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Luftaufnahme vom nördlichen Teil der Oktoberfestwiese. Ein weißer Pfeil markiert den Ort der Bombenexplosion.

Luftaufnahme vom nördlichen Teil der Oktoberfestwiese am Tag nach dem Attentat. Der weiße Pfeil markiert den Ort der Bombenexplosion, Quelle: BArch, B 141/68772, Image 3895 (Ausschnitt)

Terror auf der „Wiesn“

Am 26. September 1980 wurden durch das Oktoberfestattentat in München 13 Menschen getötet und mehr als 200 zum Teil schwer verletzt. Das Attentat gilt als der schwerste Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik, verübt vom Rechtsextremisten Gundolf Köhler. Dokumente des Bundesarchivs geben Einblick in die Geschehnisse, Ermittlungen und Folgen.

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Das Attentat

Für viele Besucherinnen und Besucher des Münchner Oktoberfestes neigte sich der Abend des 26. Septembers 1980, ein Freitag, dem Ende zu. Gegen 22:20 Uhr, rund vierzig Minuten, bevor die Stände beim größten Volksfest der Welt auf der Theresienwiese für diesen Abend Bierausschank und Musik einstellten, machten sich zahlreiche Menschen auf den Heimweg. Viele von ihnen verließen das Gelände über den Haupteingang am nördlichen Rand des Festgeländes, als dort eine Explosion die Wiesn erschütterte: In einem metallenen Abfallkorb detonierte ein selbstgebauter Sprengkörper und riss 13 Besucherinnen und Besucher, darunter drei Kinder, sowie den Attentäter in den Tod. Weitere 221 Personen wurden durch die Explosion und herumfliegende Metallsplitter verletzt – viele von ihnen schwer.

Um 23:15 Uhr, knapp eine Stunde nach Detonation der Bombe, begann die Tatortbefundaufnahme. Noch am selben Abend wurde die Sonderkommission (Soko) „Theresienwiese“ gebildet. Sie bestand aus Ermittlerinnen und Ermittlern des bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA) sowie Kräften des Bundeskriminalamts. Die Soko nahm die kriminaltechnischen Untersuchungen auf, befragte Zeuginnen und Zeugen, stellte eine Vielzahl von Gegenständen am Tatort sicher und dokumentierte den Ort des Geschehens. In den folgenden Monaten vernahm sie nach Presseberichten rund 1.800 Zeuginnen und Zeugen, stellte etwa 1.500 Beweisstücke sicher und ließ mehr als 100 Gutachten erstellen.

Am Tag nach dem Anschlag konnte die Soko die Identität des Attentäters feststellen. Die Ermittlerinnen und Ermittler fanden Ausweisdokumente in der Nähe eines Toten unmittelbar am Ort der Explosion, den sie durch seine Verletzungsmerkmale als Täter ausmachen konnten. Außerdem bestätigten Zeugenaussagen, dass es sich dabei um den 21-jährigen Geologiestudenten Gundolf Köhler handelte.

Luftaufnahme vom nördlichen Teil der Oktoberfestwiese. Ein weißer Pfeil markiert den Ort der Bombenexplosion.
Luftaufnahme vom nördlichen Teil der Oktoberfestwiese am Tag nach dem Attentat. Der weiße Pfeil markiert den Ort der BombenexplosionQuelle: BArch, B 141/68772, Image 3895 (Ausschnitt)
  • Erste Seite einer fünfseitigen Presseerklärung in Maschinenschrift, mit nummerierten Absätzen und einem handschriftlichen Vermerk
    Presseerklärung des Generalbundesanwalts Kurt Rebmann zum Oktoberfestattentat, 28. September 1980 (Seite 1)
  • Zweite Seite einer fünfseitigen Presseerklärung in Maschinenschrift, mit nummeriertem Absatz, markierter Passage und handschriftlicher Korrektur
    Presseerklärung des Generalbundesanwalts Kurt Rebmann zum Oktoberfestattentat, 28. September 1980 (Seite 2)
  • Dritte Seite einer fünfseitigen Presseerklärung in Maschinenschrift, mit Absätzen und einer Nummerierung
    Presseerklärung des Generalbundesanwalts Kurt Rebmann zum Oktoberfestattentat, 28. September 1980 (Seite 3)
  • Vierte Seite einer fünfseitigen Presseerklärung in Maschinenschrift, mit einem nummerierten Absatz, strukturierter Aufzählung, tabellarischen Angaben und einer handschriftlichen Korrektur
    Presseerklärung des Generalbundesanwalts Kurt Rebmann zum Oktoberfestattentat, 28. September 1980 (Seite 4)
  • Letzte Seite einer fünfseitigen Presseerklärung in Maschinenschrift mit nummerierten Absätzen, einer handschriftlich markierten Passage und eingefügten Klammern
    Presseerklärung des Generalbundesanwalts Kurt Rebmann zum Oktoberfestattentat, 28. September 1980 (Seite 5)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 1)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 2)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 3)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 4)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 5)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 6)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 7)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 8)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 9)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 10)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 11)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 12)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 13)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 14)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 15)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 16)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 17)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 18)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 19)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 20)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 21)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 22)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 23)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 24)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 25)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 26)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 27)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 28)<br />  
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 29)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 30)
  • Das Dokument zeigt den Zwischenbericht der Sonderkommission zum Sprengstoffanschlag auf dem Oktoberfest 1980. Im Bericht werden die Tat, die Ermittlungen und die nächsten Schritte der Ermittlung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Zwischenbericht der Soko „Theresienwiese“ zu den Ermittlungen (Seite 31)

