Die Vorgängereinrichtung
Die 1920 gegründete „Deutsche Hochschule für Leibesübungen“ (DHfL) bildete Sportlehrerinnen und -lehrer aus und erforschte die Leibeserziehung wissenschaftlich. Die DHfL war keine staatliche Institution und das Abitur keine grundsätzliche Voraussetzung zur Aufnahme. Zudem durften sowohl Männer als auch Frauen an der DHfL studieren. Ihren Sitz hatte die Schule im „Deutschen Sportforum“ in Berlin-Charlottenburg. Dort wurde später für die Olympischen Spiele 1936 das „Reichssportfeld“ errichtet.
Die Gründung der Schule ging auf eine Idee des Sportwissenschaftlers und Funktionärs Carl Diem zurück. Dieser hatte in seiner Denkschrift „Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen“ von 1924 geschrieben, die DHfL „sollte eine freie wissenschaftliche Forschungsstätte für alle die vielgestaltigen Wirkungen und Probleme der Leibesübungen sein.“ Zudem sollte die Hochschule „eine Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zu gemeinsamer Arbeit werden.“ Diem war später Generalsekretär des Organisationskomitees für die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin.
Umwandlung in die Reichsakademie
Im Jahr 1933 kamen die Nationalsozialisten an die Macht. Drei Jahre später wurde die DHfL umstrukturiert und in die „Deutsche Reichsakademie für Leibesübungen“ umgewandelt. Die liberale Ausrichtung der Schule änderte sich, die nationalsozialistische Ideologie sowie die Wehrertüchtigung rückten in den Mittelpunkt des Lehrprogramms. Im Zuge der Militarisierung war die Studentenschaft an der Reichsakademie nun stark männlich dominiert. Neben der Ausbildung von Lehrkräften für Schulen und Vereine bot die Reichsakademie Fortbildungslehrgänge an.
Präsident der Reichsakademie wurde der Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten. Zudem stand die Schule unter der Aufsicht des Reichsministeriums des Innern sowie des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.
Das Ziel der neuen Schule war die „Förderung der deutschen Leibeserziehung durch Lehre und Forschung im Geiste des Nationalsozialismus“. Für das NS-Regime hatten Sport und Fitness einen hohen Stellenwert, denn die Nationalsozialisten trafen Vorkehrungen für einen Krieg: Sport war für sie nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern galt auch der vormilitärischen Ausbildung der Bevölkerung sowie der Inszenierung einer disziplinierten „Volksgemeinschaft“.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Reichsakademie nicht wiedereröffnet. Stattdessen entstand in der Nachkriegszeit in beiden deutschen Staaten jeweils eine neue Sporthochschule: Im Westen gründete sich bereits 1947 die spätere „Deutsche Sporthochschule Köln“, in der DDR im Jahr 1950 die „Deutsche Hochschule für Körperkultur“ in Leipzig.
Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie
1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.