Direkt zum Seiteninhalt springen

Hauptabteilung I (Abwehrarbeit in der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen)

Zum Inhalt springen

Stand: Dezember 2021
Umfang: 643 lfm
Laufzeit: 1951 – 1990
Erschließungsstand: 100 %

Aufgabenstellung

- Abwehrarbeit in den Führungsorganen, Truppen und Einrichtungen der Nationalen Volksarmee (NVA) und der Grenztruppen der DDR zur Gewährleistung ihrer funktionellen und personellen Sicherheit
- Sicherung des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV) und nachgeordneter Einrichtungen, darunter Verwaltung (ab 1984 Bereich) Aufklärung, Armeesportvereinigung, Militärakademie "Friedrich Engels", Offiziershochschulen usw.
- Arbeit im und nach dem Operationsgebiet zur Aufklärung von Truppen, Stäbe und Einrichtungen der Bundeswehr, des Bundesgrenzschutzes, des Zollgrenzdienstes bzw. der Bayerischen Grenzpolizei sowie deren Grenzüberwachungstätigkeit
- Aufklärung von Einrichtungen der NATO und der Alliierten
- Führung von IM und Arbeit mit OibE und HIM

Enthält u. a.

- Arbeitsorganisation, Arbeitsplanung und Berichterstattung zur Wahrnehmung der Aufgaben als Militärabwehr einerseits sowie als Aufklärungsorgan andererseits
- Angelegenheiten der Mitarbeiter und deren "politisch-operative" Schulung und Weiterbildung
- Methodik der Informationserfassung, -bereitstellung und Auswertung
- Materielle Sicherstellung, auch seitens der NVA bzw. der Grenztruppen
- Planungen für strukturelle und personelle Veränderungen zur Eingliederung in das MfNV Ende 1989
- Aufklärung von Vorkommnissen aller Art in den Streitkräften, insbesondere Aufdeckung von Fluchtabsichten und Militärstraftaten
- Periodische Lageberichterstattung einschließlich Stimmungslage unter Armeeangehörigen und Zivilbeschäftigten
- Analysen zum inneren Zustand der Truppe und zu einzelnen Personengruppen
- Analysen des Grenzsicherungssystems und Maßnahmen zur dessen Perfektionierung
- Sicherheitsüberprüfungen
- Überwachung der Ausbildung ausländischer Militärkader in der NVA
- Sicherung von Militärinspekteuren und Manöverbeobachtern
- Struktur, Ausrüstung, Gefechtsbereitschaft der Streitkräfte
- Analysen zu Wehrmotiv/Wehrbereitschaft, Musterung
- Planung der Mobilmachung und deren Absicherung
- Internationale Beziehungen des MfNV
- Vorkommnisse mit westlichen Militärverbindungsmissionen (MVM) auf dem Territorium der DDR
- Einschätzungen der politischen und militärstrategischen Lage im In- und Ausland
- Spionageabwehr insbesondere im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Verwaltung Aufklärung des MfNV und des Militärattachéapparates sowie bei Fahnenflüchtigen in Zusammenarbeit mit der HA II und der HV A
- Feindobjekt "Deutsche Gesellschaft für Sozialbeziehungen" (zur Betreuung Fahnenflüchtiger in der Bundesrepublik)
- Überwachung der Verwaltung Aufklärung und ihrer Quellen im "Operationsgebiet" sowie des agenturischen Hilfsnetzes in der DDR
- Untersuchung von Dekonspirationen
- Bearbeitung von Hinweisen auf Verdacht bzw. von erkannten Doppelagenten
- Dokumentationen zur Grenze allgemein, zur Grenzsicherung (insbesondere in Berlin), zu Vorkommnissen an der Grenze (u.a. Tunnelbau) und zu gelungenen Fahnenfluchten
- Aufklärungsergebnisse zu Struktur, Personal und Tätigkeit bundesdeutscher Sicherheitsorgane, gegnerischer Streitkräfte einschließlich NATO und Alliierter, zu Polizei, Zoll und Grenzüberwachung insbesondere in Berlin (West)
- Kartenmaterial, insbesondere zur Grenze

Informationen über die Bearbeitung des Teilbestandes

- Die Unterlagen wurden als Bündel, teils als lose Blatt-Ablage und ungeordnet, teils als formierte Ordner/Akten überliefert. Insbesondere die losen Blatt-Ablagen erforderten intensive Ordnungsarbeiten, um Rückschlüsse auf den Registraturzusammenhang ziehen zu können. Vorgänge sind mitunter auf mehrere Akten verteilt, Schriftstücke fragmentarisch.
- Bei den formierten Ablagen sind teilweise Zentrale Materialablagen (ZMA) und andere Ablagesysteme erkennbar.

Informationen über die Bearbeitung des Teilbestandes

- Wie alle „operativen“ Diensteinheiten bildete auch die HA I mehrere sogenannte „Zentrale Materialablagen“ (ZMA) für die Überlieferung von vor allem personenbezogenem Schriftgut.
- Viele dieser Ablagen sind nicht mehr nachweisbar bzw. nicht mehr rekonstruierbar.
- Die Ordnung war sachlich, chronologisch, numerisch, alphanumerisch oder alphabetisch. Entsprechende Ablageordnungen sind nur noch für die Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG), die Abteilungen Luftstreitkräfte/Luftverteidigung und Militärbezirk V, den Stellvertreterbereich Kommando der Grenztruppen und den jeweiligen Unterabteilungen Stab vorhanden.
- Der Zusammenhang zwischen Ablageordnung und Vorverdichtungs-, Such- und Hilfskartei (VSH-Kartei) ist nicht erkennbar, da auf den vorhandenen VSH-Karteien keine Hinweise zur ZMA vermerkt sind.

Findmittel (intern - Stasi-Unterlagen-Archiv):
- personenbezogene MfS-Karteien
- Datenbank "Elektronisches Personenregister“ (EPR)
- Datenbank "Sachaktenerschließung“ (SAE)
- Datenbank zu Mitarbeitern der HV A, zu HIM und OibE (HHO)

Besonderheiten

- Die operativen Diensteinheiten der HA I entsprachen im Wesentlichen den Dislozierungen von NVA und Grenztruppen bzw. des MfNV, d. h. das im MfS übliche Linienprinzip galt nicht. Innerhalb der Organisationsstruktur der Streitkräfte firmierte die HA I offiziell als "Verwaltung 2000".
- Der Teilbestand setzt sich zusammen aus zahlreichen Rückführungen von Außenstellen des BStU sowie von Bundes-, Landes- und Strafverfolgungsbehörden. Er umfasst auch eine große Anzahl von Fotos. Sofern diese nicht Bestandteil eines Vorgangs sind oder gar ohne erkennbaren Zusammenhang zum Schriftgut aufgefunden wurden, werden sie aus konservatorischen Gründen an die Fotosammlung abgegeben. Dort werden die Fotos sachlich erschlossen, sodass sie der Recherche zur Verfügung stehen. Ebenso verhält es sich mit den überlieferten Videos und Tondokumenten.
- Außerdem sind Säcke mit zerrissenen Unterlagen überliefert.
- Vom MfS nicht abgeschlossene, registrierte Vorgänge, die sich bis Ende 1989 in Bearbeitung befanden, wurden dem Teilbestand entnommen. Die Vorgänge wurden ohne archivische Verzeichnung in der so genannten "91er Reihe" des BStU abgelegt. Sie sind für personenbezogene Recherchen oder zur Decknamenentschlüsselung nutzbar. Es handelt sich vorwiegend um IM-Vorgänge, mitunter nur Fragmente daraus.