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Nationalsozialisten mit Plakaten auf der Langen Brücke in Danzig im Vorfeld der Volkstagswahlen

Nationalsozialisten mit Plakaten auf der Langen Brücke in Danzig im Vorfeld der Volkstagswahlen im Mai 1933, Quelle: BArch, Bild 102-14644 / Pahl, Georg

Vom Freistaat zum Nationalsozialismus

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die ehemalige Hansestadt Danzig in Pommern ein autonomer Freistaat. Anfang der 1930er Jahre gewannen die Nationalsozialisten an Einfluss, im Zweiten Weltkrieg annektierte das Deutsche Reich die Stadt. Fotos und Dokumente aus dem Bundesarchiv beleuchten die Geschichte Danzigs zwischen 1920 und 1945.

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Die Stadt Danzig liegt westlich der Weichselmündung an der Danziger Bucht. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Danzig die Hauptstadt der preußischen Provinz Westpreußen. Die Stadt an der Ostsee war bekannt als Festungs- und Garnisonsstadt sowie ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Zentrum des Schiffsbaus.

Die Freie Stadt Danzig

Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg legte der Versailler Vertrag fest, dass Danzig und die die Stadt umgebenen Gebiete vom Deutschen Reich abgetrennt und zu einem autonomen Staat werden sollten. Gleichzeitig wurde ein „Polnischer Korridor“ eingerichtet, der Polen einen Ostseezugang garantierte. Am 15. November 1920 wurde Danzig zur „Freien Stadt“ und unter die Aufsicht des Völkerbundes gestellt. Die Bewohnerinnen und Bewohner Danzigs, die zu über 90 Prozent Deutsche waren, sahen ihr Selbstbestimmungsrecht verletzt. Denn diese Entscheidung fand ohne Befragung der Danziger Bevölkerung statt.

Durch die Zollgrenzen zum Deutschen Reich und die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre hatte Danzig zunehmend mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Zudem standen der Hafen und der Zoll gemäß dem Versailler Vertrag unter polnischer Verwaltung: Polen hatte im Danziger Hafen an der Westerplatte ein Munitionslager errichtet und Soldaten postiert.

Karte der Freien Stadt Danzig nach dem Versailler Vertrag
Karte des Danziger Heimatdiensts zur Region Danzig sowie West- und Ostpreußen nach dem Versailler VertragQuelle: Bundesarchiv, R 43-II/973b, Bl. 118

Diese Gemengelage sorgte in der mehrheitlich deutschen Bevölkerung der Stadt für Unmut gegenüber Polen. Die Wahl zum Danziger Volkstag am 28. Mai 1933 brachte der NSDAP eine absolute Mehrheit. Der Volkstag beschloss die Übernahme von Adolf Hitlers Ermächtigungsgesetz – die Freie Stadt näherte sich damit weiter dem Deutschen Reich an. Ab 1939 nahmen die Spannungen zwischen Polen und Danzig weiter zu: Polen hatte die vom Völkerbund erlaubte Anzahl von auf der Westerplatte postierten Soldaten deutlich überschritten.

