nach Paris, 25. April 1952 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit händischer Unterschrift
    Bericht von Josef Ochs über seine Dienstreise nach Paris, 25. April 1952 (Seite 2)

Laut BKA-Akten unterstützte auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die Soko bei den Ermittlungen nur unzureichend. In einem Bericht vom 20. November 1952 merkte Ochs an, außer vereinzelten, wenig hilfreichen Hinweisen sei „seitens des BfV kein Beitrag zur Aufklärung geliefert“ worden. Aus Ochs’ Sicht reichten die „kriminalistischen Mittel“ des BKA jedoch nicht aus. Schließlich handelte es sich um ein politisches Delikt einer international agierenden Tätergruppe, und dem BKA waren die Hände im Ausland gebunden. Daher setzte Ochs auf nachrichtendienstliche Erkenntnisse.

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen
    Vermerk zur Rolle des Bundesamts für Verfassungsschutz bei den Ermittlungen gegen die Adenauer-Attentäter, 20. November 1952 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen sowie einer Unterschrift
    Vermerk zur Rolle des Bundesamts für Verfassungsschutz bei den Ermittlungen gegen die Adenauer-Attentäter, 20. November 1952 (Seite 2)

Ermittlungsergebnisse „delikater Natur“

Im Zuge der Ermittlungen nach den Tätern, Hintermännern und Komplizen gingen bis Mitte 1952 über 1.000 Hinweise aus der Bevölkerung bei den Behörden ein. Außerdem nahm das BKA zahlreiche Verdächtige fest.

In einem Bericht an den BKA-Präsidenten Hanns Jess vom 18. Mai 1952 legte Ochs die vorläufigen Ermittlungsergebnisse dar. Neben den bis dato erlangten Erkenntnissen zu möglichen Tätern verrät das im Bundesarchiv überlieferte Dokument viel über die Denk- und Sprachweise des im Nationalsozialismus sozialisierten Ochs.

Josef Ochs arbeitete während der NS-Zeit beim Reichskriminalpolizeiamt (im Referat V A 2 b „Asoziale, Prostituierte und Zigeuner“) und anschließend bei der Kriminalpolizeileitstelle Düsseldorf. In beiden Dienststellen war er in der „Vorbeugung“ tätig und verantwortlich für die Einweisung v. a. von Sinti und Roma in die Konzentrationslager. Im Juli 1938 war Ochs außerdem zum SS-Obersturmführer ernannt worden.

In seinem Bericht von Mitte Mai 1952 schrieb Ochs, „Zürich, Paris, Amsterdam und München sind die Zentralen des Judentums in Europa“. Für Ochs steckte „eine weitverzweigte internationale Organisation als Inspirateur“ hinter den Anschlagsversuchen in München und Den Haag. Als weiteren Schritt schlug er einen „Weg der Repressalien“ vor, wie z. B. die Errichtung von „Anstalten und Internierungslager[n] für asoziale Ausländer mit ungeklärten Personalien“. Die verweigerte Amtshilfe durch die französische DST begründete er damit, dass ihr Direktor „dem mosaischen Bekenntnis angehört“ – also Jude sei.

Gleichzeitig empfahl Ochs, keine Informationen zu den Tätern an die Presse weiterzugeben, um „den unter der Oberfläche schwelenden Antisemitismus“ nicht wieder anzufachen. Dabei dürfte aber nicht der Eindruck entstehen, die deutschen Behörden scheiterten an der Aufklärung des Falls.

BKA-Präsident Jess legte Ochs’ Bericht mit den Ermittlungsergebnissen Ende Mai 1952 Bundesinnenminister Lehr vor und bat um eine mündliche Besprechung. Diese fand am 29. Mai 1952 statt.

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit nummerierten Absätzen und handschriftlichen Unterstreichungen sowie Markierungen in Rot
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen und handschriftlichen Korrekturen
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 2)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit nummerierten Absätzen und handschriftlichen Korrekturen sowie Unterstreichungen in Rot
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 3)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen, handschriftlichen Korrekturen, Vermerken und Unterstreichungen in Rot sowie mit durch Schwärzung anonymisierten Namen
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 4)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit handschriftlichen Korrekturen, einer Unterstreichungen in Rot sowie mit durch Schwärzung anonymisierten Namen
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 5)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen, handschriftlichen Korrekturen und einem rot am Rand markierten AbschnittSchwärzung anonymisierten Namen
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 6)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen und handschriftlichen Korrekturen
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 7)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit nummerierten Absätzen
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 8)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit nummerierten Absätzen, handschriftlichen Korrekturen und Unterschrift
    Bericht von Josef Ochs über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse im Fall des gescheiterten Adenauer-Attentats, 18. Mai 1952 (Seite 9)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit Stempel, handschriftlichen Korrekturen, behördlichen Vermerken und Unterschrift
    Schreiben von BKA-Präsident Hanns Jess an Bundesinnenminister Robert Lehr zu den vorläufigen Ermittlungsergebnissen im Fall des Adenauer-Attentats, 24. Mai 1952

Lehr ordnete daraufhin an, grundsätzlich keine Informationen mehr an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Zu brisant war die Tatsache, dass jüdische Extremisten nur sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen Anschlagsversuch auf den Bundeskanzler unternommen hatten.

