Interviewer: Genosse Oberleutnant Horst Hesse, Sie waren der Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, der auftragsgemäß in die MID-Zentrale in Würzburg eindrang, ihre Arbeitsmethoden aufklärte und, wie der Film „For Eyes Only“ danach gestaltete, mit einem Panzerschrank voller Geheimmaterialen zurückehrte in die DDR.
Horst Hesse: Ja, wissen Sie, äh, was sehr selten geschieht, aber ja der Film einmal untertrieben, denn es handelte sich nicht um einen Panzerschrank, sondern um zwei Panzerschränke. Uns kam es ja nicht auf die Panzerschränke an, sondern um, äh, den Inhalt. Und wie gesagt, wir hatten nur sehr wenig Zeit zur Verfügung. Die Aktion musste schnell durchgeführt werden, so war es mir auch nicht möglich das Zahlensystem der Panzerschränke zu kontrollieren. Und na musste ich eben in den sauren Apfel beißen und die schweren Dinger mitnehmen, einpacken und mit rüberbringen.
Interviewer: Genosse Hesse, welchen Inhalt hatten nun diese beiden Panzerschränke und wozu verhalf dieser Inhalt der DDR?
Horst Hesse: Naja, es handelte sich hauptsächlich um geheime Dokumente des amerikanischen Geheimdienstes. Von ganz besonderem Interesse aber war ein geheimer NATO-Plan, der, woraus hervorging, dass der amerikanische Geheimdienst mit dem westdeutschen Gehlen-Geheimdienst eng zusammenarbeitete und eine Agentengruppe in das Nervensystem unserer Deutschen Demokratischen Republik einsetzen wollte, um, äh, Funktionszentren, politische, ökonomische und auch Nachrichtenzentren unseres Landes zu stören.
Interviewer: Auf dem Papier stand wiedermal ein Tag X, ja?
Horst Hesse: So war es, auf dem Papier stand der Tag X der NATO, der, äh, zeigen sollte, dass, äh, die DDR militärisch von der NATO überrannt werden sollte.
Interviewer: Äh, Genosse Hesse, nun weiß ich von ihrer Rückkehr, äh, mit den Panzerschränken von der internationalen Pressekonferenz, die damals viel Aufsehen erregte, dass sie ja nicht nur mit den Panzerschränken gekommen sind. Ich glaube eine ganze Kartei von Agenten hatten Sie auch noch mitgebracht.
Horst Hesse: Ach, äh, wissen Sie, äh, das, äh, möchte ich Ihnen sagen, es handelte sich hierbei nicht nur um die Panzerschränke. Ich muss ehrlich sagen, ich habe alles mitgebracht, alle Unterlagen der amerikanischen Dienststelle, die sich dort befanden.
Interviewer: Reinen Tisch gemacht?
Horst Hesse: Ich hab' reinen Tisch gemacht, ich hab' nichts liegen lassen. Wir haben eine saubere Arbeit durchgeführt.
Interviewer: Also ganz natürlich, dass da auch eine Agentenkartei dabei war?
Horst Hesse: Selbstverständlich, hier brachte ich die gesamte Agentenkartei der amerikanischen Dienststelle mit, wodurch es unserem Ministerium möglich war 137 Agenten sofort dingfest zu machen und eben nach der Zeit dann noch weitere Agenten, die sich, äh, freiwillig unseren Sicherheitsorganen stellten.
Interviewer: Wie viele waren es dann insgesamt?
Horst Hesse: Insgesamt handelte es sich um über 500 Agenten.
Interviewer: Genosse Hesse, noch eine Frage zum Schluss, Sie haben als Kundschafter der DDR, äh, ich glaube, man kann so sagen, nun Jahre lang in der Höhle des Löwen gesessen und es gab ganz gewiss nicht wenige schwierige Situation für Sie. Was hat Sie durchhalten lassen, wenn die Lage einmal besonders heikel war und die Gefahr des Hochgehens besonders akut?
Horst Hesse: Nun an erster Stelle war es die Partei, die mir die Gewissheit der Anständigkeit und Notwendigkeit meines Einsatzes gab. Weiterhin meine Genossen des Ministeriums für Staatssicherheit, von denen ich eine sehr gute Anleitung bekam, mich dadurch auch dementsprechend sicher fühlte und vor allen Dingen, äh, nie allein war. Ich hatte immer das Gefühl, dass sich jemand um mich sorgt.