Kontakte zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“

Eine Abfrage beim Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS) des Verfassungsschutzes ergab, dass Köhler Kontakte zur verbotenen rechtsextremen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (WSG) hatte. Bei der WSG handelte es sich um eine rechtsextreme Vereinigung, die der aus Nürnberg stammende Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann Mitte 1973 gegründet hatte. Sie bildete ihre Mitglieder paramilitärisch aus und schulte sie ideologisch. Zwischenzeitlich gehörten ihr mehrere hundert Mitglieder an. Am 30. Januar 1980 ließ Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) die WSG als verfassungsfeindliche Vereinigung verbieten.

Zu Karl-Heinz Hoffmann hatte Köhler ab 1976 schriftlichen Kontakt, schlug ihm unter anderem die Gründung einer Ortsgruppe der WSG in seinem Heimartort Donaueschingen vor. Zudem nahm er an zwei Übungen der Gruppierung teil. Über Kontakte in die rechte Szene verfügte Köhler bereits seit seiner Jugend: Als Vierzehnjähriger sympathisierte er laut Ermittlungsbehörden mit der NPD und besuchte deren Veranstaltungen. Als Student in Tübingen soll er zudem im Jahr 1979 an mehreren Versammlungen des rechtsextremen „Hochschulrings Tübinger und Reutlinger Studenten“ (HTS) um den ehemaligen DDR-Bürger Axel Heinzmann teilgenommen haben. Außerdem soll er sich gegenüber seinem persönlichen Umfeld wiederholt rassistisch und antisemitisch geäußert und für einen „Führerstaat“ nach nationalsozialistischem Vorbild ausgesprochen haben.

Schnell verdichteten sich die Hinweise, dass es sich bei der Explosion um einen Terroranschlag handelte. Daher leitete am 27. September 1980 auch Generalbundesanwalt (GBA) Kurt Rebmann ein Ermittlungsverfahren gegen „Unbekannt“ gemäß § 129a StGB (Bildung terroristischer Vereinigungen) ein. Noch am selben Tag durchsuchten die Ermittlerinnen und Ermittler das Elternhaus Köhlers in Donaueschingen und ein von ihm bewohntes Zimmer in Tübingen. Dabei stellten sie umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter Schriften und Notizen zur Herstellung von Sprengstoffen, Chemikalien und eine Sprengkapsel.

  • Anschreiben zu einem Dokument des Bundesjustizministeriums über alle bekannten Informationen der Wehrsportgruppe Hoffmann inklusive rechtlicher Maßnahmen gegen die Gruppe.
    Schreiben des Bundesjustizministeriums mit Informationen zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (Auszug, Seite 1)
  • Die Anlage listet alle bekannten Informationen der Wehrsportgruppe Hoffmann auf inklusive rechtlicher Maßnahmen gegen die Gruppe.
    Schreiben des Bundesjustizministeriums mit Informationen zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (Auszug, Seite 2)
  • Die Anlage listet alle bekannten Informationen der Wehrsportgruppe Hoffmann auf inklusive rechtlicher Maßnahmen gegen die Gruppe.
    Schreiben des Bundesjustizministeriums mit Informationen zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (Auszug, Seite 3)
  • Die Anlage listet alle bekannten Informationen der Wehrsportgruppe Hoffmann auf inklusive rechtlicher Maßnahmen gegen die Gruppe.
    Schreiben des Bundesjustizministeriums mit Informationen zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (Auszug, Seite 4)
  • Die Anlage listet alle bekannten Informationen der Wehrsportgruppe Hoffmann auf inklusive rechtlicher Maßnahmen gegen die Gruppe.
    Schreiben des Bundesjustizministeriums mit Informationen zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (Auszug, Seite 5)