  • Krantor an der Mottlau in Danzig
    Krantor an der Mottlau in Danzig, 1933
  • 2.	Blick auf das Danziger Werftgelände und die Feuerwache (ca. 1930/1939)
    Blick auf das Danziger Werftgelände und die Feuerwache (ca. 1930/1939)
  • 3.	Der mit Hakenkreuzfahnen geschmückte Lange Markt und das Rechtsstädtische Rathaus in Danzig
    Der mit Hakenkreuzfahnen geschmückte Lange Markt und das Rechtsstädtische Rathaus in Danzig (ca. 1933/1939)
  • Polnischer Briefkasten in Danzig
    Polnischer Briefkasten in Danzig, ca. 1933
  • Nationalsozialisten mit Plakaten auf der Langen Brücke in Danzig im Vorfeld der Volkstagswahlen
    Nationalsozialisten mit Plakaten auf der Langen Brücke in Danzig im Vorfeld der Volkstagswahlen im Mai 1933
  • Holzmarkt in Danzig mit Kriegerdenkmal am Tage der Wahlen zum Volkstag
    Holzmarkt in Danzig mit Kriegerdenkmal am Tage der Wahlen zum Volkstag, Mai 1933
  • Die Große Synagoge von Danzig am 1. Mai 1939
    Die Große Synagoge von Danzig am 1. Mai 1939
  • Mehrere Menschen stehen vor der Synagoge in Danzig, der bereits von einem Holzzaun umgeben ist. Am Zaun ist ein Transparent befestigt mit der Aufschrift „Komm lieber Mai und mache von Juden uns jetzt frei“
    Die Große Synagoge in Danzig vor ihrem Abriss. Nachdem die Synagoge die Zerstörungen der Reichspogromnacht im November 1938 überstanden hatte, wurde sie im Frühling 1939 an die Stadt Danzig verkauft. Die Nationalsozialisten ließen das Gebäude im Mai abreißen. Kurz vorher hängten sie ein Transparent an die Synagoge mit der Aufschrift „Komm lieber Mai und mache von Juden uns jetzt frei“.

Der Zweite Weltkrieg in Danzig

Linienschiff „Schleswig-Holstein“ beim Beschuss der Westerplatte
Linienschiff „Schleswig-Holstein“ beim Beschuss der Westerplatte, September 1939Quelle: BArch, Bild 146-1977-035-35 / o. Ang.

Am 1. September 1939 griff das Deutsche Reich das polnische Munitionslager auf der Westerplatte an und begann den Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig besetzte die Wehrmacht polnische Einrichtungen in der Stadt. In der „Polnischen Post“ kämpften etwa 50 bewaffnete, polnische Postbeamte 14 Stunden lang gegen die Deutschen, ehe sie festgenommen und später zum Tode verurteilt wurden.

Die Nationalsozialisten hatten Danzig annektiert. Noch am selben Tag verabschiedete der Reichstag das „Gesetz über die Wiedervereinigung der Freien Stadt Danzig mit dem Deutschen Reich“. Nach 19 Jahren hörte die Freie Stadt Danzig auf zu existieren.

  • Maschinengeschriebenes Dokument: Gesetz über die Wiedervereinigung Danzigs mit dem Deutschen Reich
    Reichsgesetzblatt: Gesetz über die Wiedervereinigung Danzigs mit dem Deutschen Reich, 1. September 1939
  • Maschinengeschriebenes Dokument: Gesetz über die Wiedervereinigung Danzigs mit dem Deutschen Reich
    Reichsgesetzblatt: Gesetz über die Wiedervereinigung Danzigs mit dem Deutschen Reich, 1. September 1939

Die Stadt wurde mitsamt dem umliegenden Gebiet zum „Reichsgau Danzig-Westpreußen“ erklärt. Albert Forster wurde Gauleiter und Reichsstatthalter. Er stammte ursprünglich aus Franken und war bereits seit 1930 Gauleiter des NSDAP-Gaus Danzig. Mitte Oktober 1939 hielt Forster eine Rede in Danzig. Darin sprach er u. a. über die Pläne der Nationalsozialisten für die jüdische Bevölkerung und die polnische Minderheit im Reichsgau.

„Unsere Verpflichtung ist, dass wir das Land hier rücksichtslos von allem Gesindel, Räuberbanden, Pollaken und Juden säubern. (…) Der Deutsche hat Anspruch darauf, nachdem er zwanzig Jahre geknechtet wurde, jetzt als Herr dieses Landes aufzutreten. Wir können gar nicht hart genug sein.“

Auszug einer Rede Albert Forsters, zitiert in der „Deutschen Rundschau“ vom 23. Oktober 1939

Die Nationalsozialisten hatten bereits am 1. September 1939 etwa 1.500 Angehörige der polnischen Minderheit festgenommen. Am nächsten Tag begannen sie knapp 35 Kilometer östlich von Danzig mit dem Bau des Konzentrationslagers Stutthof. Dort ermordeten die Nationalsozialisten bis zum Kriegsende mindestens 65.000 Menschen.