„Diese Ergebnisse sind so delikater Natur und von so erheblicher politischer Bedeutung und Auswirkung, dass ich es für zweckmässig halte, wenn mir zunächst gemeinsam mit dem Leiter der Sonderkommission, Kriminalrat Dr. Ochs, Gelegenheit zu mündlicher Berichterstattung gegeben würde.“

Schreiben von Hanns Jess an Robert Lehr vom 24. Mai 1952
BArch, B 131/1266, Image 0171

Ende August kehrte Ochs nach Bonn zurück, im Herbst gerieten die Ermittlungen ins Stocken. Zwar nahmen die deutschen Behörden sie später wieder auf, konnten bis zur offiziellen Einstellung des Verfahrens im Jahr 1978 jedoch keine Täter ermitteln.

Ein Auslieferungsantrag an Israel mit anschließendem Prozess gegen Juden in Deutschland wäre nur wenige Jahre nach dem Holocaust ohnehin undenkbar gewesen – zumal ein großer Teil der ermittelnden Polizeibeamten und der Richter eine NS-Vergangenheit hatten.

Nachgeschichte

Die Attentäter erreichten nicht ihr Ziel, die deutsch-israelischen Verhandlungen zum Scheitern zu bringen: Am 10. September 1952 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und Israels Außenminister Mosche Scharet das Luxemburger Abkommen. Es regelte die finanzielle Unterstützung der Ansiedlung und Eingliederung jüdischer NS-Verfolgter in Israel in Form von Warenlieferungen und Dienstleistungen.

Auch für die beiden Münchener Jungen, die die Paketbombe der Polizei übergeben hatten, nahm der Fall ein gutes Ende: Adenauer empfing Bruno Beyersdorf und Werner Breitschopp nach dem gescheiterten Attentat im Bundeskanzleramt in Bonn und schenkte ihnen je eine goldene Armbanduhr. Die „Neue Deutsche Wochenschau“ berichtete darüber. Der Film ist im Digitalen Lesesaal des Bundesarchivs abrufbar.

Konrad Adenauer und Mosche Sharet sitzen sich an einem Tisch gegenüber und haben jeweils eine geöffnete Vertragsmappe vor sich und einen Stift in der Hand. Weitere Männer in Anzügen sitzen mit am Tisch, einige stehen etwas abseits im Raum.
Unterzeichnung des Luxemburger Abkommens, 10. September 1952Quelle: BArch, B 145 Bild-F000276-0011 (Ausschnitt) / o. Ang.

Literaturhinweise

  • Baumann, Imanuel / Reinke, Herbert / Stephan, Andrej / Wagner, Patrick: Schatten der Vergangenheit. Das BKA und seine Gründungsgeneration in der frühen Bundesrepublik, Köln 2011.
  • Sietz, Henning: Attentat auf Adenauer. Die geheime Geschichte eines politischen Anschlags, Berlin 2003.

Weitere Beiträge zum Thema „deutsch-israelische Beziehungen“

  • Konrad Adenauer und Mosche Sharet sitzen sich an einem Tisch gegenüber und haben jeweils eine geöffnete Vertragsmappe vor sich und einen Stift in der Hand. Weitere Männer in Anzügen sitzen mit am Tisch, einige stehen etwas abseits im Raum.
    Geschichtsgalerie

    Das Luxemburger Abkommen

    Das am 10. September 1952 unterzeichnete Luxemburger Abkommen gilt heute als Symbol und Grundlage für alle weiteren Regelungen zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts.

  • Ein Araber gibt dem Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht (links) Erläuterungen im Tal der Könige.
    Themenbeitrag

    Dreieck Bundesrepublik – DDR – Israel

    Im Mai 1965 nahmen Israel und die Bundesrepublik diplomatische Beziehungen auf. Dies sorgte für Verstimmungen in der arabischen Welt. Die Auslandsspionage der Stasi verfolgte bereits im Vorfeld die Entwicklung dieser diplomatischen Gemengelage.