Politisch angespannte Zeiten

Eine besondere Brisanz des Anschlags ergab sich durch das ohnehin aufgeheizte politische und gesellschaftliche Klima in der Bundesrepublik: Am 5. Oktober 1980 war der Termin der Bundestagswahl. Als Spitzenkandidaten standen sich der amtierende Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) gegenüber. Eines der prägenden Themen des Wahlkampfs war die innere Sicherheit. Im Fokus stand der Linksterrorismus, insbesondere der Roten Armee Fraktion (RAF). Dieser hatte Ende der 1970er Jahre seinen Höhepunkt erreicht.

Schmidts konservative Herausforderer suchten den Schuldigen daher unmittelbar nach dem Anschlag im linksextremistischen Lager. Auch eine Tatbeteiligung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische...) schlossen sie – mit Hinweis auf die DDR-Herkunft einiger WSG-Mitglieder – nicht aus.

Das Gefahrenpotenzial der WSG hingegen hatte Strauß in den Monaten zuvor immer wieder heruntergespielt und war mit umstrittenen Aussagen gegen das Verbot der Gruppierung durch das Bundesinnenministerium in die Öffentlichkeit gegangen. So hatte er direkt nach dem Verbot gegenüber französischen Journalisten erklärte, dass er in Wehrsportübungen keine Bedrohung sehe.

Mehrere Wahlplakate, die unter anderem Helmut Schmidt, Franz Josef Strauß und Hans-Dietrich Genscher zeigen.
Wahlplakate für die Bundestagswahl 1980, 2. September 1980Quelle: Bundesregierung, B 145 Bild-00045926 / Storz
  • Textdokument mit nummerierten Absätzen
    Sammlung von Zitaten Franz Josef Strauß’ und Gerold Tandlers zur WSG vom 1. Oktober 1980 (Seite 1)
  • Textdokument mit nummeriertem Absatz und unterstrichenen Passagen
    Sammlung von Zitaten Franz Josef Strauß’ und Gerold Tandlers zur WSG vom 1. Oktober 1980 (Seite 2)
  • Erste Seite eines sechsseitigen Fernschreibens in Maschinentext, mit strukturierten Absätzen und handschriftlichen Vermerken und Kürzeln
    Schreiben des Bundesjustizministers Hans-Jochen Vogel an den Bayerischen Innenminister Gerold Tandler vom 1. Oktober 1980 (Seite 1)
  • Zweite Seite eines sechsseitigen Fernschreibens in Maschinentext, mit strukturierten und nummerierten Absätzen
    Schreiben des Bundesjustizministers Hans-Jochen Vogel an den Bayerischen Innenminister Gerold Tandler vom 1. Oktober 1980 (Seite 2)
  • Dritte Seite eines sechsseitigen Fernschreibens in Maschinentext, mit strukturierten und nummerierten Absätzen
    Schreiben des Bundesjustizministers Hans-Jochen Vogel an den Bayerischen Innenminister Gerold Tandler vom 1. Oktober 1980 (Seite 3)
  • Vierte Seite eines sechsseitigen Fernschreibens in Maschinentext mit strukturierten Absätzen
    Schreiben des Bundesjustizministers Hans-Jochen Vogel an den Bayerischen Innenminister Gerold Tandler vom 1. Oktober 1980 (Seite 4)
  • Fünfte Seite eines sechsseitigen Fernschreibens in Maschinentext mit strukturierten Absätzen und einer handschriftlichen Einfügung
    Schreiben des Bundesjustizministers Hans-Jochen Vogel an den Bayerischen Innenminister Gerold Tandler vom 1. Oktober 1980 (Seite 5)
  • Letzte Seite eines sechsseitigen Fernschreibens in Maschinentext mit händischer Unterschrift
    Schreiben des Bundesjustizministers Hans-Jochen Vogel an den Bayerischen Innenminister Gerold Tandler vom 1. Oktober 1980 (Seite 6)

In der rechten Szene war jedoch gegen Ende der 1970er Jahre eine zunehmende Militanz zu beobachten. Anfang 1979 kam es anlässlich der Ausstrahlung der vierteiligen US-amerikanischen Fernsehserie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ zu rechtsterroristischen Bombenanschlägen, die das Ziel hatten, die Ausstrahlung zu verhindern. Am 22. August 1980 starben in Hamburg zwei Vietnamesen bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingswohnheim. Und die Serie rechter Gewalttaten endete nicht mit dem Anschlag in München: Am 19. Dezember 1980 ermordete WSG-Mitglied Uwe Behrendt in Erlangen den Rabbiner Shlomo Lewin und dessen Lebensgefährtin Frida Poeschke.

