Abschlussfeierlichkeiten
Die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen endeten am 16. Februar 1936 mit einer Abschlussfeier und einem Feuerwerk im Eisstadion. Am nächsten Tag kamen alle Athletinnen und Athleten in München zu einer Abschlussveranstaltung zusammen. Hier beglückwünschte Henri de Baillet-Latour, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), alle Sportlerinnen und Sportler zu ihren Leistungen bei den Spielen. Zugleich dankte er dem Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten sowie dem Sportfunktionär Karl Ritter von Halt für die „bewundernswerte“ Organisation und die Wahrung des Olympischen Geistes.
Das deutsche Olympiateam beendete die Winterspiele mit drei Gold- und drei Silbermedaillen auf dem zweiten Platz des Medaillenspiegels. Norwegen lag mit weitem Vorsprung (u. a. sieben Goldmedaillen) auf Platz 1 des Medaillenrankings.
Das internationale Presseecho
Für die Nationalsozialisten waren die Winterspiele ein Erfolg. Das Deutsche Nachrichtenbüro (DNB), die staatliche Presseagentur des Deutschen Reichs, sammelte zahlreiche Reaktionen aus dem Ausland. Laut DNB schrieb ein Journalist der französischen Sportzeitung „L’Auto“: „Man könne vielleicht langweilig wirken, dadurch, dass man immer wieder wiederhole, dass das deutsche Olympische Komitee einen gewaltigen Erfolg erzielt habe. Das sei aber eine Tatsache, die bei allen jeden Augenblick wachgerufen werde.“
Anderen Journalisten wie William L. Shirer von der US-amerikanischen Nachrichtenagentur „Universal News Service“ hingegen war die große Präsenz von SS und Wehrmachtssoldaten in Garmisch-Partenkirchen aufgefallen. Er bezeichnete die Winterspiele als „großartige Propagandaveranstaltung“.
Dennoch zog das DNB in einer Zusammenstellung von Auslandspressestimmen ein überschwängliches Resümee.
Fazit der Nationalsozialisten
Auch innerhalb der nationalsozialistischen Führung fiel das Fazit sehr positiv aus. Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb am 17. Februar 1936 in sein Tagebuch: „Alles rühmt unsere Organisation. Die war auch blendend. Am Schluss wunderbares Bild. Umrahmt von den ewigen Bergen. Dann geht das Feuer aus. Die Winterspiele sind zu Ende.“
Bereits für die Winterspiele hatte Goebbels einen Olympiafilm in Auftrag gegeben. Er war vor allem für die internationale Propaganda gedacht und sollte auch während der Sommerspiele in Berlin gezeigt werden. Regisseur des Filmes war Carl Junghans, der bei den Dreharbeiten in Garmisch-Partenkirchen nicht persönlich dabei war. Die Filmaufnahmen sah er zum ersten Mal am Schneidetisch.
Am 3. Juli 1936 wurde der Film „Jugend der Welt“ in Berlin uraufgeführt. Er war jedoch keine Dokumentation, sondern hatte eher avantgardistischen Anspruch. Beim Publikum und bei der Kritik fiel der Film durch. Dennoch soll sich Leni Riefenstahl für ihren eigenen Olympiafilm an Junghans orientiert haben: Unter anderem engagierte sie den Kameramann von „Jugend der Welt“, Hans Ertl, für ihren Film „Olympia“.
In unserem Digitalen Lesesaal können Sie sich den vollständigen Film „Jugend der Welt“ ansehen.
Damit war die Generalprobe für die Olympischen Sommerspiele in Berlin aus Sicht der Nationalsozialisten gelungen. Das Regime hatte der Welt mit den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen das Bild eines friedlichen Deutschlands vorgetäuscht. Nun rückten die Vorbereitungen der Sommerspiele in Berlin im August 1936 in den Mittelpunkt.
Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie
1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.