Garmisch und Partenkirchen
Im Jahr 1931 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) entschieden, dass die Olympischen Spiele 1936 im Deutschen Reich stattfinden sollten. Damals wurden Winter- und Sommerspiele noch im selben Jahr ausgetragen und gemeinsam an ein einziges Ausrichterland vergeben. Als Austragungsort der Winterspiele entschied man sich für die beiden ursprünglich getrennten Gemeinden Garmisch und Partenkirchen in Oberbayern. Im Januar 1935 wurden sie eigens für die Spiele zusammengeschlossen.
Nachdem Garmisch und Partenkirchen den Zuschlag für die Winterspiele erhalten hatten, dankten die beiden Gemeinden Adolf Hitler in einem Telegramm.
In der neuen Gemeinde Garmisch-Partenkirchen wurden zahlreiche Sportstätten neu errichtet oder modernisiert. Dazu gehörten beispielsweise eine Skisprungschanze, eine Skipiste und ein Eiskunstlaufstadion. Die Bobbahn wurde von einem amerikanischen Ingenieur umgebaut. Die Nationalsozialisten erhofften sich durch das bayerische Alpenpanorama und die modernen Sportstätten eine ideale Bühne für ihre Propaganda.
Ein Verkehrsplan für 500.000 Gäste
Ein komplexer Verkehrsplan sollte den öffentlichen Nahverkehr in der Kleinstadt Garmisch-Partenkirchen mit ihren knapp 16.000 Einwohnerinnen und Einwohnern regeln. Dies war auch notwendig: Am Ende kamen rund 500.000 Gäste aus dem In- und Ausland zu den Winterspielen – ein neuer Rekord. Vier Jahre zuvor, bei den Winterspielen in Lake Placid in den USA, waren es nur 78.000 Zuschauerinnen und Zuschauer gewesen.
Letzte Vorbereitungen
Am 20. Januar 1936 traf sich das Organisationskomitee zu einer abschließenden Besprechung im Olympiahaus des Skistadions in Garmisch-Partenkirchen. In dieser Abschlusssitzung standen noch einmal finale Organisationsfragen zu Themen wie Presse, Polizei und Verkehr, aber auch zur Verpflegung und Unterbringung der Sportlerinnen, Sportler und Gäste auf der Tagesordnung.
Auch eine Ausgabe der „Deulig Ton-Woche“ thematisierte die letzten Vorbereitungen in den Tagen vor Beginn der Spiele. Der Filmbericht zeigt, wie die Langlaufstrecke zur letzten Prüfung abgefahren wird und wie Eisblöcke zersägt und an der Bobbahn aufgeschichtet werden. Die „Deulig Ton-Woche“ war seit 1927 eine Produktion der Ufa. Sie können sich den Bericht im Digitalen Lesesaal des Bundesarchivs ansehen.
Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie
1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.