  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 1)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 2)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 3)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 4)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 5)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 6)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 7)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 8)
  • Der Bericht listet die auffäligsten Straftaten und terroristischen Attacken mit rechtsextremen Hintergrund auf, die zwischen 1977 und 1980 passiert sind.
    Auflistung rechtsextremistisch-terroristischer Straftaten zwischen 1977 und 1980 (Seite 9)

(K)ein rechtsextremes Attentat?

Der Öffentlichkeit wurden die Identität Köhlers und dessen Verbindungen in die rechtsextreme Szene bereits am Tag nach dem Attentat bekannt – entgegen der Absichten der Sicherheitsbehörden. Ein leitender Beamter aus dem Bayerischen Staatsministerium des Innern (BSTMI) ließ die internen Informationen Journalisten der Illustrierten „Quick“ zukommen. Infolge dieser Indiskretion sah Generalbundesanwalt Rebmann sich am Sonntag, zwei Tage nach dem Anschlag, dazu veranlasst, in Karlsruhe Einzelheiten über Täter und Tathergang zu verlautbaren. Demnach ging der GBA zu diesem Zeitpunkt davon aus, die Bombe sei zu früh, möglicherweise durch eine weitere Person mittels Fernzündung, gezündet worden. Ein Selbstmord Köhlers sei nicht beabsichtigt gewesen.

Aufgrund von Köhlers Verbindungen zur WSG vermuteten sowohl der Generalbundesanwalt als auch bayerische Sicherheitsbehörden, bei dem Anschlag könnte es sich um eine Aktion der WSG gehandelt haben. Mitglieder der Gruppierung wurden am Tag nach dem Attentat, am 27. September 1980, festgenommen. Sie hatten versucht, die deutsche Grenze nach Österreich mit ausrangierten Militärfahrzeugen zu überqueren, die sie im Nahen Osten verkaufen wollten. Bei Hausdurchsuchungen, u. a. auf Hoffmanns Wohnsitz Schloss Ermreuth bei Nürnberg, fanden die Ermittlungsbehörden neben nationalsozialistischem Propagandamaterial auch Munition und Sprengstoff. Aus Mangel an Beweisen für eine konkrete Mittäterschaft wurden die Inhaftierten nach zwei Tagen wieder entlassen.

Im Mai 1981 stellte das BLKA seine Ermittlungen ein, die der Generalbundesanwaltschaft dauerten noch knapp anderthalb Jahre an. Die Ergebnisse ähnelten sich: Beide Ermittlungen kamen zu dem Schluss, Gundolf Köhler habe die Tat allein begangen. Eine politische Motivation wurde nicht festgestellt – trotz Köhlers Kontakten in die rechtsextreme Szene und im Vorfeld der Tat gegenüber Bekannten getätigten Äußerungen, Einfluss auf den Wahlausgang nehmen zu wollen. Stattdessen habe das Tatmotiv vermutlich „in seiner abnormen Persönlichkeitsstruktur, seinem übersteigerten Bezug zu Sprengstoffen sowie in einem unkontrollierten Haß auf die Umwelt“ gelegen. So fasst ein internes Schreiben des Bundeskanzleramtes den Schlussvermerk des BLKA zur Einstellung der Ermittlungen am 13. Mai 1981 zusammen.

  • Erste Seite eines zweiseitigen maschinengeschriebenen Briefes mit handschriftlichen Vermerken und behördlichen Angaben und Datumsstempeln
    Internes Schreiben des Bundeskanzleramtes zum Schlussvermerk des BLKA vom 11. August 1981 (Seite 1)
  • Zweite Seite eines zweiseitigen maschinengeschriebenen Briefes mit händischer Unterschrift
    Internes Schreiben des Bundeskanzleramtes zum Schlussvermerk des BLKA vom 11. August 1981 (Seite 2)
  • Vierseitige Pressemitteilung des Generalbundesanwalt mit der Information, dass die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat eingestellt werden
    Einstellung des Verfahrens gegen Unbekannt am 23. November 1982 durch den Generalbundesanwalt (Seite 1)
  • Vierseitige Pressemitteilung des Generalbundesanwalt mit der Information, dass die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat eingestellt werden
    Einstellung des Verfahrens gegen Unbekannt am 23. November 1982 durch den Generalbundesanwalt (Seite 2)
  • Vierseitige Pressemitteilung des Generalbundesanwalt mit der Information, dass die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat eingestellt werden
    Einstellung des Verfahrens gegen Unbekannt am 23. November 1982 durch den Generalbundesanwalt (Seite 3)
  • Vierseitige Pressemitteilung des Generalbundesanwalt mit der Information, dass die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat eingestellt werden
    Einstellung des Verfahrens gegen Unbekannt am 23. November 1982 durch den Generalbundesanwalt (Seite 4)