Am 11. Juli 1942 flog die Royal Air Force ihren ersten Luftangriff auf Danzig. Neben der Werft und wichtigen Eisenbahnwerkstätten waren hier seit 1939 auch die Wehrmacht, Kriegsmarine und Luftwaffe stationiert. Nachdem die Rote Armee immer weiter in Richtung Westen vorgerückt war, hatten bis Ende 1944 hunderttausende Flüchtlinge aus Ostpreußen Schutz in Danzig gesucht. Erst Anfang 1945 erhielten die Menschen die Erlaubnis der Behörden, die Stadt zu verlassen. Am 30. März 1945 eroberten sowjetische Soldaten das schwer verwüstete Danzig: knapp 90 Prozent der Bausubstanz in der Altstadt waren zerstört.

  • Besetzung der Freien Stadt Danzig durch die Wehrmacht. Soldaten der SS-Heimwehr mit Schützenpanzerwagen
    Besetzung der Freien Stadt Danzig durch die Wehrmacht. Soldaten der SS-Heimwehr mit Schützenpanzerwagen am 1. September 1939
  • Die beschädigte „Polnische Post“ in Danzig nach der Einnahme der Wehrmacht
    Die beschädigte „Polnische Post“ in Danzig nach der Einnahme der Wehrmacht (September 1939)
  • Amtseinführung des Gauleiters Albert Forster (links) im Rathaus Danzig
    Amtseinführung des Gauleiters Albert Forster (Vierter von rechts) im Rathaus Danzig, 1. November 1939
  • Deutscher Soldat an der Brüstung im Hafenbecken in Danzig
    Deutscher Soldat an der Brüstung im Hafenbecken in Danzig, ca. April 1941
  • Flüchtlingswagen vor dem Milchkammertor in Danzig
    Flüchtlingswagen vor dem Milchkammertor in Danzig, Februar 1945
  • Frau vor einem Schaufenster in Danzig. An der Scheibe hängen Plakate mit Aufschriften wie „Soldaten, meldet euch bei der nächsten Heeresdienststelle“ oder „Danziger, haltet Disziplin!“
    Frau vor einem Schaufenster in Danzig. An der Scheibe hängen Plakate mit Aufschriften wie „Soldaten, meldet euch bei der nächsten Heeresdienststelle“ oder „Danziger, haltet Disziplin!“, Februar 1945 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 wurde Danzig Teil der Volksrepublik Polen und hieß fortan „Gdańsk”. Die noch verbliebene deutsche Bevölkerung wurde zum großen Teil von der neuen polnischen Regierung aus Danzig vertrieben.

Weitere Recherche

Bei der weiteren Recherche zu Danzig in der NS-Zeit hilft unser Recherchetool invenio. Mehr Fotos aus der Stadtgeschichte Danzigs gibt es zudem in unserem Digitalen Bildarchiv.

Schwarz-Weiß-Aufnahme mit zwei Soldaten beim Entfernen eines Schildes von einer Hausfassade
Dokument zur Zeitgeschichte

Deutscher Überfall auf Polen

In den frühen Morgenstunden des 1. September 1939 begann der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen.

Linienschiff „Schleswig-Holstein“ beim Beschuss der Westerplatte, September 1939
Rechercheleitfaden

Der deutsche Überfall auf Polen 1939

Hier finden Sie einen Rechercheleitfaden zum deutschen Überfall auf Polen 1939.

Gesamtansicht des KZ Auschwitz mit Baracken
Rechercheleitfaden

Archivgut des Bundesarchivs zu Konzentrationslagern

Auf dieser Seite finden Sie Recherchehinweise, eine Bestandsübersicht sowie ein Auswahlinventar zu den Konzentrationslagern der NS-Zeit.