Wiederaufnahme der Ermittlungen und Rolle der Stasi-Unterlagen

Nach Einstellung der Ermittlungen blieben Zweifel an den Ermittlungsergebnissen. Geschädigte und Angehörige der Opfer übten wiederholt Kritik, und zivilgesellschaftliche Initiativen protestierten: Die Ermittlungsbehörden hätten rechtsextreme Motive weitgehend ausgeblendet. Trotzdem kam es nach zwei gescheiterten Anträgen, die Ermittlungen wiederaufzunehmen, erst rund 34 Jahre nach dem Anschlag zur Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens durch die Bundesanwaltschaft. Im Zuge der neuerlichen Ermittlungen sichtete die vom Bayerischen Landeskriminalamt geschaffene Soko „26. September“ ab Dezember 2014 insgesamt 300.000 Seiten Unterlagen aus verschiedenen Archivbeständen, ging hunderten Spuren nach und führte über 1.000 Vernehmungen durch.

Das Bundesarchiv verwahrt u. a. die Akten des Generalbundesanwalts (Bestand 362). Aber auch in den Bundesarchiv-Beständen des Bundesjustizministeriums (B 141), des Bundeskanzleramtes (B 136), des Bundeskriminalamts (B 131) oder des Bundesinnenministeriums (B 106) sind zahlreiche Dokumente zum Oktoberfestattentat überliefert. In die Ermittlungen einbezogen wurden auch Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR aus den Beständen des Stasi-Unterlagen-Archivs. Weitere, zum Teil für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Dokumente befinden sich in den mit der Aufklärung befassten Behörden.

Das MfS hatte die Ereignisse rund um das Oktoberfestattentat aufmerksam verfolgt. Es schöpfte Ermittlungsergebnisse der westdeutschen Sicherheitsbehörden ab, dokumentierte die Berichterstattung in der Bundesrepublik und bewertete die Auswirkungen des Anschlags auf die Bundestagswahl.

Zahlreiche – zum Teil zuvor aus der DDR geflohene oder freigekaufte – Rechtsextremisten hatte das MfS in seinem Speicher erfasst. Außerdem setzte es inoffizielle Mitarbeiter in der rechten Szene in der Bundesrepublik ein. Sein Ziel: neonazistische Organisationen im eigenen Land verhindern und Material sammeln, das die Bundesrepublik diskreditieren könnte.

Maschinenschriftliches Dokument mit handschriftlichen Eintragungen, die zum Teil anonymisiert wurden.
Erfassung Karl-Heinz Hoffmanns durch das MfSQuelle: BArchMfS, HAIII, Nr. 7729, Bl. 49

Dokumente zum Oktoberfestattentat in der Stasi-Mediathek

Bekannt wurden die Stasi-Akten und deren Inhalt durch eine Publikation des Journalisten Tobias von Heymann aus dem Jahr 2008. An dessen Recherchen anschließend, stellten Politikerinnen und Politiker der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Juni 2009 im Deutschen Bundestag eine kleine Anfrage. Diese zielte darauf ab, mögliche Kenntnisse deutscher Behörden über eine Beteiligung der WSG an dem Anschlag und mögliche Verbindungen zu weiteren rechtsterroristischen Anschlägen aus dieser Zeit publik zu machen. Am 2. August 1980 etwa wurden bei einem Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof in Bologna 85 Menschen getötet.

Entschädigung nach 40 Jahren

Am 6. Juli 2020 stellte der GBA das Verfahren nach sechs Jahren erneut ein. Die Bundesanwaltschaft kam zu dem neuen Ergebnis, dass Köhler den Anschlag aus einer rechtsextremen Motivation heraus begangen hat. Er habe Einfluss auf die bevorstehende Bundestagswahl nehmen und einen „Führerstaat“ nach nationalsozialistischem Vorbild errichten wollen. Mögliche Mittäter habe der GBA zwar nicht ausschließen können, konkrete Anhaltspunkte hätten sich aus dem wiederaufgenommenen Ermittlungsverfahren jedoch nicht ergeben.

Erst die abschließende Bewertung der Tat als „rechtsextremistisch“ ermöglichte den Überlebenden und Hinterbliebenen in der Folge eine umfassende finanzielle Entschädigung: 2020 richteten der Bund, der Freistaat Bayern und die Landeshauptstadt München einen Opferfonds von insgesamt 1,2 Mio. Euro ein – mit dem Ziel, das Geld schnell und unbürokratisch an die Betroffenen auszuzahlen.

„Zeit heilt keine Wunden“ – die erinnerungskulturelle Aufarbeitung des Attentats

Einladung des Oberbürgermeisters von München, Erich Kiesl, an Bundeskanzler Helmut Schmidt anlässlich der Gedenkfeier zu Ehren der Opfer des Oktoberfestattentats
Einladung des Münchener Oberbürgermeisters Erich Kiesl an Bundeskanzler Helmut Schmidt zur Einweihung einer Gedenksäule anlässlich des ersten Jahrestags des AnschlagsQuelle: BArch, B 141/68772, Image 3409

Ein Jahr nach dem Oktoberfestattentat ließ die Stadt München am Haupteingang der Theresienwiese eine Gedenksäule errichten. Seit 1987 trägt sie auf Initiative der Angehörigen die Namen der zwölf Todesopfer. Da die bronzene Stele aber kaum wahrgenommen wurde, wird sie seit 2008 von einer halbrunden, durchlöcherten Wand ergänzt. Diese soll die Streukraft der Bombe und die durch den rechtsextremen Anschlag verletzte Demokratie symbolisieren. Im Boden eingelassene Stahlsplitter stehen für die Todesopfer.

Seit 2018 erinnert zudem eine Gedenktafel am Rathaus in München an die Opfer des Oktoberfestattentats. Sie ist auch ein Ergebnis eines 2015 von der Landeshauptstadt München ins Leben gerufenen erinnerungskulturellen Forschungsprojekts. Dessen Teilnehmerinnen und Teilnehmer und Überlebende des Attentats tauschen sich regelmäßig über die städtische Erinnerungsarbeit zum Oktoberfestattentat aus.

Am 26. September 2020 schließlich wurde eine Dokumentationsstätte am Haupteingang des Oktoberfests eingeweiht, die den dortigen Gedenkort ergänzt. Sie informiert über die Geschehnisse im Herbst 1980 und lässt in Videointerviews zehn Überlebende zu Wort kommen.

Jährliche Gedenkveranstaltungen, aber auch Filme (z. B. „Der blinde Fleck“ von 2013) und Theaterstücke (z. B. „Wir waren nie weg – die Blaupause“ von 2015) tragen ebenfalls zur Erinnerung an den schwersten Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bei.

Das Zitat „Zeit heilt keine Wunden“ stammt von der Mutter eines beim Anschlag Getöteten.

Literaturhinweise

  • Andreasch, Robert: München. Vier Jahrzehnte im Kampf gegen das Verdrängen und für die Perspektive der Überlebenden, in: Nobrega, Onur Suzan / Quent, Matthias / Zipf, Jonas (Hrsg.): Rassismus. Macht. Vergessen. Von München über den NSU bis Hanau: Symbolische und materielle Kämpfe entlang rechten Terrors, Bielefeld 2021, S. 189–198.
  • Chaussy, Ulrich: Oktoberfest. Das Attentat. Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann, Berlin 2014.
  • Chaussy, Ulrich: Oktoberfest-Attentat (26. September 1980) (15.11.2021), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Oktoberfest-Attentat_(26._September_1980) (letzter Zugriff: 17.09.2025).
  • Neef, Tatjana: 26. September 1980. Das Oktoberfest-Attentat, hrsg. von der Landeshauptstadt München, 4. Aufl., München 2020.
  • Vollhardt, Ulla-Britta: Wehrsportgruppe Hoffmann. Militanter rechtsextremistischer Kampfverband, 1980 verboten (16.01.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/wehrsportgruppe-hoffmann-876 (letzter Zugriff: 17.09.2025).
  • Von Heymann, Tobias: Die Oktoberfest-Bombe. München 26. September 1980. Die Tat eines Einzelnen oder ein Terror-Anschlag mit politischem Hintergrund? Berlin 2008.